Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1900)
- Date
- 1900-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1907 am Werben, Entfalten und Gedeihen in der Natur so recht in uns erwacht ist, dann wird das Interesse am Landleben und an der Landwirthschaft von selbst kommen und — last not least — neben dem ideellen Nutzen wird auch der reale sich einstellen. Zahlreiche unserer christlichen Kollegen erwerben alljährlich auf diese Weise Preise und Ehrungen und erhöhen dadurch beträchtlich ihre Einnahmen; wem von uns aber — Hand auf's Herz — ist es schon einmal eingefallen, zur Erhöhung seines gewiß nicht besseren Einkommens dieselben Wege zu wandeln? Und doch ist die Zeit, die man auf diese Beschäftigung verwendet, keine vergeudete. So schreibt z. V. der Schulanzeiger von Unterfranken: „Kann der Lehrer auf dem Lande über einen Schulgarten verfügen, oder sich in den Besitz eines Gartens setzen, so gibt es nicht leicht eine angenehmere und zugleich einträglichere Nebenbeschäftigung, als die Kulturpflanzen, insbesondere des Obstes." Darum weg mit den nervenaufregenden, gesundheitsschädlichen Nebenbeschäftigungen herkömmlicher Art, frisch zu dieser neuen gegriffen und der Segen wird nicht ausbleiben. Zum Schlüsse nur noch eine Bemerkung. Edeldenkende und für allen gesunden Fortschritt in Israel begeisterte Mäner wollen die Hand reichen, daß diese Ausführungen kein bloßer Traum bleiben, sondern sich wenigstens zum kleinen Theile verwirklichen. Sie wollen Mittel bereitstellen und Gelegenheit geben, daß solche von uns, die Interesse an der Sache haben und die Mühe nicht scheuen, einen mehrwöchentlichen Kursus in Obstbaumzucht und Blumenpflege mitmachen tonnen und ich habe den Auftrag erhalten, über alle diesbezügliche Fragen näheren Aufschluß zu ertheilen. Also Kollegen! Machen wir einen Versuch! Er ist des Schweißes der Edelsten werth. Es ist auch ein ctrn »imp was wir beginnen wollen, und wahrlich nicht der kleinste. Bedenket: „Der Menschheit Hoffnung ist in Eure Hand gegeben, bewahret sie. Mit Euch sinkt sie, mit Euch wird sie sich heben!" N. B l a t t, Obbach. Frankreich. Paris, 11. Nov. (Der Antisemitismus in der französischen Arme e.) General Perbovre. der Leiter der Militärschule von Fontainebleau. hat feinen Abschied genommen. In sehr gerührten Morten sagte er letzter Tage seinen Kameraden Lebewohl. Damit ist eine Angelegenheit erledigt, die zu den peinlichsten der letzten Monate gerechnet werden muß, und auf's Nene über den in einem großen Tbeile des französischen Osfrziercorps herrschenden antisemitischen Geist belehrte. Wir sagen aus's Neue, denn seit der Dreyfus- Affaire ist man ausreichend aufgeklärt über das, was in der französischen Berufsarmee vorgeht, und was man dort denkt. Der Dreyfus-Fall ist nichts weiter, als ein antisemitisch-jesuitischer Eoup, mit dessen Ausführung die ergebenen Kräfte des Generalstabes betraut worden sind. So lange ein Billot oder der noch verderblichere Freyeinet an der Spitze des Heeres standen, tonnten stch die Antisemiten frei ergehen. Die Uebernahme des Kriegs-Ministeriums durch Galliffet brachte verschämte Versuche, wenn auch nicht den antisemitischen Geist, so doch seine Aeußerungen in politischer Hinsicht zu bekämpfen. Mit dein Eintritte des Generals Andre in das Ministerium Waldeck-Rousseau beginnt der Kampf gegen den antisemitischen Geist in der Armee selbst. Das Rezevt, das Drumont und Cassagnac während der Drehfus-Affaire für die Behandlung der jüdischen Offiziere verschrieben hatten, ist treu befolgt worden. Der ehemalige Senator Ranc behauptet im „Radical". er könne eine ganze Anzahl jüdischer Offiziere namhaft macken, die erbittert und verzweifelt über den verachtungsvollen Widerstand, den ihnen ihre Kameraden entgegensetzten, auf ihre Carriere verzichtet haben. Und er beglückwünscht den General Andre, der entschlossen sei, diesen „Infamien" ein Ende zu machen und durck seine Haltung in der Afsaire von Fontainebleau einen Beweis seiner Thatkraft gegeben habe. Daß die Militärschule von Fontainebleau ein wahres Antisemitennest ist, daran hat Niemand gezweifelt. Freilich wagte kein Kriegsminister, in dieses Nest zu stechen. General Perboyre und die ihm unter- 'Allten Offiziere, ausnahmslos Jesuitenschüler, fühlten sich so kräftig beschützt, daß sie ihre Empfindungen politisch und entgegen jeder Kameradschaftlichkeit kundzugeben stch nickt scheuten. General Andre beschloß, diese Offiziere zur Pflicht uirückzurusen, und um sie zu zwingen, sich mii einem indischen Kameraden zu begegnen, versetzte er den Hauptmann Eoblentz nach Fontainebleau, und zwar unter das Eommando des Majors Duval de Fraville, der stch durch seine antisemitischen Treibereien besonders bekannt gemacht hat. Duval de Fraville begab sich, wie setzt erst bekannt wird, sofort nach der Ernennung des Hauvlmauns Eoblentz in's .Kriegsministerium und hatte die Kühnheit, ihre Zurücknahme zu verlangen. Er hat sogar seinen mündlichen Eintrag schriftlich wiederholt, eine Ausführung, die in der Geschichte der stehenden Heere nur wenig Gegenspiele haben dürfte. General Andre, der stch Vorbehalt, das Schreiben Duval de Fraville's in der Kammer zu verlesen, hat Letzteren sowie fünf andere Offiziere der Militärschule strafversetzt. Aber d-m .Kriegsminister hat stch mit der Entfernung d-r Glieder jener antisemitischen Körperschaft nickst begnügt. Er weiß zu gut. daß, wenn das Haupt nicht anders wird, die neuen Glieder sich nicht anders bewegen werden, als die früheren. Er hat daher den General Perbovre, der offenbar von den Schritten Duval de Fraville's unterrichtet war, zu stch beschicken und ihm Vorwürfe darüber gemacht, daß er in dem von