Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1900)
- Date
- 1900-11-08
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Dritte Anlage zu M 89 des „Israelit". Irr Auitzer Mmcks-rsjch Mich'. Könitz, 6. November. Ein Geschworener theilt mit, daß dem Vater Ernst! Winter's durch den Reporter Lurch ein Taschentuch abi gefordert worden ist. Da seiner Meinung nach Miß- | brauch damit getrieben werden könnte, so sollte es zu-! rückgegeben werden.! Der Staatsanwalt stellt fest, da sich schon mehrere; Taschentücher bei den Akten befinden, ein Mißbrauch! ausgeschlossen ist. Der Präsident stimmt diesen Ausi sühungen bei und weist daraus hin, daß er ohnedies nicht; im Stande sei, ungehörige Dinge zu verhüten; so käme! es immer noch vor, daß sich trotz seiner häufigen Verbote j die Zeugen, schon vernommene und nicht vernommene, mit einander unterhalten.! Wittive Schiller, sehr schiverhörig, will von > Alex Prinz, der als der dumme Alex bekannt ist, am 13. i März gebärt haben, daß mehrere Kantore der Schlochouer, Hamburger, Konitzer und der Elbinger -Aenwinde zusammen den Ernst Winter umgebracht baden. Der Mord soll bei Levy geschehen sein. Geld hat Winter nicht gehabt, aber Blut, und das bringe bundertausend Thaler ein. Als der Kopf gefunden : wurde, sagte Pcinz, daß Jsraelski den Kops weggei tragen habe, aber der würde nichts sagen, und wenn er auck Jahre im Gefängnis; fitzen würde. Alles das habe sie von Alex Prinz, den die Zeugin für ganz vernünftig bält. Zum Wasterholen habe er sich sehr geschickt angestellt. Einrnal habe er der Zeugin einen Zettel gezeigt und dazu erzählt, auf ihm ständen seine :: 36 Gebrüder Sie hat sich verpflichtet gefühlt, alle diese Dinge dem Schlächter Hofmann zu erzählen. Eine; verein von 87 Jahren hat diese Dinge auch gehört und! der Zeugin noch erzählt, Alex sei in der Synagoge! furchtbar verhauen worden. Bei Hofmann sei der! Bruhn gewesen und der habe die Sache ausgenommen. Schmiedemeister Henning, der von der Vertheidigung geladen ist, weiß von gar nichts, Fleischermeister W e i d e r t desgleichen. Frau B e tt i n Hai den Kantor Haller aus dem Bahnhof in Tuchel gesehen, wie sie glaubt, am 11. März; mit Bestimmtheit kann sie es aber nicht sägen. Sie hat sich den Tag gemerkt, weil an diesem Tage das Begräbniß des Schmiedemeister Müller war. Zum allgemeinen Vergnügen wird Alex Prinz aufgerufen. Er behauptet, den Masloff zu kennen, doch soll es dessen Vater sein. Seine Vereidigung wird ausgesetzt. Wie er angibt, trug er bei der Zeugin Schiller Wasser, doch habe er sich mit ihr gezankt, weil sie ihn angegeben hat. Er hat der Frau Schiller erzählt, Levy und Heymann hätten den Mord vollbracht. Bei Jeleniewski habe man ihn besoffen gemacht und ihm gesagt, er solle erzählen, daß Levv und Heymann den Mord begangen hätten. Er ist dann beim Untersuchungsrichter gewesen und hat ihm dies erzählt. Daß er jemals verhaftet worden sei, bestreite er entschieden. Die Frage des Geschworenen Oberlehrer Memr, ob er in der Synagoge zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen worden wäre, verneint der Zeuge. Kupferschmiedemeister P l e y e r , der aus dev! Zuhörerraum berausgerust'n wird, sägt, Prinz habe ihm erzählt, er sei bei Jeleniewsky betrunken gemacht worden. Kreisphysikus Bl ü l l e r hat Prinz immer für schwachsinnig gehalten, jetzt aber erscheine ihm dessen Geisteszustand erheblich gebestert. Prinz sagt ferner aus, Frau Schiller habe iluu die Karlen gelegt. Da stand drin: Wenn man. aueb, nichts gesehen Hai. und man sagt etwas aus, dann kriegt man ein paar Tausend Mart. Das Gericht beschließt, den Zeugen Prinz unvereidigt ]\i lasten, da ibm die nöthige Einsicht in die Bedeutung des leides abgebe. Zeuge R i ch a r d i , von der Vertbeidigv.ua geladen, weiß von garnichts. Ter Staatsanwalt tbellt mit, ein Isidor Lachmanu aus Königsberg habe ibm geschrieben, er babe den Winter ermordet. Der Kaufmann Fleischer rönne dies bezeugen. Unter allgemeiner Heiterleit wird die Dormirtagssitzung grschlosten. Geschworener Meyer ersucht Namens der Geschworenen den Präsidenten, darauf zu achten, daß die Heiligkeit des Eides nicht dadurch verletzt werde, daß Zeugen die Aussagen anderer als Lügen oder Quatsch bezeichnen. Der Präsident weist daraus hin, daß er in solchem Falle immer von selbst eingegrisfen habe. Der Erste Staatsanwalt beantragt die Ladung einiger Zeugen über Hallwig, die, entsprechend einem in der Nummer 257 des „Vorwärts" vom 3. November verösfentkichten Feuilletonartikel, nach den Anschauungen von Hallwig über Hexen und Teufel befragt werden sollen. In jenem Artikel war auf Grund persönlicher Bekanntschaft mit der Hallwig'schen Familie mitgetheilt, daß diese an Hexen und allerlei Spuk glaube. lieber diesen Punkt entspinnt sich eine scharfe Debatte zwischen dem Staatsanwalt und dem Vertheidiger Hunrath. Alsdann überreicht der Kommissar Wehn die „Staatsbürgerzeitung" vom 3. Mai. Der Präsident verliest die darin enthaltene Notiz, welche folgenden Wortlaut hat: „Ein Schlossergeselle B. will, wie er angegeben hat. am Vorabend des 11. März Kohlen aus einem dem Levy'schen Hinterhause benachbarten Raume m