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Der Israelit · 1900-11-19 · Heft 92 (19.11.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 92 (19.11.1900)
Date
1900-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1906 Organisator der Kranken- und Armenpflege (Sitz Nürnberg, Vorsitzender Herr Rabb. Dr. Ziemlich) entfaltete wäbrend der Berichtsperiode eine nicht unbedeutende Thätigkeit und brachte nach mehrfacher Vorberathung in einer Versammlung, welche in Nürnberg am 26. Dez. v. I. stattfand, ein Statut eines Verbandes der jüdischen Nnterstützungskassen in Bayern und dem Rhein zur Annahme, das sodann behufs Bildung der einzelnen Bezirle allgemein verschickt worden ist. Ueber diese neu erwachsenen Aufgaben wurden die alten keineswegs vernachläffigt. 55 Gemeinden wurden mit Mk. 7696 unterstützt, so daß die Summe der vom Landesverein in den fünf Jahren seines Bestandes gewährten Unterstützungen Mk. 30,305 beträgt. Etwa ein Achtel der israelitischen Kultusgemeinden Bayerns wurden auf diese Weise in ihren dem Kultus und dem Religionsunterricht dienenden Zwecken wesentlich gefördert; die bisher bethätigten Leistungen, sowie die große Anzahl von Gesuchen um Zuschüffe, welche bereits wieder für das laufende Jahr vorliegen, beweisen, daß mit der Schaffung des Landesvereins einem überaus dringenden Bedürfnis; entsprochen wurde. Ein Tbeil der zu Bauten bewilligten Gelder harrt noch sein-r Verwendung. Die Eintragung des Lundes^ereins in das Ver- (insregiüer w .e aus formalen Bedenken vorläufig abgelehnt. Auch die Bemühungen des Vereins um Pflege der jüdischen Friedhöfe an Orten, wo die israel. .Kultusgemeinden sich aufgelöst haben, dauern noch fort. Seine guten Dienste zu Gunsten der Delegierung der Rabbiner in die Armenpflegschaftsräthe haben sich jedoch entgiltig als erfolglos erwiesen. Im abgelauwuen Jahre betrugen die Einnahmen Mk. 10,785.40 die Ausgaben Mk. 12,626.15; der Vermögensausweis zeigt eine Summe von Mk 24,973.55. Obbirch lBayernl. (Der israel. Lehrer und die Landwirtbschaft.) Während unsere christlichen Kollegen in den schönen Sommertagen sich in Flur und Garten mit Hacke, Karst und Spaten zu schaffen machen, sich durch ihre Wanderungen über Berg und Tbal, in Wald und Feld, gegen die Einflüsse der Witterung stählen, durch die Bewegung in freier Luft die aufgebrauchten Säfte des ganzen Organismus erneuern und dadurch die für uns Lehrer so nöthige Ausspannung der Nerven herbeifiihren, sitzen wir, die israelitischen Lehrer, in dumpfer Stube, geben im Schweiße unseres Angesichts Privatstunden, die oft nicht viel einbringen und suchen durch Knterrichtsertbeilung in Buchführung, Wechsellebre und dergl. den jungen Nachwuchs immer wieder solchen Berufen zuzuführen, non denen wegzuführen unter den obwaltenden Verhältnissen viel mehr unsere Pflicht wäre. Ich glaube aber, der israelitische Lehrer, der nicht bloß Lehrer, sondern auch Erzieher sein will, der gestaltend, bildend, ja oft umbildend auf die spätere Lebensführung seiner Schüler wirken soll, hat in der Gegenwart ganz andere Aufgaben zu erfüllen, an der Erreichung ganz anderer Ziele mitzuarbeiten; gebieterisch drängen die Umstände dahin, auf — ich möchte sagen — ganz entgegengesetztem Gebiete seine Kräfte in edlem Wettstreite zu entfalten. Er soll den durch die Stürme der Zeiten fast erstorbenen Natursinn wiederbeleben helfen, Liebe zur Landwirthschaft, Obstbaumzucht u. s. w. zu erwecken suchen, er soll Mitwirken, daß die alten, goldenen Zeiten (als Israel noch auf eigenem Grund und Boden wandelte) nicht mehr als Märchen von weitem erscheinen, sondern wieder Blut und Farben gewinnen. Unsere Urväter waren Hirten. Ackerbauer oder Handwerker und überließen den Handel den Phöniziern, Griechen und Arabern, und der israelitische Lehrer soll stch als Hochziel stecken das, was der Kunst- und Handclsgärtner Siegfried Minden vor einigen Jahren in einer Zeitschrift betonte, in die That umsetzen zu helfen: „Eltern und Vormünder, wenn Eure Verhältnisse kaum eine andere Berufswahl ermöglichen, als Eure Kinder, resp. Mündel dem Klein- oder Hausirhandel in die Arme zu werfen, führt sie der Bodencultur zu! Laßt sie dadurch zu einer geachteten Lebensstellung gelangen und überlaßt das Hausirgewerbe den Euch darum beneidenden — Antisemiten." Laßt Euch nicht durch den Gedanken abschrecken, das bestehende Vorurtheil der Landleute gegen ihre neuen Konkurrenten sei ein Hinderniß zur Verwirklichung dieser Ziele. Trotz dieser Vorurtheile werden g e - w i ß gute und billige Erzeugnisse jüdischer Gärtner und Lanvwirthe willige Abnahme finden. Man pflegt auf den Märkten gewiß nicht nach der Religion derjenigen zu fragen, welche Bodenprodukte liefern; bei dem Verkaufe von Früchten, Blumen u. dergl. kommt es nur daraus an, ob die Producenten leistungsfähig sind. Durch diese beherzigenswerthen Worte ist uns Lehrern eine schwere Aufgabe Zugewiesen. Aber — diese Frage wird jetzt aufsteigen —■ wie und was können wir zur Lösung derselben beitragen? Da giebt es meiner Meinung nach nur Eines: Fangen wir bei uns selbst an! Wir tennen ja die pädagogischen Grundsätze: „Wer erziehen will, muß selbst erzogen sein itnb nur Liebe erzeugt Gegenliebe." „Die Natur steht vor dir in ihrer großen Ruhe, in ibrer naiven Schönheit, in ihrer kindlichen Unschuld und Einfalt, verweile gern bei diesem Bilde." (Schiller.) Die Natur erfüllt unser Herz mit Begeisterung für unseren schweren Berus und diese Sonne der Begeisterung wird dann ihre Strahlen auch in die weichen Kinderberzen senken. Haben wir uns nur erst selbst gewonnen, dann haben wir auch unsere Kinder gewonnen, und haben wir die Kinder, dann „glüht die Morgenröihe besserer Tage schon hinterm Berg der Gegenwart." Denn: „die Welt besteht durch den Hauch der Kinder in der Schule." Wenn erst einmal die Freude

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