Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 90 (12.11.1900)
- Date
- 1900-11-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1859 Vl&cr nullt mir Kleiber imb Wäsche, auch Betten und Blödel, überhaupt Alle«, nimmt unsere junge Justin :utwn gerne und bankbar an, benn nicht nur bie frierenden kleiden wollen >vir, den Dürftigen durch eine bessere stleidung zu einem würbigeren Aeußern, und dadurch zu einem besseren Fortkommen verhelfen; wir haben auch .kranke und Sieche, die der Betten und verschiebenstcr Utensilien bringend bedürfen." Damit den Spendern leinerlei Mühe daraus er tvachfe, genügt es, eine .starte an die Armen-Coinmisfion der Prager Israel. Gnltusgememde; Obmann Gottlieb Sciuuctkcsi mit der Angabe, >vas sie derselben ividmen ivollen, und wann cs geholt werden darf, einzuschicken. Die hierzu legitimirten Organe werden sich dann vünttlicki zur Abholung einfinden. Mähren. Als im Jahre 134S die die Juden beschränkenden Gesetze ansgehoben und im Jahre 1S67 gesetzliche tlterfügungcn erlalien wurden, nach welchen alle Bürger des Staates als gleichberechtigt anerkannt und bestimmt wurde, das; jedem Bürger ohne Unterschied der Konfession jeder Staat zugänglich sei, da durchürauste das Land ein Jubelruf. Wohlwistend, welch ein thenres Gut die Freiheit ist, möchten nur auch gerne in dieses Jauchzen einstimmen, würden nur nicht '.niben, da»; Hand in Hand mit dieser, wie wir dann weiter ausführen lverdcn, angeblichen Freiheit, unsere Religion dem Rande des Abgrundes entgegengeht. SollAn denn lvirklich unsere Glaubensbrüder ein bischen Freibeit ohne Nachtheile sür unsere religiösen Satzungen nicht vertragen können? Man braucht ja nur das Beispiel der Juden in den Niederlanden und England anzuführen, in welchen Ländern unsere Brüder den anderen Glaubensbekenntnissen gleichgestellt, trotzdem aber in der überwiegenden Mehrzahl eonservativ sind, und ivir sehen, das; Toleranz der Religion nicht schadet. Wir haben tvohl eine gedruckte, aber ge brückte Gleichstellung. Heistt das Gleichheit, lvenn christliche Beamten an ihren Feiertagen ruhen, jüdische aber an ihren heiligsten Tagen ihr Amt versehen ü,äffen'? Heisst das Freiheit, lvenn befähigte Inden bei Staatsanstellungen umgangen werden? Deßwegen mußte es mit der Religion bergab gehen. Die jüdischen Beamten bei der Bahn, Post, bei Gericht etc., waren ge stvungen, ihre Feiertage zu entlveihen; das, was sie anfangs mit Scheu thaten, lvard ihnen später zur Gewohnheit, Uebertretungen, die sie sich anfänglich blos; in ihrem Wirkungskreis gestatteten, erlaubten sie sich dann auch außerhalb desselben. Ihr Beispiel lvirkte mit elementarer Macht ans die anderen, auf Geschäftsleute, Handwerker, so das; es schien, als ob die Fluth der Irreligiosität das ganze Judenthum unseres .stronlandes wegschlvemmen würde. Diese verderbliche Strönning pcrbreitete sich mit lalvinenartiger Geschwindigkeit über alle Gemeinden Mährens, erfasste die besten Gemeinden, faßte Fust in Nikolsbnrg, Boslowitz, Holleschau, woselbst so große Männer gelvirkt haben. So , mächtig lvar das Beispiel der alle religiöse Schranken! überspringenden Jugend, das; selbst das Alter davon j nicht verschont blieb, und der Schreiber dieser Zeilen i hörte gar oft manchen alten Mann sprechen: „Wenn ich! nicht so alt wäre, möchte ich auch am Sabbat rauchen, I mein Geschäft onenhalten etc. Wie kommt es aber, daß '! ein Zeitratkin von 30 Jahren, der ja eigentlich bei einem so uralten Bolle eine kaum nennenswerthe Rolle spielen! sollte, solche grösst Berheernngen anrichten konnte?! Die Antnwrt draus ist sehr einfach: weil die Freiheit zu! urplofstich kam und!veil die Juden sich an diese Gleich- - stellnng noch nickst gewöhnt hatten. Gs erging ihnen! so. ivie einem 'einigen Rosse, ivelches, seiner Bürde entledigt, toll dahinschiefst, ohne s:ch das Ziel seines rasen-! den Laufes vor 'klugen zu Hallen. Wir sprachen bis nun - von der Bcrgangcnheit, naie schaut es aber gegenwärtig - bei uns aus, und wie hat sich die Situation in den letzi -cn 2«' Jahren gestaltet. Bor 20 Jahren hörte man gar! oft sagen, das; uacb 20 Jahren in Mähren das Judeni thuiu perschnsuttdeu sein ivird, oder daß es nur lauter! üteformj'ioen geben werde. Gottlob, daß Ivir es erlebt haben und sagen können, das; sich diese Prophezeiung | ganz :mn gar nicht erfüllt bat: wir können cs vielmehr j sagen, daß, :vcnn auch leine große Besserung, gewiß aber j ein Stillstand ciugclceteu ist, und zwar ein Stillstand i der strautbeit, denn als eine solche muß die Jrreligiosi- I tat lczeichnel irerdcu; hier oasst eher der Satz: Stillj stand ist ein Fortschritt. Wenn wir wollen, können ivir l seaar Ansätze einer kleinen Besserung finden. Die , Generation, die heute zwischen dem 20. bis 30. Lebensi ’afire steht, ist nickst irreligiöser als die, ivelche in gleiwem Alter vor 20 Jahren standen. Auch ist das jüdische Ratimralbewußtsein bei uns in Mähren iveit intensiver, als vor 20 Jahren. In den 70er Jahren fand inan oeisvielsiveife in Brünn keinen einzigen Studenten, der 'nickst am Samstag geschrieben hätte, heute gibt es deren mehrere. In den neu entstandenen Gemeinden wußte mau bis vor 20 Jahren fast nichts vom Sabbat. Unsere Brüder gingen in ihren Alltagskleidern, trieben Handel und Wandel am Sabbat und zogen erst am Sonntag ibre besseren st leider an; auch das ist bester geworden. Jeder Jude gilst wenigstens durch seine Feiertagskleiduug äußerlich zu erkennen, daß ihm der Sabbat nicht ganz gleichgültig ist. Auch wurde früher nur einmal in d-er Woche, nämlich am Sabbat zu Gottesdienst abaehalten, wöhrcud heute ein solcher beim Vorlesen der Fbora st: Stande kommt. Diese Zeichen deuten zioeiiellos aus ein. schüchternes Besterwerden hin. Oermischtes Budapest. Der Dberstlieutenant Salomon Gabriel Steiner in Debrezin ist zum CorpS-Commaudanteii in Treucsin ernannt worden. TemeSvar. Der griechisch ortbodore Uteistliche Th. st o in v i a n u, ein wüthiger antisemitischer Hetzredner, ist wegen Wechselfälschung und llnterschlagung vom hiesigen Gerichtshöfe zu elf Jahren Zuchthaus verurtheilt worden.