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Der Israelit · 1900-11-12 · Heft 90 (12.11.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 90 (12.11.1900)
Date
1900-11-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■■■f=-^ -■- '■■«'•..'•• ••- .■M'.-f W^lW^y.W-VWIWW^W.i MW 1856 zusammen, so ergibt sich die Thatsache: Lot's erwachendes Verlangen nach Geld und Gut, sowie seine Bereitwilligkeit, sich von Abraham zu trennen und sich den Bewohnern einer Stadt anzuschließen, die wegen ihres lasterhaften Lebenswandels bald darauf durch Gottes unmittelbares Eingreifen ihren Untergang fand, diese Umstände, die noch keine eigentliche Uebertretung eines speziellen Goitesgesetzes enthalten, die sich vielleicht unbewußt tief im Innern vollzogen, sie genügten, um einen edlen, groß angelegten Charakter derart zu beeinflußen, daß ihn die Thora als >'sn bezeichnet!! Welche erschütternde Mahnung liegt in dieser Thatsache für jede Zeit, und gar für die unserige! Die Sucht nach Geld und Gut — poo nc*n — die Rambam unter den Vergehungen aufzählt, welche eine aufrichtige Rückkehr zu Gott erschweren, wenn nicht unmöglich macken, hat für unsere Zeit längst aufgehört, überhaupt unter die Vergehen rangirt zu werden, sie gilt sogar als eine kaufmännische Tugend. In einer Zeit, in welcher die Frage: Ist der R. N. gut? soviel bedeutet, als, hat der N. R. Geld, ist das maßlose Streben nach Geld und Gut etwas so verdienstliches geworden, daß schon die Kinder in der Schule für die Suche nach Geld unterrichtet und erzogen werden. Wer einen Kessel stiehlt, ist allerdings ein Kesseldieb, aber wer eine Million stiehlt, ist ein Millionär, und wird als solcher geachtet und ausgezeichnet. Weil sich und die Seinen redlich zu ernähren eine Gottgebotene Lebenspslicht ist, übersehen so Diele die schmale Grenze, die zwischen dieser Regung des Triebes sich zu erhalten und der ungezügelten Gier, reich und reicher zu werden, liegt. Wer will die Eristenzen zählen, welche treu und rein ihren Weg durch'? Leben angetreten haben und denen, die durch die Jagd nach Geld ihr warm schlagendes Herz erstarrten, ihr kür alles Edle empfängliches Gemüth abstumpften und sie nach und nach aus die schiefe Ebene drängten, die in den Pfuhl der Entartung, in die rastlose Unruhe und Aufregung, in den Jammer u. die Verzweiflung führt, in welcher so viele, viele ringen und hoffnungslos untergehen? Tritt aber diese Erscheinung überall in betrübender Weise zu Tage, so macht sie sich in unseren eigenen Reihen in ganz besonders erschreckender Weise geltend. Jahrhunderte herab hat eine lieblose, den Juden feindliche Gesetzgebung an jedem Orte ihrer Zerstreuung dieselben geradezu genöthigt, Geld zu schaffen, Geld zu verdienen. Geld zu erschachern, als das einzige Mittel, das ihr Loos einigermaßen erträglich machte. Jahrhunderte lang hat man ihnen alle Wege eines redlichen Erwerbes versperrt, und die gestatteten Wege so verklauselirt und verparagraphirt, daß es fast unmöglich schien, den erlaubten schmalen Steg zu besckreiten, ohne der rechts und links lauernden Gerechtigkeit in die Arme zu fallen. Kein Geist und kein Witz, kein Vorzug und keine Tugend vermochte auch nur ein Steinchen von den Felsblöcken zu lockern, mit welchen man den Lebensweg der Juden verrammelt hatte. Rur mit Geld in der Hand konnten sie sich den Zugang zu den Ohren und Herzen der Mächtigen bahnen, in deren Gewalt ihr Schicksal ruhte. Deßhalb ließ man die Juden gern Geld verdienen, denn sie verdienten es nur für diejenigen, welche ihnen diese Erlaubniß ertheilten. In der Form von Abgaben und Steuern, Bestechungen und Plünderungen floß cs wieder in die Kreise zurück, in welchen es mit Sorge und Schweiß, mit Thränen und Blut sauer genug verdient worden war. So haben Jahrhunderte lang Staat und Gesellschaft, politische und sociale Erwägungen den Juden geradezu zur Sucht nach Geld und zu der ganzen Entartung dressirt, die diese Gier naturgemäß zur Folge haben muß. Was unsere Väter vor dieser Entartung schützte, der sie nach den Gesetzen der Natur, nach der Consequenz von Ursache und Wirkung hätten verfallen müssen, das war das Gesetz ihres Gottes, wie es die Thora lehrt, und wie es in dem Leben der gesellschaftlich Geächteten seine herrlichste Verwirklichung fand. Jeder Sabbat setzte allwöchentlich dem heißen Streben und Jagen nach Geld und Gut eine Schranke. Jeder Feiertag wurde zum geistigen Athemzuge, der die von den Sorgen und Mützen der Tage und Wochen niedergedrückte Seele neu regenerirte. Jeder Abend führte die den Tag hindurch Gehetzten und Gequälten wieder in ihre Chebrot und Bote Midrasch zusammen, um durch einen Trunk aus dem Gottesborn der Thora die Lethe zu trinken, die sie die Last des Lebens vergessen ließ. Ihre Zedoko- und Maaßer-Gesetze lehrten sie, in der Erfüllung der Pflichten der Wohlthätigkeit und Bruderliebe eine Verwendung ihres Geldes, die den Besitz adelte, der andere degradirte. Sie machte aus dem letzten Hausrrer und Handelsmann mit dem Zwergsack auf dem Rücken einen m*c um die Mittel zu finden, durch welche außer der Familie des Hauses die große Familie, welche jede jüdische Gemeinde repräsentirte, mit ihren Institutionen der Thora, Aboda und der Gemilius Chassodim geschaffen erhalten und immer segensreicher ausgestattet wurden. Mit diesem Gesetz im Herzen und seiner Verwirklichung im Leben überwand der jüdische Stamm die Verkümmerung und den Untergang, dem ihn seine ganze Umgebung überweisen wollte. Wenn aber die wilde, verwegene Jagd nach den Gütern des Lebens, in welche unsere Zeit ihre Kinder stürzt, auch den jüdischen Kreis ergriffe, ohne diesen Talisman, ohne diese Gotttreue im Herzen, ohne Thora und Mizwoth im Leben, wer wollte dann den ganzen Jammer ausmalen, welchem dieses Gebühren rückhaltlos entgegen triebe? Wenn die Dämonen der Habsucht, der sinnlichen Leidenschaft und der Ehrsucht auch die jüdische Brust zerwühlten, wenn die Göttlichen Genien der Thora und Mizwah aus den Herzen, aus den Häusern und aus den Gemeinden verscheucht würden, wer wollte die Folgen ermessen, die

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