Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1900)
- Date
- 1900-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1882 sagen werde. Die Erfahrungen, die er am Beginn seiner Laufbahn machte, waren ebenfalls nicht geeignet, befruchtend auf seine Produktivität zu wirken. Unsere raschlebige Zeit jedach ist es auch im Verbrauch ihres geistigen Bedarfs. So thürmten sich verdüsternde Wolken um den Dichter auf und eine minder große Kraft wäre kaum siegbar aus den mannigfachen, bedrückenden Widerwärtigkeiten hervorgegangen. Im Jahre 70 gründete er ein illustrirtes Wochenblatt „Kepes vilap," ohne jedoch daß es ihm gelungen wäre, damit die angestrebte sichere Existenz zu erreichen. Trotzdem sich einflußreiche Persönlichkeiten für das Unternehmen interefsirten, so unter Anderen der führende Kunstkritiker Tamas Szana, verschied das Blatt in den Kinderschuhen, im dritten Jahrgange — an Abonnentenschwindsucht, wie der Dichter in einem launigen Nekrolog, den er dem Blatte widmete, es nennt. Müde des freudlosen Junggesellenlebens und von der Sehnsucht nach dem so lange entbehrten Glück stiller Häuslichkeit erfüllt, führte er in diesem Jahre das Mädchen seiner Wahl, eine Anverwandte, heim. Es war eine Dichterheiraih, bei welcher die Musen wohl die nobelsten Gäste waren und die Ausschmückung des jungen Heimes mit irdischem Zierrath von der Phantasie der Liebenden besorgt werden mußte. Die Armuth war der ständige Hausgenosse des jungen Heimwesens und mochte manch' bitteren Tropfen in die Süßigkeit der Honigmonde gleiten lassen. Es ist vielleicht nichts geeigneter, einen so tiefen Einblick in die Noth jener Zeit zu gestatten, als daß der Dichter unter dem Drucke der Verhältnisse sich gezwungen sah, sein eigenes Wesen zu verleugnen und von seiner stolzen Höhe in tiere, ihm fremde Regionen hinabzusteigen. Josef Kiß, der moderne Psalmist, der klassische Epiker und Lyriker, schrieb einen Schauerroman! Das besagt m"hr, als es spaltenlanae Rsslexion-n vermöchten. „Geheimnisse von Budapest" benannte sich jenes Unglückslind der Kiß'schen Muse, dessen Vaterschaft der Dichter durch das Pseudonym, Szcutesc Rudolf, zu bemänteln suchte. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man die schwere Krankheit, in welche der Dichter bald verfiel, ebenfalls von dem aufreibenden Kampf um die Existenz herleitet, den er zu führen gezwungen war. Doch endlich, endlich schien es dämmern zu sollen, als Vorzeichen des golden anbrechenden, schönen Tages. Kaum genesen, nahm Josef Kiß die litterarische Thätigkeit wieder auf, reger als je, und zur guten Stunde dichtete er die Judenballade „Simon Judit." Das war der große Trumpf seines Lebens. Franz Poldy war dazumal der bedeutendste Litterahistoriker Ungarns und sein Wort galt in litterarischen Sachen als Gesetz. Durch seinen Sohn hatte er die „Simon Judit" im Manuskript kennen gelernt und die Wirkung, die das Gedicht auf ihn ausübte, mußte eine ganz außerordentliche gewesen sein. Es ließ ihn keinen Moment ruhen, um sich dem ihm persönlich unbekannten Dichter vorstellen zu lassen. Er suchte ihn in der Redaktion auf, in welcher er thätig war. Mit vielbedsntender Miene holte ein College Kiß in das Cabinet des Chefredakteurs ab; ein großer Herr wünsche ihn zu sprechen. Belangen und voll scheuer Erwartung trat Kiß dort ein. Hier erwartete ihn der alte Herr sitzend, das Manuskript der „Simon Judit" in der Hand. ,Rie vergesse ich den leuchtenden, seelenvollen Blick." so berichtet der Dichter selbst über die Begegnung, „mit welchem er mich vom Scheitel bis zur Zehe musterte. Dann fragte er mich, ob ich dieses Gedicht geschrieben bade und als ich bejahte, richtete er einige Fragen an mich, um sich zu überzeugen, ob ich über Struktur und Cvmposition Aufschluß geben könne. Meine Antworten schienen ihn zu befriedigen." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, ülonia^s and Oonneratags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 6 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Dev Vuchhandrl verkehrt durch V. Zff. S l e i n n ch r r, Leipzig, Rossplatz j6. — Inserate 25 Pfennig die viergefpaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclau etheil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., fnr's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco elnfenben. Postzeitungsliste U86w Telephon 315. Sitte Rücksendung der au die Redaction eingcsanvten Manuscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzuvehalteu Stellensucheude erhalten auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franeo zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des Jr.scrrionsvet ags an außer Stelle Befindliche bis nadi Erlanauna einer solchen Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die jüdischen Verhältnisse in Ungarn. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deusschland: Hamburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pisek. — Feuilleton: Ein jüdischer Klassiker- Ungarns (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Fürsorge für die frommen Sabbatschänder in der Berliner jüdischen Gemeinde. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Memel. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pilsen. Belgien: Brüssel. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die Fürsorge für die frommen Sabbatschänder in der Berliner jüdischen Gemeinde. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Darmsladt. Belletristische Beilage: Eine Vereinsamte. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .. JSraelil", Schottftraste Nr 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei AcUen ^eseiUchaft in Mainz. Hierzu drei Bettage«.