Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 90 (12.11.1900)
- Date
- 1900-11-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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_41. Jahrgang Jfä 90. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Begründet von Dr. ftftmatm in IRtnin). Montan, ven 12. November 5661 (I960). LeitcnVcr Artikel. -$i Cot ’M ii. (Schluß.) Wenn Der Streit zwischen den Hirten Abraham's und Lot's die Weideplätze zum Gegenstand hatte, so braucht damit Lot, wie wir nachzuweisen versuchten, den legalen Boden noch nicht verlassen zu haben. Der Selbsterhaltungstrieb und das Streben nach Geld und Gut als nach Mitteln zur Selbsterhaltung sind an und für sich ganz gewiß nicht nur kein Unrecht, sondern eine Pflicht. Diesen Charakter verliert dieses Streben erst, wenn es die naturgemäße Schranke durchbricht und nicht nach Geld u. Gut als Mittel, sondern als Zweck strebt. Zwischen Gut und Bös, oder, wie die Weisen sagen, zwischen dem Eden und Gehinom ist nur eine Haarbreite Scheidewand. Ein einzige selbstsüchtige Regung, ein einziger unlauterer Gedanke genügt, um diese Scheidewand zu durchbrechen. Abraham sah in seinem Reffen den noch lebenden Trieb, den schlummernden Keim zu allein Bösen in der erwachenden Sucht, sich zu bereichern, und stellte ihn aus die Probe, indem er ihm zunächst sagt: „Es sei doch kein Streit zwischen mir und zwischen Dir, zwischen meinen Hirten und Deinen Hirten, denn wir sind verbrüderte Männer, trenne Dich doch von mir" u. s. w. „Rabbi Tarphon sagte zu Rabbi Akiba: Wer sich von Dir trennt, trennt sich vom Leben." (Talmud Kioduschin sol. 66b.l Was müßte erst die Trennung von einem Abraham für Lot bedeutet haben, wenn er wirklich der treue Schüler eines solchen Lehrers, Erziehers und Meisters war! Und wie weit, weit ab mußte Lot von dem hohen Ideal entfernt sein, das ihm in dem Leben und Wirken des Onkels voranleuchtete, wenn er um reichlicheres Futter für seine Heerden, auf den frommen Verkehr mit Abraham verzichtet und leichten Herzens in die vorgeschlagene Trennung willigt. Er verzichtet auf das Leben, sobald ihm die Mittel zum Leben, die Lebensmittel für seine Heerden, leichter und reicher zufließen können! Je größer Lot als lauterer Charakter dastand, um so größer erscheint der Gegensatz, der sich in dieser Gesinnung enthüllt. Diese Gesinnung erhält noch eine drastische Illustration durch die Wahl der Weideplätze, die Lot mit Sodom und der Verworfenheit seiner Bewohner in nächste Verbindung bringen. Geblendet durch die Aussicht auf äußere Vortheile, steigen ihm keine Bedenken über die Gefahr auf, welche aus einer solchen Gemeinsamkeit für seine sittliche Lauterkeit erwachsen müssen. Und wenn auch Lot diesen Gefahren nicht erlegen ist, wenn er auch selbst in Sodom seiner Vergangenheit und den Traditionen des Abrahamhauses treu blieb, daß er durch die Trennung von Abraham und die Verbindung mit Sodom den Anlaß zu der Charakterisirung als yzn bot, kann keinem Zweifel unterliegen. In der Einwilligung, sich von Abraham zu trennen, erblickt die psychologische Weisheit unserer großen Lehrer blos Reigung und Sucht nach Geld, während seine Entscheidung für den Aufenthalt in Sodom ihnen als Beweis für die Unterschätzung des sittlichen Moments, ja geradezu für die Sympathie gilt, mit welcher er lüsternen Auges nach dem dortigen sittenlosen Treiben hinschielte. Vor die durch sein eigenes Verhalten geschaffene Alternative gestellt, entscheidet er sich für den Bruch mit Abraham und die Verbindung mit Sodom, welche Entscheidung der Midrasch in die Worte kleidet: vLx 'X rp^sn der Verkehr mit Abraham und seine Art der Gottesverehrung erschwert den Erwerb und bemmt die volle Entfaltung dessen, wonach sich Sinnlichkeit und Leidenschaft sehnen, während der Anschluß au die Lebensweise von Sodom das alles von sebst ergibt. — Fassen wir das Resultat dieser Erwägungen kurz