Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-11-08 · Heft 89 (8.11.1900) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 89 (8.11.1900)
Date
1900-11-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449131--51911-2502524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1836 unter einer Wocbe, was begreift vielmehr der Jude unter einer Woche? Sechs Werktage und der Sabbat, als der Gottgeweihte Ruhetag, bilden eine Woche. Jede wiederkehrende Woche bildet ein Denkmal der Schöpfung durch Gott. In den sechs Tagen hat Gott die sichtbare, sinnliche Welt erschaffen. Den siebten Tag hat Gott zur Weihe und Heiligung, zur Erziehung des Menschen für Gott bestimmt. Mit jedem siebten Tage, an dem der jüdische Mensch sein Händewerk einstellt und Gott gleichsam seine Welt zurückgibt, spricht er den Gedanken aus, daß Gott ihm die Welt mit allen ihren irdischen Erzeugnissen und als Mittel für den einen Zweck verliehen, diese nach Gottes heiligem Willen zu verwalten. Ohne diesen Sabbat wäre die in sechs Tagen erschaffene sinnliche Welt ein werth- und nutzloses Bruchstück geblieben ivergl. Ehoreb § 141). .ntry *!b»k '.rasbo ’r:u»n c: 'z C'pbs bz", Mit dem siebten Tage, so erklärt Rabbiner Hirsch s. A. diesen Vers, vollendet Gott sein Werk, das er in den sechs Tagen erschaffen. Mit der Einsetzung der Sabbaturkunde erhielt erst das sechstägige Gotteswerk seine Vollendung. Durch den Sabbat, der der sinnlichen Welt das Gepräge der Weihe und der Göttlichkeit aufdrückt und das ganze Gebiet menschlichen Schaffens und Wirkens in den Bereich der Göttlichkeit hineinhebt, hat die Welt ihre wahrhafte Vollendung erreicht. Denn es gibt keine Kluft zwischen der sinnlichen, schassenden und genießenden Thätigkeit und der religiösen Erziehung des Menschen. Ganz, ganz gehöre der Mensch seinem Gotte an. cv n-rn c-cn ■pr6x Das ist der Geist einer jüdischen Woche, das lehrt uns die Woche von Sonntag bis Sabbat. Wem also die Thora das Prädikat c-cn" beilegt, wem sie das Zeugniß ausstelli, daß er ganz, ganz seinem Gotte angehört, daß also jeder Theil seines Lebens ihn mit Gott verbindet, der hat seine Lebensjahre mit dem Maßstabe einer Woche gemessen, wzvr. r~zb irten. Mit der Erklärung der Talmudstelle: px zvz rrnwe npTni: rrx dx^v" px p rrz rx p'~c :mrj mit welcher unsere Weisen den Prophetenvers: p frx: n^n: man px erläutern, und dem Wunsche, daß der Verein „Rachlath Zewi" sich zahlreicher Mitglieder erfreuen möge, schloß Herr Rabbiner Dr. Breuer unter rauschendem Beifall der Zuhörer seine ausgezeichnete Rede. Mit dem Vortrag des Herrn Dr. B o n d i „Einige Gedanken aus den 19 Briefen" wurde nunmehr in die eigentliche Thätigkeit des Vereins sofort eingetreten. In scharsgeschlossenem Gedankengang, zeichnete der Redner die fundamentalen Linien der jüdischen Weltanschauung, wie S. R. Hirsch sie gelehrt hat, um zum Schlüsse einige außerjüdische Gebiete geistigen Schaffens von dem gewonnenen Standpunkt aus, d. i. dem jüdischen, zu beleuchten. Die strenge Einheitlichkeit und Sachlichkeit dieses Vortrages, dem die Kundigen unter den Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, machen es mir unmöglich, Einzelnes herauszugreifen und wiederzugeben. Es wurde mit warmer Sympathie ausgenommen, daß Herr Dr. Bond: wie auch Herr Rosenheim des verehrten Mannes gedachten, dessen Lebensaufgabe es gewesen >var, seines großen Vaters Lehren vom Judenthum begeistert zu verbreiten, und dessen verklärter Blick gewiß mit tiefster Befriedigung auf dem geeinten Wirken feiner Scküler ruht: Direktor Dr. Mendel Hirsch's b"Y>. Nachdem noch Herr I. N o s e n h e i m der Versammlung den Dank der Vereinsleitung 'zz rkra für das zahlreiche Erscheinen übermittelt und zum Beitritt zu diesem Vereine, der Jedem, der Thora lernen will, offen stehe, aufgefordert, welcher Aufforderung auch sehr viele der Anwesenden durch Einzeichnen in die am Vorstandstische aufliegenden Beitrittsbögen entsprochen, fand der erste Vereinsabend des Vereins „Rachlath Zewi" seinen Abschluß. Wir schließen unseren Bericht mit dem Wunsche, daß der Verein blühen, wachsen und gedeihen möge. H. L.r. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 3(«<< dein Herzoqtlium Gotha, 1. Rov. Die Hauptwableu zum gothaischen Landtag sind nunmehr vollendet und das Ergebniß, 5 agrarische Konservative, f> „Liberale" und 5 Sozialdemokraten, ist für den Freisinn recht traurig. Der Grund ist darin zu suchen, daß der gothaische Freisinn neuerdings sich weniger von politischen als von gesellschaftlichen Rücksichten leiten läßt. Das Paktiren mit den rechtsstehenden Parteien, die mehr oder minder Vertreter der gesellschaftlichen Elite sind, hatte zur nothwendigen Folge, daß die sreisinnige Partei zur Landtagswah! Kandidaten aufstellen mußte, die in den breiten Vollsmassen leine Sympathien batten. Die vier Kandidaten der freisinnigen Partei in Stadt Gotha waren der Bürgermeister von Gotha Liebetrau und sein treuer politischer Begleiter, Senator Mosler, die mehr zur freisinnigen Vereinigung als zur freisinnigen Volkspartei zu zählen sind, dazu zwei sehr weit rechtsstehende Fabrikanten. Bei Aufstellung der Wahlmännerlisten wurden in der Stadt Gotha vom Freisinn den Nationalliberalen zu Liebe ein ganze Anzahl als entschieden freisinnig bekannter Leute gestrichen, so auch sämmtlicbe Juden. Es bedurfte sehr energischer Vorstellungen, um zu erwirken, daß wenigstens ein einziger nichtchristlicher Wahlmann auf eine der vier Listen gesetzt wurde. Selbstverständlich blieben daraufhin sämmtliche Israeliten der Wahl fern. Auf dem Lande ist der Freisinn bereits so haltlos, daß freisinnige Wahl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.