Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1900)
- Date
- 1900-11-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1837 mannet von vornherein für die konservativ-agrarischen .Kandidaten eintreten. München. 28. Okt. Unter der Rubrik „Vom Büchertisch" findet sich in mehreren hiesigen Zeitungen folgende Besprechung: ..Prof. Hermann D. S t r a k. Sind die Juden Verbrecher von Religionswegen?" Der bekannte christliche Theologe. Prof. Strak, einer der besten Kenner der jüdischen Religiousschristen. hat sich durch diese in populärer Form geschriebene kleine Broschüre ein Verdienst erworben. Bedurfte es für die Gebildeten — Bornirtfjeit ift immer ein Bildungsmanko — schon längst keines Beweises mehr, daß Ritualmord. Fleischbesudelung u. s. w. Dinge sind, von denen der Talmud nichts sagt und die dem strenggläubigen Juden ebenso verhaßt sind, mic dem Christen, so ist es doch sehr dankenswerth, daß ein voruriheilsloser Gelehrter, dessen schöne Aufgabe es ist, Angehörige einer anderen Religion gegen die Angriffe der Ignoranten und Obskuranten zu schützen, in einer für weitere Kreise bestimmten Schrift die Mythen vom Ritualmorde re. mit der ehrlichen Waffe der Wissenschaft zerstört. Man mag der Meinung fein, daß Strak in seiner Argumentation zu Gunsten der Juden manchmal ein wenig zu weit geht, daß er unrichtige Momente ansührt, die bei den aus den richtigen Weg zu führenden ihre falsche Auffassung bestärken könnten. Immerhin bietet die sehr empfehlenswerthe Schrift des Belehrenden und Zutreffenden außerordent- Uch viel. Die Unverbesserlichen allerdings wird sie nicht bekehren. Darüber wird sich Herr Professor Strak wohl auch keiner Illusion hingegeben haben." O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Kraklnr. Kurz vor Anfang des Winter-Semesters bildete sich hier ein aus gelehrten orthodoxen Juden bestehendes Komitee, an dessen Spitze die Vorsteher des Vereins „Talmud Thora" und andere Persönlichkeiten stehen, zur Errichtung einer allgemeinen Jeschiwoh schel Thora. Auf dessen Aufruf ist es gelungen, eine Jeschiwvh mit etwa 50 Bachurim zu errichten und zur allgemeinen Befriedigung den wohlbekannten Gelehrten Rabbi Mordchai Treller (rothe Rose), der jüngst das Werk eiM «rro herausgegeben, für die Stellung des „Rosch-Jeschtwoh" zu gewinnen. Frankreich. ityon. PräsidentLoubet wurde gelegentlich seines Besuches in Lyon zur Enthüllung des Denkuwls ftir den Präsidenten Carnot auch von dem Rabbiner der Lvoner jüdischen Gemeinde, dem Grandrabbin Alfred L e v y . begrüßt. Derselbe stellte zunächst dem Präsidenten die Mitglieder des jüdischen Consistoriums vor, woraus er eine kurze Ansprache an den Präsidenten richtete, in welcher der Rabbiner das Vertrauen der Juden zu der Regierung betheuerte und die Zuverstchi aussprach, daß Letztere die beiden Errungenschaften der Revolution, die Gewissensfreiheit und die Gleichheit Aller vor dem Gesetze nicht preisgeben werde. Die bochbedeutsame Antwort des Präsidenten der französischen Republik lautete: Es wäre kindisch, zu denken, daß am Ende des zur Rkige gehenden Jahrhunderts irgend Jemand in unserer demokratischen Gesellschaft mächtig genug sein könnte, mit Erfolg einen Angriff aus die Glaubensfreiheit und die Freiheit der Eulte versuchen zu können. Es wäre lindisch, vorauszusehen, daß irgend welche Verschwörung, irgend welche Reaktion, mag sie kommen von woher sie wolle. Aussicht aus Erfolg in der Tochter der Revolution haben könnte, welche äußerst entschlossen ist. alle Errimgenschasten zu bewahren und zu erweitern. Ein socher Versuch würde, wenn er gemacht werden sollte, stets vergeblich sein, weil er gegen die Gefühle wäre, die in den Herzen aller Franzosen und aller Republikaner leben. Italien. Ancona 1. Rov. Der Antisemitismus iss in der italienischen Presse ein seltenes Veilchen, welches bisher im Verborgenen der klerikalen Blätter blühte. Jetzt kommt der erste Strafprozeß wegen Beschimpfung israelitischer Mitbürger vor der Strafkammer in Ancona zur Verhandlung, angeklagt ist der stellvertretende Redakteur der katbok. „Patria" in Aneona. Dieser unglückliche Jüngling batte in Abwesenheit des Chefs eine Art Statistik aus einer deutschen antisemitischen Zeitung ansgegabelt über jüdische Verbrechen, über den unaustilgbaren Wuchergeist der semitischen Rare und daran die Mabnung geknüpft, die israelitischen Geschäfte zu meiden, weil in ganz Deutschland der Ruf beliebt sei: „Kaust nicht bei Juden!" Obwohl der aus dem Bade heimgekehrte Redakteur sofort den Artikel widerrief, hat gleichwohl der Generalstaatsanwalt der Marken Klage erhoben wegen Aufreizung der Ungebildeten zum Klassenhaß. Rußland. Petersburg. (Austreibung en.) Es läßt sich ivieder gar nickt sagen, wie viel Elend die täglichen Austreibungen der Juden aus solchen Gegenden Hervorrufen, wo sie das Aufenthaltsrecht zu haben glaubten. Auf tausend Vertriebene finden sich immer nur ein ober zwei, die den Muth haben, die Justiz gegen diese Willkürakte, deren Opfer sie sind, anzugehen, und sehr oft wollen die Gerichte auch nichts zu schaffen haben mit der Administratton. Der Senat hat oft die MißstLnde bei den Behörden verurtheilt. Anbei ein neues Beispiel feines gerechten Vorgehens in folgender Entscheidung: Angesichts der Klage des Juden Gribnoff, der auf Befehl des Gouverneurs von Witebsk aus dem Dorfe Gubino vertrieben worden, bestimmt der Senat, daß, wenn der Jude in einem Dorfe eine hinreichend lange Zeit gewohnt hat, sodaß sein Aufenthalt den Behörden bekannt war, diese Thatsache allein schon für die