Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1900)
- Date
- 1900-11-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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IffHHWMWWWWßMSWMM ^»17»: t r*^*^ jr*r\.rt^r-'^. yx*vrtr « 41« Jahrgang. Erste Aeitage zu M 91 des „Israelit". Leitenver Artikel.?if""' ., fit iit irommfii cititilidiäiikt in kr berliner„ f^rmrink. Berlin, 11. November. Die Frage, die seit langer Zeit die Gemüther der diesigen jüdischen Gemeinde bewegt und schon des Oeftercn zu leidenschaftlichem Feuer pro und contra entflammt hat, stand heute wieder einmal zur Diskussion in der Nepräsentantenversammlung. Seit dein Jahre 1897 ist die von Herrn Gustav V e t rt fl e i n veranlaßte Petition, betreffend die Einführung eines Predigtgottesdienstes in den Synagogen am Sonntag, wie unsere Leser sich vielleicht erinnern, zu wiederholten Malen Gegenstand der Besprechung gewesen. In der vorigen Session wurde diese Petition unter Berücksichtigung des durchaus ablehnenden Standpunktes, den das hiesige Rabbinat zu dieser Frage einnahm, abgelehnt. Nachdem sich die Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung im Jahre 1898 wesentlich zu Gunsten der Liberalen geändert hatte, wurde diese Frage von Neuem angeschnitten. Am 18. Februar d'wses Jahres kam der Beschluß zu Stande, einen Sonderausschuß aus fünf Mitgliedern zur Berathung der Petition einzufetzen, und am 4. März gelang es unter großen Mühen, die Commisiion zu wählen, nachdem die Bitte des Gemeindevorstandes, in einer gemischten Commission die Angelegenheit mit ihm zu berathen, nicht die Zustinnnung der Repräsentanten gefunden hatte. Die Commission setzte sich aus zwei Freunden und zwei Gegnern der Vorlage und endlich einem Mitgliede für einen Vermittlungsvorschlag zusammen. In der heutigen Sitzung sollte nun das Resultat der Berathung der Commission, die in zwei Sitzungen unter dem Vorsitze des Mitgliedes für den Vermittlungsvorschlag, Geheimrath Senator, die Frage reiflich diskutirt hatte, gegeben werden. Die Mitglieder der Repräsentantenversammlung hatten sich bis auf ein Mitglied vollzählig eingefunden. Die Conservativen waren durch elf Mitglieder, die Liberalen durch neun vertreten, von liberaler Seite fehlte ein Mitglied. Der kundige Blick konnte sofort nach dieser Präsenz der Vortage kein irgendwie günstiges Prognostikon stellen. Die Anwesenheit des einen liberalen Mitgliedes hätte übrigens auch nicht das Resultat der Abstimmung geändert, die, wie wir schon hier vorausnehmen wollen, selbst zur Ablehnung derjenigen Anträge führte, die nur einen kleinen Schritt vorwärts in dieser strittigen Frage gebildet hätten. Der Gang der Verhandlungen gestaltete sich folgendermaßen: Der Vorsitzende der Versammlung gab zur Einleitung der Vorlage zunächst bekannt, daß hierzu ein Antrag Blaschke und Gen. vorliege: den Gemeindevorstand zu ersuchen, zu veranlassen, daß am Sonntag zu einer geschäftsfreien Vormittagsstunde ein Predigtgottesdienst im Anschluß an den wochentäglichen Gottesdienst in einer Kemeindesynagoge stattfindet. Alsdann nahm der Referent der Commisiion, Gebeimrath Senator, das Wort. Er erwähnte, daß. der ebengenannte Antrag bereits in der Commisiion gestellt und dort abgelehnt worden sei. Der zur Berathung der Petition eingesetzte Sonderausschuß, der aus den Herren Blaschke, Geiger, Oppenheim. Leonhard Sachs u.nd ihm bestanden hätte, sei erst Ende Sevtember zusammengetreten und habe in zwei Sitzungen die Frage erledigt. Alle Mitglieder des Ausschnsies seien einig gewesen in der wärmsten Anerkennung der Beweggründe, die Herrn Levinstein zu seiner Petition veranlaßt hätten, auch einig in dem Wunsche, in desien Sinne über Einrichtungen zu berathen und zu beschließen, die dem Jndifferentismus entgegenwirken n. den Mitgliedern der Gemeinde, die am Samstag nicht die Svnagoge besuchen können*), die Möglichkeit gewäbren sollen, ibrem religiösen Bediirfniß zu genügen. Gegen den von Blaschke und Geiger gestellten Antrag, am Sonntag in der geschäftsfreien Zeit einen Predigtaottesdienst abzuhalten, sei geltend gemacht worden, daß unter allen Umständen vermieden werden müsie, dem Sonutagsgottesdienst einen festlichen Charakter zu geben. Nachdem der Sonntag in der ausgesprochenen Absicht eingesetzt worden sei, das Tischtuch zwischen Juden und Christen entzwei zu schneiden, hieße es, den Standpunkt des Judenthums gar zu sehr verleugnen, i-tzt den Sonntag feierlich auszugestalten. Aus diesem Grunde habe auch er einen Vermittlungsantrag zurückgezogen, den Sonntagsgottesdienst auf eine etwas spätere Vormittagszeit zu verlegen und ihm einen erbaulichen Charakter durch Chorgesang oder Predigt zu verleihen. In d-'r Art, wie der Sonntagsgottesdienst jetzt geleitet werde, habe er ohne Zweitel gar keinen festlichen Charakter. Auch nach takmudischen Bestimmungen stände übrigens einer Verschiebung des Morgengottesdienstes am Sonntage nichts entgegen. Der Ausschuß habe sich schließlich mit allen Stimmen — Herr Oppenheimer fehlte in dieser Sitzung — auf den Antrag geeinigt, an den Sonntagen zu einer geschäftsfreien Zeit Vorträge religiösen Inhaltes stattfinden zu lassen. Eine Meinungsverschiedenheit habe nur darin bestanden, wo diese Vorträge gehalten werden sollten. Blaschke, Geiger und er seien dafür eingetreten, die Vorträge in *) Oder vielmehrlnicht wollen. Anm. d. Correct. 7846 0