Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1900)
- Date
- 1900-11-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449134--52000-2502616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1914 stehlii verdanken. Mit der ganzen Kraft seiner persönlichen Ueberzcugung hielt er fest bei der Fahne der Orlhodorie, der er auch zu jeder Zeit Geltung verschaffte. Tief betrübt steht die Gemeinde an der Bahre ihres Vorstehers, der ihre Zierde, ihr Stolz war und sorgenvoll fragen wir uns, wer wird die große Lücke, die sein Hinscheiden verursacht, ausfüllen. — Die Commune verliert in ihm einen ihrer besten und wohltbätigsten Bürger, der in allen Schichten der Gesellschaft geehrt und beliebt war. Eine unabsehbare Menschenmenge begleitete den Verblichenen in seinem letzten Gange. Im Hofe der Synagog', wohin die Bahre getragen wurde, gab Herr Oberrabbiner Snvders in zu Thränen rührenden Worten dem schweren Verluste, den die Gemeinde erlitten, beredt, n Ausdruck. Wehmuthig klagt die Gemeinde, n£- '°t wer wird den schweren Verlust ersetzen V Möge rrzpr. von uns solch schweres Geschick fern halten. rrzx:r, .'TT England. Portsmott h. im Rov. Das Amt des Bürgermeisters (Mayor) in England ist nicht, wie in anderen Ländern von Staatsprüfungen abhängig oder ein Eristenzmittel des Beamten, sondern es ist Honorar und in der Regel nur von einjähriger Dauer. Er ist das Oberhaupt der städtischen Verwaltung mo führt den Vorsitz bei allen Sitzungen der Stadt verordnetenschaft. Hauptsächlich aber liegt es ihm ob, Wohlthätigkeils-Bestrebungeu in's Werk zu setzen und zu fördern-, das gute Einvernehmen aller Bürger dadurch aufrecht zu erhallen, d. ß er ihnen Gelegenheit zu geselligen Zusammenkünften ungezwungener Art Zog. At Homes) im Rathhause giebt und ferner, nach Maß der wichtigeren, die Stadt im Allge meinen betreffenden Ereignisse, Festlichkeiten zu arrangiren. Zu letzteren gehört u. a. der Willkommensgruß, den die Stadt Portsmouth als bedeutendste Hafenstadt und zugleich Festung den heimkehrenden Kriegern darbieten wird, und es ist keine kleine Auszeichnung, die gerade in diesem Jahre einem unserer jüdischen Mitbürger, dem Stadtverordneten und Friedensrichter Herrn Abr. Leon Emanuel, durch seine Wahl zum Bürgermeister widerfahren ist. Derselbe macht keineswegs, wie es nicht selten in Deutschland vorkommt, ein Hehl aus seiner Religion, denn sein Juwelen-Geschäft ist jeden Sabbat und Feiertag geschloffen, und er bekundet sein Interesse an der jüdischen Gemeinde dadurch, daß er als Vorsteher derselben fungirt. Auch betonte er in seiner Antrittsrede am 9. November unter lautem Applaus, daß er Jude sei, trotzdem ^aber allen Confessionen in gleichem Maße seine Hilfe angedeihen lassen werde. Am vergangenen Sonnabend, dem ersten nach seiner Einführung, besuchten der Mayor und seine Gattin, die ihm in allen philantropischcn und sozialen Funktionen würdig zur Seite steht, in Amteroben die Synagoge, welche wie an einem Festtage besucht war, und in der eine der Gelegenheit angepaßte Predigt gehalten wurde. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß Herr Emanuel dieses hervorragende Amt begleitet; im Jahre l 883 —94 stand er ebenfalls an der Spitze der Stadt und verrichtete, wie sich aus seiner Wieder wähl schließen läßt, sein Amt zu vollster Zufriedenheit der Bürger. — Ein ähnlicher Fall hat sich in C a n 1 e r b u r y ereignet: dem langjährigen Stadtveiordneten, Herr Henry Hart, ebenfalls Friedensrichter, und gleichfalls ein eifriger Anhänger des Judentbums, ist jetzt zum zweiten Male die Bürgermeisterwürde verliehen worden. — Dem aus dem Amte scheidenden jüdischen Mayor von Liverpool wurde als Anerkennung für seirw der Stadt geleisteten Dienste ein passendes Geschenk^küberreicht.^ Während es sonst in solchen Fällen üblich ist, dem Bürgermeister eine Bibel nebst Testament zu widmen, erhielt Herr L. S. Cohen sämmtliche Gebete für das Jahr, incl. aller Festgebete. in 12 Prachtbänden (Machsor), in hebräischer Sprache mit englischer llebersetzung. R u ß l a n d. Petersburg. (Zur I u d e n f r a g e.) Der Diriairende Senat hat erklärt, daß die Herstellung dou Säcken als Handwerl zu ynalisiciren ist und daß Hebräer, die sich mit diesem Handwerk beschäfiigen, das Recht haben, außerhalb des Ansässigkeitsrayons zu leben und sich zn der betreffenden Schneiderzunft an sebretben zu lassen. Ueu erngegangene Bücher. (Besprechung Vorbehalten.) Die G o l d s ch i l d s. Kulturgeschichtliche (Romman aus der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts von F r i e d r. A ii r st W rede. Verlag vonW ruft H o f m asti n u. Co. in Berlin SW. 46. 301 L eiten. ^Preid Mk. 3,50. Briefkasten der Redaktion. *v. <*. Caspar Schneible. Mainz, Lotharstraße. R. in W.: Erbitte Ansichtssendung. Briefkasten der Expedition. W. in II: Mk. 21.— für^bewußte Zwecke ei halten