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Der Israelit · 1900-11-12 · Heft 90 (12.11.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 90 (12.11.1900)
Date
1900-11-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1857 sich für uns daran knüpfen würden, ja, die sich bereits in fc erschreckender Weise eingestellt haben? Gewiß nicht ohne Absicht führt uns die Thora am Eingang der Geschichte des israelitischen Volkes neben dem ersten Stammvater, die Persönlichkeit seines Neffen Lot vor, um an seinem Lebensbilde zu zeigen, wohin die ersten, leisen Regungen jeder Ueberschreitung der von Gott gezogenen Grenzen drängen. Jede Sünde entsteht aus einer solchen Ueberschreitung. so daß der heiligen Sprache diese Bezeichnung — rn-y — die gewöhnliche für jede Sünde ist. tct, r.isrr; ns:p Neid, Genußsucht und Ehrsucht, diese in den Sprüchen der Vater als die Gefahr bezeichnet werden, welche stark genug ist, jeden davon Ergriffenen um seine Zeitlichkeit und Ewigkeit zu bringen, finden wir bereits in dem Bilde, das uns die 'Thora von Lot entioirft. Der Streit seiner Hirten mit denjenigen Abrahams wurzelt in dem Neid, mit dem Lot auf den Besitz Abrahams schielte. Die Trennung von Abraham und die Auswahl gerade von Sodom zu seiner Ansiedelung floß aus „lüsterner Begehrlichkeit" nach dem ungebundenen sodomitischen Lebensregime. Und damit kein Zug in dem Bilde fehlt, finden wir auch die „Ehrsucht", da wo sie unsere Zeit am wenigsten sucht, in der Annahme des Richteramts von Sodom. Das hatte Lot von seinem Onkel nicht gelernt. Dieser lebte fast ein volles Jahrhundert in dem seinen Nachkommen von Gott verheißenen Lande, ohne daß wir jemals finden, daß er irgend eine Würde oder einen Titel angenommen hätte. Dem Manne, den die ganze Umgebung als c'pdx n'ir»:, als Gottesfürst bezeichnete, waren solche Ehren gewiß oft angetragen worden, er hat sie aber niemals angenommen. Sein Neffe läßt sich dagegen sofort als Richter wählen. Und seine Enkel? Sie verhüllen ihre Ehrsucht mit dem Feigenblatt der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze. glauben mit jedem jüdischen Richter Judenthum und Judenhcit gerettet und mit der Versagung dieser Ehre alle Grundvesten des Lebens erschüttert! Aber diese Denkweise wird besonders in Kreisen gepflegt, die längst mit Abraham und seinem Gotte gebrochen haben, deren ganzes Thun und Lasten spricht crrcxz 'trc'S n 1 p S jt - i die aber, auch wenn sie von Abraham nichts annehmen wollten, von Lot und seinem Geschicke noch Vieles lernen könnten! Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, im Nov. Proselytenmacherei imKrankenz immer.) Einem von der Deutschen Medirinischen Wochenschrift veröffentlichten Aufsatz: „Geistliche und weltliche Krankenpflege vom ärztlichtherapeutischen Standpunkt" von Dr. Paul Jacobsohn- Berlin entnehmen wir die folgenden Schlußbetrachtungen: „Naturgemäß muß vom ärztlich-therapeutischen Standpunkte auf's nachdrücklichste Verwahrung dagegen eingelegt werden, daß das Krankenzimmer jemals voll Pflegepersonen zur Stätte religiöser Agitation gemacht werde. Es würde in einem derartigen Verhalten gegen den Kranken geradezu eine schwere Schädigung seiner psychischen Ruhe und ein Verstoß gegen die Grundregeln der wistenschaftlichen Krankenvflege erblickt werden müssen, welche sich ja die Ausgabe stellt, dem Kranken Alles fernzuhalten, was ihn erregen tonnte. Es ist kein Zweifel, daß Disputationen über konfessionelle Fragen in hohem Maße dazu angethan sein würden, ihm seine Seelenruhe in nachtheiliger Weise zu stören und auf seinen Zustand in ungünstiger Weise einzuwirken. Es erscheint vielmehr unbedingt uvthwendig, daß die Pflegeversvnen im Verkehr mit Kranken deren religiöse Anschauungen in jeder Beziehung respettiren und sie sogar, wenn dies noththut, gegen Angriffe von anderer Seite schützen. Eine ganz andere Frage ist es, wenn darauf hingewiesen wird, die Krankenpflegepersonen hätten die Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß den Kranken, insbosondere den schwer oder unheilbar Erkrankten der Trost der Religion, den sie oft als ruhebringend ersehnen, nicht fehle. Kein vernünftiger Arzt wird etwas dagegen haben, daß dem religiösen Trostbedürfniß verzagender und bekümmerter Kranker Rechnung getragen werde. Im Gegentheil, benlübt, alles nur Erdenkliche heranzuschaffen, was dem Kranken seine Sorgen erleichtern, sein Vertrauen stärken, seine Stimmung heben könnte, wird er es durchaus als wünschenswerth bezeichnen, daß dem religiösen Verlangen des Kranken, wenn derselbe dies äußert, entsprochen wird, sei es dadurch, daß der berufene Seelsorger, der der Konfession des Kranken zugehörige Geistliche, veranlaßt wird, den Kranten zu besuchen, sei es dadurch, daß die Pflegeperson dem Kranken eine geeignete Bibelstelle, einen trostreichen Spruch oder Vers vorliest. Aber damit ist auch ihre Tbätigteit nach dieser Richtung hin erschöpft, und die eigentliche „Seelsorge" im kirchlichen Sinne bildet nicht das Amt der Pflegepersonen, sondern des Geistlichen." Berlin. Der Club der Angestellten des Kaufhauses R. Israel feierte sein erstes Stiftungsfest in den eigenen Clubräumen des Etablissements des allgemein bekannten Kaufhauses für Manufatturwaaren N. Israel (Inhaber die Herren Gebr. Herrmann und Berthold Israel). Das Fest nahm einen nach jeder Richtung hin überaus befriedigenden Verlauf. Das reichhaltige. vorzüglich gewählte Festprogramm, welches mit einem Prolog eröffnet wurde, kam glänzend zur Geltung und fand stürmischen Beifall. Die Inhaber des Hauses waren mit ihren Damen anwesend. Der eigens für das Fest künstlerisch ausgestattete Club- Kalender für das Jahr 1901 fand allseitige Bewunderung. Das Menu, an welchem sich ca. 90 Personen

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