Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1900)
- Date
- 1900-11-08
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449131--51927-2502540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1852 entwendet und dabei gesehen haben, daß mehrere Leute, darunter der Schächter Heymann, das Lvy'sche Grundstück von der Hinterseite betraten. Derselbe will auch ein Winseln gehört haben." Aus diesem Schlostergesellen, der ein Kohlendieb war, ist dann später der Angeklagte Maslosf geworden, der Fleisch hatte stehlen wollen. Der Präsident verkündet die Ladung neuer Zeugen. Auch Hallwig wEd auf morgen vorgeladen. Schluß der Sitzung. Könitz, 6. November. Kriminalinspektor Braun hat am 16. Mai mit-dem Angellagten Maslosf einen Lokalaugenschein abgehalien. Ihm waren die Angaben Masloss's ausfällig gewesen, und er hatte sich persönlich von dem Sachverhalt überzeugen wollen. Maslosf konnte nichts sehen, auch beim Lampenschein konnte er die Personen nicht genau erkennen. Am 29. Mai kamen dann die Herren des Ueberwachungskomitees, Hofrichter, Maibauer etc. und erklärten, daß sie schon lange wüßten, wer der Mörder sei. Man führte nun den Maslosf vor, und Zeuge Braun ließ alles stehen und liegen und vernahm vor allen Dingen diesen Zeugen. Jetzt erzählte Maslosf von den angeblichen Wahrnehmungen mit den drei Männern. Laut Protokoll hatte er damals keinen dieser drei Männer erkannt. Ferner erzählte Maslosf, daß er die Absicht gehabt hätte, bei Levy Fleisch zu stehlen. Zeuge Braun hat dann, um die Richtigkeit der Angaben zu prüfen, Frau Maslosf holen lasten. Diese hat aber damals abgestritten, daß ihr Mann ihr jemals Fleisch gebracht habe. Von Bruhn hat Zeuge Braun dann gehört. daß man im Hotel Kühn dem Maslosf die Geschichte mit dem Fleischdiebstahl nahegelegt habe. Er hat dem Bruhn vorgehalten, daß die Angaben von Mas- Toff unglaubwürdig seien, worauf Bruhn ihm erwiederte, daß die Herren zu einseitig seien, weil sie die Sacke nicht vom politischen Standpunkt betrachteten. Braun hat darauf erklärt, er habe den Mörder zu suchen, aber nicht Politik zu treiben. Aber Bruhn blieb! dabei, es handle sich um eine eminent politische Ange- I legenheit. Auf eine Frage des Präsidenten, wie die! Haussuchungen geführt wurden, erklärt Zeuge Braun, daß sie mit der größten Sorgfalt vorgenommen wurden. Der Zustand des Levy'schen Kellers wäre derartig, die Spinnweben so dicht, daß kein Nagel und kein Brett, also auch kein Vorbang an den Kellerfenstern gewesen sein könnte. Auf eine Bemerkung des Präsidenten betont der Zeuge Braun seine volle Unparteilichkeit, indem er sich aus seine dreißig Dienstjahre beruft. Er ist allen Spuren nachgegangen, hat auch keine Bedenken getragen, in Fällen, wo die Spur versagte, seinen Jrrthum einzugestehen. Die Recherchen waren überaus schwierig, weil die Bevölkerung so aufgeregt war. Auf Befragen des Staatsanwaltes erzählt Zeuge Braun, daß Maslosf ihm von dem Packet berichtet hatte. das die drei Männer getragen hätten. Dieses Packet sei sehr schwer gewesen. Zwei hätten an den Zipfeln angefaßt, und der dritte trug hinten dran. Nach der Ansicht des Inspektors Braun mußte die Umgebung des Sees wohl ver Thatort sein. Mit voller Energie bestätigt Braun, daß er seinerzeit in seinem Bericht vom 25. Mai gesagt habe, die allem christlichen Gefühl Hohn svrechenden Beschuldigungen gegen die Juden wegen „Ritualmordes" müßten aus der Diskussion ausscheiden. Damals bat er auch gesagt, daß das Material gegen Hofmann erdrückend sei. Auf Befragen eines Verteidigers betonte Braun, daß ihm das Material über den „Ritualmord" sowohl von jüdischer wie von antisemitischer Seite zugegangen sei. Das Packet mit den Leichentheilen war nicht schwer. Es hatte auch nicht zwei, sondern vier Zipfel und man tonnte es sehr leicht unter dem Arm tragen. Kommistär Braun ist auch heute noch der Meinung, daß es sich gar nicht um Mord, sondern um Todtschlag handelte. Für die Auffastung, daß der Mord in der Synagoge geschehen sein könnte, hat der Zeuge nicht das geringste belastende Moment gefunden. Geschworener Oberlehrer Meyer fragt, ob in dem Keller von Levy irgend welche Blutspuren gefunden worden sind. Kommissar Braun bestreite das entschieden. Kriminalinspektor Braun erklärt bei seiner weiteren Vernehmung, er sei unter den schlimmsten Juden groß geworden, hätte aber niemals das geringste Moment für einen Ritualmord kennen gelernt. Zeuge A s ch k e hat von Maslosf schon einige Tage nach dem 19. März gehört, daß er im Levy'schen Keller einen Lichtschein gesehen hätte und auch rumoren gehört habe, dann auch, daß er an der Hinterstraße drei Männer gesehen habe, die etwas trugen. Später sei Kubi zu ihm gekommen und habe erzählt, daß Maslosf bereits von dem Fleischdiebstahl gesprochen habe, wobei die Herren ihm Zugesichert hätten, daß er straflos bleiben würde. Zeuge hat dann selbst den Maslosf gesprochen, und dieser blieb bei seiner Aussage. Er hat seine Arbeiter über Maslosf gefragt, doch konnte ihm keiner etwas Schlechtes nachsagen. Der Staatsanwalt fragt, warum der Zeuge Aschke den Maslosf nicht sofort zur Polizei geschickt habe? Der Zeuge antwortet, er habe geglaubt, Maslosf würde von selbst zur Polizei gehen. Der Staatsanwalt fragt Maslosf, weßhalb er auf der Polizei und aus denr Gericht nichts von seinen ganzen Wahrnehmungen bezüglich der drei Männer, die das Packet trugen, gesagt habe? Maslosf entschuldigt sich mit dem Hinweis aus den Fleischdiebstahl, woraus der Präsident und Staatsanwalt feststeven, daß er ja vorher dem Direktor Aschke olles erzählt habe, ohne sich mit dem Fleischdiebstcchl zu belasten. Maslosf verwickelt sich von neuem in Widersprüche. Er will jetzt bereits vor Ostern der Frau Levy