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Der Israelit · 1900-11-15 · Heft 91 (15.11.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 91 (15.11.1900)
Date
1900-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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mm WM-WMW 1879 im Mädchen - Gymnasium derselben Stadi unter 160 Schülerinnen nur 8 jüdische sich befanden. Redner schildert dann noch eingehend seine persönlichen Erlebnisse und schließt mit dem Wunsche, daß auch für die in mancher Beziehung noch von den Segnungen der Civilisation ausgeschlossene sibirische Bevölkerung bald bessere Zeiten entstehen mögen. Die interessanten Ausführungen des Redners wurden von der zahlreichen Zuhörerschaft mit lebhaftesten! Beifall ausgenommen. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Pisek, g2. Nov. (Das Ende des Hilsn e r p r o z e s s e s.) Aus dem weiteren Verlauf des Prozesses ist zu berichten: Der Präsident erklärt das Veweisverfahren für geschlossen, »vorauf sich der Gerichtshof zur Beschlußfassung über die Schuldfragen an die Jury zurückzieht. Den Geschworenen wurden folgende Fragen vorgelegt: Hauptfragen auf Meuchelmord an Agnes H r u z a , auf direkte Mitschuld am Meuchelmord an Marie Klima und auf Verleumdung an W a s s e r - ni a n n und E r b m a n n : ferner eine Eventualfrage auf direkte Mitschuld am Meuchelmorde H r u z a. Rach 10 Uhr ergreift der Staatsanwalt das Wort und beginnt sein Plaidoyer folgendermaßen: Wir stehen vor einer zweiten vermehrten und verbesserten Auslage des Hilsner-Prozeffes. Hoffen wir, daß es die letzte Auflage sei. Es handelt sich um eine hochernste Angelegenheit, um den Tod zweier Menschen und um den Kopf den Angeklagten. Der Staatsanwalt, unterstützt von den Privatbetheiligten, war bestrebt, den Mord an der Hruza und Klima aufzuhellen, die Vertheidiger bemühten sich, alle Schuld hieran vom Angeklagten abzuwälzen; Sie, meine Herren Geschworenen, haben das letzte Cavitel dieses Romans zu schreiben, und ich rufe Ihnen für diese Arbeit den Wunsch zu, es möge hiebei der Gerechtigkeit Genüge gethan werden. Der Staatsanwalt geht nun auf die Frage ein, ob im Falle Hruza überhaupt ein Mord vorliege. Trotz des typischen Halsschnittes der Selbstmörder, der an der Leiche gefunden wurde, erachtet der Staatsanwalt die Möglichkeit eines Selbstmordes für ausgeschlossen. Wann und wo wurde die Hruza aetödtet^ Der Staatsanwalt tritt auch den vom Adjunkten Bandis erhobenen Einwendungen entgegen, daß die Hruza Nachts zu Hause getödtet und dann auf den Fundort geschleppt worden sei. Ebenso bekämpft er die Auffassung, als ob die Familienangehörigen der Ermordeten ein Verdacht treffen könnte. Alle Momente weifen auf Hilsner auf den Thäter hin. Der Staatsanwalt belegt dies mit zahlreichen Zeugenaussagen, namentlich mit jener Peschak's, der allerdings auf eine ungeheure I Entfernung hin gesehen haben muß. Aber wie uns die ' Sachverständigen gesagt haben, ist zunr Erkennen einer - Person auf diese Distanz nicht das Unterscheiden der! Gesichtszüge nöthrg. Es ist daher mehr als wahrschein-! lich, daß Hilsner und seine Begleiter von Pefchak auf dem Thatorte gesehen wurden. Hilsner hat, wie die Zeugen aussagten, auch ein großes Messer bei sich getragen, wenngleich ich kein großes Gewicht darauf lege, da auch die Fakultät erklärt hat, der Mord könnte mit einen! einfachen Taschenmesser vollführt worden sein. Der Staatsanwalt spricht sich in weiterem Verlaufe unter Berufung auf das Fakultäts-Guiachen in der entschiedensten Weise gegen die Annahme eines Ritnalmordes aus, welche leider zu so furchtbaren Fehden in! Lande geführt hat. Die Mittagspause nach dem Plaidoyer des Staatsanwaltes währte eine Stunde. Auch auf dem Rückwege zum Gerichtshause fanden lvir den Marktplatz menschenleer.' im Saale dagegen herrschte ein beängstigendes Gedränge. Das Plaidoyer Dr. Baxa's galt offenbar als Elou des Prozesses. Mit leiser Stimme begann der Vertreter der Familie, aber noch war keine Minute verstrichen, als er alle Register seines modulationsfähigen Organes aufgezogen hatte. „Lassen Sie sich nicht abschrecken von dem Terrorismus, der auf Jeden geübt worden ist, der freiwillig oder unfreiwillig bei diese:,! Prozesse mitzuarbeiten Gelegenheit hatte, denn es besteht ein Eomplott gegen die Gewissensfreiheit eine noch nie dagewesene Corruption der öffentlichen Meinung, welche jeden zu beugen sucht, der von der Sckuld Hilsner's überzeugt ist!" Das ungefähr war der Appell, mit welchem stch Dr. Baxa an die Geschozenen wendete. Für die Begründung seiner Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten wußte er nur dos Plaidover des Staatsanwalts anzuführen, denn es galt ihm, die allgemeine Aufmerksamkeit für seine Spezialaufgabe wachzuhalten. Für den Beweis nämlich, daß es stch hier um einen Ritualmord handle, und daß sich zahlreiche Morde an christlichen Mädchen ereignen, deren Thäter merkwürdigerweise nie eruirt werden könnten. „Das ist eine erschreckende soziale Erscheinung", donnert Dr. Vara, „der gegenüber es kein Versteckenspielen giebt. Der Thränen der Mütter der Ermordeten achtet man nicht: aber an der Seite des Angeklagten steht das ganze Judenthum!" Auch der nächstfolgende Angriff gegen die Prager czechische Fakultät war nach der Aussage des Vormnndes der ermordeten Hruza, des Zeugen Nowak, leicht vorauszusehen. Aber Dr. Baxa beweist das Fetzten von Blut nicht nur aus dem Gutachten der Fakultät. Wieso kam es, daß ihr Leib und ihre Unterkleidung nicht blutig waren? Hilsner hat es ja in seinem Geständnisse im Kuttenberger Gefängnisse selbst erzählt: man bat das Blut in einer Schüssel aufgefangen. „Wozu?" sagt Dr. Baxa, „das weiß ich nicht: ich bin kein Talrnubgelehrter, aber es ist festzustellen, daß das Blut ausgefangen worden ist. Hilsner hätte dock so ctioas nicht sagen können, wenn er es nicht mit angesehen und erlebt hätte. Die Namen Wassermann und Erbmann mögen falsch sein, aber was das Auffangen

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