Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1900)
- Date
- 1900-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1908 'hm befehligten Cvorps Anschauungen anfkommen taffe, die einer republikanischen Armee unwürdig seien, und verlangte von ifmi strengstes Einschreiten gegen alle Offiziere, die sich in ähnlicher Weise wie die bereits Gemaßregelten auffiibren würden. General Perboyre, der wohl wußte, daß er selbst das Beispiel einer gänzlich unrepublitanischen Haltung gegeben hatte, und nicht Handlungen bestrafen konnte, die von ihm selbst begünstigt worden waren, erklärte sich nicht im Stande, den antisemitischen Geilt der Schule von Fontainebleau niederzuhalten. Die Folge dieser Aeußerung war eine iiberaus heftige Abkanzelung Seitens des Kriegsministers. General Perboyre hielt es demnach für das Beste zu gehen, obwohl dies sonst nicht in den Gewohnheiten der jesuitisch gesinnten Chefs der französischen Armee unserer Zeit liegt. Er wußte, daß General Andre ihm bereits einen Nachfolger bestimmt hatte, nämlich den allster der Reihe beförderten, in Versailles stehenden General Naquet, einen Juden, der leider durch eine nicht gänzlich dem Wunsche des .Kriegsministers entsprechende Aufführung seinem Offizierscorps gegenüber die Absicht seines Proteetors zu Schanden gemacht hat. Anstatt sofort übrigens durch den Namen Naquet genügend charakterisirte jüdische Abstammung zu bekennen, hielt er damit hinter dem Berge, bis er von General Andre deswegen schwere Vorhaltungen bekam. Da General Naquet versagte, berief General Andre den General Demassieur, der ebenfalls eigens hierzu und entgegen der Anciennität vom Oberstenrange aufgestiegen war und in Algerien sich außerordentlich bewährt bat. General Demasfieux ist gewissermaßen der Bevollmächtigte der Regierung, der in ihrem Namen den Antisemitismus in Fontainebleau bekämpfen und dessen Berufung im Allgemeinen bezeugen soll, daß das Ministerium sich streng an das Programm der Revolution hält, die die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze anerkannt hat. Die reaetionären und antisemitischen Blätter spritzen natürlich Gift und Galle gegen General Andre, Nenercil Demassteur, Hauptmann Coblentz und die Regierung, der sie worwersen, sie handle nur aus Haß gegen die ihr gegnerisch gestimmten Offiziere und nicht, weil sie einen wahren Grund zum Einschreiten habe. Sie hebt die Worte in dem Abschiedsschreiben des Generals Perboyre hervor, die den Hinweis darauf enthalten, daß der „bei seinem Abgänge von dem Polytechnikum in seinen Meinungen und Empfindungen so geteilte Jahrgang" auf der Fontainebleau-Schule völlig einig geworden sei. General Perbovre hat mehr Recht mit seiner Behauptung, als er jetzt vielleicht selbst wünschen würde. In der That sind die noch nicht gänzlich antisemitischen Polptechniker unter der Anleitung des Schulvorstehers rind seiner Offiziere ganz antisemitisch geworden, und man hat die israelitischen Kameraden durch unendliche Draugsaliruugen und Kränkungen zum Abgänge gezwungen. Auch hatten die reaetionären Blätter noch keine Ahnung von der Insubordination des Majors Duval de Fraville. Jetzt, da sie actenmäßig sestgestellt ist, werden die natürlichen Beschiitzer aller aufsässigen Elemente im Heere nach etwas Anderem suchen müssen, als was ste bis jetzt Vorbringen konnten. Blendern werden sie damit nichts. So lange General Andre im Amte ist, wird er nach Kräften dafiir sorgen, daß „Infamien", wie die von Rane charakterisirten, aufhören. Er dient damit am besten der Disziplin, die im französischen Heere so starke Stöße erlitten hat, daß sie kaum länger aushakten könnte, wenn sie nicht endlich einmal thatkräftig gestützt würde. Eine Republik kann verlangen, eine republikanische Armee zu haben, und nicht eine solche, in der die Aufsässigkeit gegen die eigentliche Regierung geradezu einen Theil der Manneszucht bildet, wie es jetzt stellenweise der Fall ist. General Andre bot ganz Recht, gerade die antisemitischen Wühler anzufassen. Sie sind diejenigen, in denen sich der antirepublikanische Geist am greifbarsten verkörpert. Sie sind die wahren Schüler der Jesuiten, mit denen als ihren entsetzlichsten Feinden die Republik im letzten Grunde zu kämpfen hat. Die Jesuiten wollen die Oberleitung der Armee behalten. Das dürfen ste nicht. Und daß die Republikaner sie ihnen entreißen wollen, dafür ist das deutlichste Anzeichen das abgekürzte Verfahren, dessen sich General Andre gegen die „Renitenten" mit so trefflichem Erfolge bedient hat. („Berliner Börsencourier.") Feuilleton. Kin jüdischer Klassiker Ungarns. Gin litlcrorijiitr W» von S.!8. SR o f tt e r. 4] (Nachdruck verboten! Als einen wahren Triumph der neueren ungarischen Dichtung präsentirte Toldy das Gedicht m der „Kisfaludy-Gesellschaft," der vornehmsten litterarischen Vereinigung des Landes. Ein Sturm des Beifalls begrüßte es und man staunte allenthalben, wie ein solcher Dichter so lange verborgen bleiben konnte. Und nicht am wenigsten staunten wohl diejenigen, die redlich das Ihrige dazu beigetragen hatten, daß er die ganze Zeit über unter Schloß und Riegel bleibe. Bald daraus wurde ihm die ehrenvolle einstimmige Wahl zum Mitgliede der Kisfaludy-Gesellschaft ^zu Theil. 1 Länger jedoch als der moralische Erfolg ließ der materielle ans sich warten. sJfad) dieser Richtung