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Der Israelit · 1900-11-12 · Heft 90 (12.11.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 90 (12.11.1900)
Date
1900-11-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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MWWWMWWWWWffMW 1873 welche Hilsner eigentlich nur indirect tangirt. Der Schuster Lang hatte heute Morgens behauptet, am 17. Juli 1898 gegen 10 Uhr Hilsner mit der Klima gesehen zu haben; hinter ihnen seien drei Juden, Leopold Graf, Hermann Basch und Max Bretisch geschritten. In Betreff des Letzteren hat Lang schon einmal seine Aussage Zurückgezogen, heute aber hielt er sie wieder aufrecht. Lang will diesen Personen durch die ganze Stadt bis Zum oberen Thor gefolgt sein, wiederholt an ihnen vorübergehend und dann wieder stehen bleibend, um sie genau zu sehen; Leopold Graf hatte wenige Wochen vorher geheirathet. Am 17. Juli hatte er auch den Besuch seines Schwagers Jacob Klein. Er besuchte an diesem Tage mit seiner Frau, seinem Schwager und Zwei Freundinnen seiner Frau das Waldfest im Brzezinawalde. Um sieben Uhr Abends ging die Gesellschaft nach Hause. Man erinnert sich aus früheren Aussagen weiblicher Zeugen, daß Gras im Walde auch getanzt haben soll. Nun kann er gar nicht tanzen, und als ihn seine Frau als Braut am Tage einer Tanzunterhaltung nach Polna geladen hatte, mußte er auf das ihm zugedachte Tanzvergnügen verzichten. Ebenso erinnerlich dürfte es sein, daß Zeugen Leopold Graf in Zhor auf der Kirchweih gesehen haben wollen, die zur gleichen Zeit wie das Waldfest stattsand. Vom Brzezinawald nach Zhor ist ungefähr eine Stunde Wegs. Alle Personen seiner Begleitung sagen aber heute aus, Gras sei immer im Walde geblieben. Sie seien alle zusammen in den Wald gegangen und gegen 7 Uhr Abends gemeinsam zurückgekehrt. Dann wurde genachtmalt, und gegen neun Uhr begab man sich zu Bett; der Schwager Jacob Klein schlief in demselben Zimmer wie das Ehepaar Graf. Leopold Graf besucht nie am Abend ein Gasthaus. — Präsident- Es ist aber ein Zeuge da, der behauptet, Sie gegen 10 Uhr aus der Straße in Gesellschaft Hilsner's und der Klima gesehen zu haben. — Zeuge; Das ist eine pure Erfindung. Man will uns vernichten, mein Geschäft stockt, wohin ich komme, sieht man mich als Mörder an, ich verbringe meine ganze Zeit bei Gericht. Wer soll da die Steuern zahlen? Der Zeuge wird mit Sang confrontirt, welcher bei seiner Behauptung bleibt, trotzdem Graf ihm sagt: Herr, ich war damals ein paar Wochen lang verheirathet, wie hätte ich die Bauernmädchen aus der Umgebung kennen und Nachts mit ihnen auf der Straße gehen sollen? (Lachen im Publikum.) Ich bin auch heute noch meiner Frau ein treuer Gatte. (Neuerliches Gelächter.) — Die Zeuginnen Rosa Graf, Olga Basch und Rosa Aufrecht, sowie Jacob Klein bestätigen vollständig die Angaben Graf's. Die Einvernehmung der restlichen fünf Zeugen wird auf morgen vertagt. Damit wird die Anhörung der bei Beginn des Prozesies vorgeladenen 115 Zeugen beendet sein, und es werden dann die im Laufe der Verhandlung namhaft gemachten Zeugen an die Reihe kommen. P i s e k, 8. November. Der Präsident theilt mit, daß die Zeugin Mathilde Basch krank sei. Die Vertheidiger verzichten auf ihre Einvernehmung, verlangen jedoch die Abhörung derjenigen Zeugen, die mit Hermann Basch nach dem Ausflüge im Gasthause saßen. Staatsanwalt: Hier handelt es sich nicht um Hermann Basch. Basch ist Zeuge und nicht Angeklagter. Dr. P e w n y: Es ist Sache der Geschworenen, wem ste mehr Glaubwürdigkeit beimefsen. Dr. Aurednicek wendet dagegen ein, daß die Anklage sich auf den Zeugen Anton Lang berufe, wenngleich sic selbst sagen muß, daß er nicht sehr glaubwürdig sei. Darum sei es unbedingt nöthig, daß die Glaubwürdigkeit Lang's in's rechte Licht gerückt werde. „Ich weiß," sagt der Bertheidiger, „daß hier die Zeugenschafl eines Juden nicht so viel werth ist, wie die eines Christen." (Große Bewegung im Auditorium und auf der Geschworenenbank.) Dr. Aurednicek fährt, mit lauter Stimme das Gemurmel übertönend, fort: „Ich bestehe darum aus der Vorladung, die Glaubwürdigkeit Anton Lang's soll charakterisirt werden." Präsident: Ich bitte, der Beurtheilung des Proceßmaterials nicht jetzt schon vorzugreifen. Gemurmel auf der Geschworenenbank; die Geschworenen haben die Worte des Vertheidigers scheinbar als Vorwurf empfunden. Dr. Aurednicek: Ich meine nicht die Herren Geschworenen, sondern die große, breite Oefsentlichkeit. Rufe von der Geschworenenbank: Die enischeidet hier nicht. Dr. Bara: Hier wird nicht die Oefsentlichkeit richten, sondern die Geschworenen werden es. (Zustimmung bei den Geschworenen.) Schließlich steht hier nicht ein Jude gegen zehn Christen, sondern es stehen zehn Juden gegen einen Christen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gollub, im Nov. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit begingen am 25. v. M. in geistiger und körperlicher Frische der emerirte Lehrer Herr S. B r a u n st e i n und seine Frau Johanna geb. Cohn. Die Liebe und Hochachtung, welche dieselben am hiesigen Orte genießen, gab sich in der regen Theilnahme der Bürgerschaft kund, welche ohne Unterschied der Confeffion die freudige Gelegenheit gern benutzte, dem seit fünfzig Jahren am hiesigen Orte ansässigen Jubelpaare Beweise der Verehrung und Anerkennung für seine segensreiche Wirksamkeit auf mannigfachen Gebieten des öffentlichen Lebens darzubringen. Schon in den Vormittagsstunden erschienen Deputationen verschiedener

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