Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1900)
- Date
- 1900-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Erbe sei, so könne man diese Aneignung keinen Raub nennen. Die Thora fügt aber hinzu, das; der Kanani und Prisi damals noch im Lande wohnten, Abraham's Rechtsanspruch also noch nicht in Kraft getreten sei. Man geht wohl nicht fehl, wenn man Lot. den Herrn seiner Hirten, für diese ihre Gesinnung und die Beraubung fremder Felder verantwortlich macht. f*x H xbi san ms. Die Hirten Lot's stahlen sicher nicht ohne Wissen und gegen den Willen ihres Herrn. Freilich kleidet sich diese Sucht, sich auf Kosten anderer zu bereichern, in ein frommes Mäntelchen, in das zuversichtliche Vertrauen in die göttliche Verheißung, welche Abraham resp. seinen Nachkommen das Land Kanaan für die Zukunft zusagt. Aber diese Zuversicht, die bei Lot keinesfalls größer war, als bei Abraham selbst, hat letzteren nicht bestimmen können, sich an fremdem Gut zu vergreifen. Dazu kommt die gewiß nichts weniger als noble Art und Weise, die sich schon bei Lebzeiten Abraham's als Erbe gerirt. Man kann eine Illustration dieser verschiedenen Auffassung zwischen Neffe und Onkel vielleicht heute bei unseren Zionisten und ihren Gegnern, unter den Bekennern des historischen Judentbums wiederfinden. Diese wie jene glauben oder geben zu glauben vor, daß das heilige Land das Land Israels sei. Aber die einen reklamiren es schon jetzt, während die anderen die von Gott verheißene Zeit für die Erfüllung dieses sehnsüchtigen Wunsches ihres Lebens abwarten, wie cs Abraham that. Wie jenen, so mag auch Lot das Verbrecherische seiner Handlungsweise gar nicht zum Bewußtsein gekommen sein. Freilich auf die Thorheit eine Bank zu gründen und sein Erbe dem Kanani und Prisi abzukaufen, darauf verfiel Lot nicht. So blosgestellt hätte er sein Vertrauen in sein Erbrecht nimmermehr. Aber die Sucht sich zu bereichern, dürfen wir bei Lot als vorhanden ansehen, und dieses Streben nach Besitz, nach Geld und Gut, mag es sich nun in der Aneignung von Weideplätzen, Viehheerden oder was auch immer geäußert haben, war der erste Keim, dem alles Folgende entsproß. Von Geldsucht zu Genußsucht ist nur ein Schritt und vielleicht das nicht einmal. Vielleicht ist die Sucht nach Genuß die Quelle, aus welcher die Sucht nach Geld und Gut fließt. Das Verlangen, das Leben zu genießen. weckt in der Brust, in welcher es sich regt, den Wunsch nach Geld und Gut, als den Mitteln, sich die Genüsse des Lebens zugänglich zu machen. Von diesen Dämonen beherrscht, duldet's den Neffen nicht mehr in der Nähe eines Onkels, dessen Gesinnungsadel nicht einen Faden oder Schuhriemen von Menschen annehmen und sich von keinem Menschen nachsagen lasten möchte, er habe Abraham reich gemacht. Diese Art der Gottesverehrung eines Abraham verträgt sich nicht mit der Sucht nach Re'lchthum, die in Lot's Busen wühlt. Abraham bleibt ihm bei alledem das hohe Ideal, aber nur als Ideal. In Wirklichkeit aber zieht er seine Bereicherung dieser Utopie vor. Wenn man nicht rasch reich dabei werden kann, so überläßt er Abraham das Privilegium, ein Phantast und Idealist zu sein, er aber sagt sich für seine Person damit los von Abraham und seiner Gottesverehrung. Er zieht die besseren Weideplätze vor und spricht vielleicht, ohne es in Worte zu kleiden, aber durch die ganze That seines Lebens: mbxz sbi a~>zsz sd 're\s 'x (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, 5. Nov. (Bericht über den gestern hier stattgefundenen Hespe d.) In ihrer jüngsten Sitzung hatte die Verwaltung der „Vereinigten Alten und Neuen Klaus" beschlossen, vor Besetzung der vacanten Stellen den beiden kurz vor Rosch ha schono zu ihren Vätern Heimgegangenen Klausrabbinen Rabbi Moses Frieder und Rabbi Getsch Schlesinger einen gemeinsamen Hesped zu widmen, welcher nach Vereinbarung mit unserem Herrn Rabbiner von diesem in der Klaussynagoge abgehalten werden sollte. Inzwischen trug man tvegen des voraussichtlichen Andranges Bedenken, die nur etwa 200 Personen fassende Klaus dazu zu benutzen und zog es unter Einverständnis; des Synagogenverbandes vor, die weit größere Gemeindesonagoge Elbstraße zu frequentiren. Heute nunmehr, unmittelbar nach Minchah, fand denn auch daselbst die beschlossene Trauerkundgebung bei ungeheurer Betheiligung statt. Die Synagoge war dementsprechend würdig dekorirt und die Kanzel weiß bedeckt. Der Oberchasan Herr Dreiblatt leitete die Feier unter Absingen von Michtom le-dovid sehr stimmungsvoll ein, worauf der Raw seine von Wehmuth getragene Rede mit dem Prophetenwort Jecheskel 21 begann: n;xn rmnoai amo pizerz n:sn nix p r\nx 'v rwicv bx rncsi njsn na by jbs ncx1 'z rrm ."M nn" len ab S3 ct23' nsz Der Redner betonte, daß er im Aufträge der Verwaltung der „Vereinigten Alten und Neuen Klaus" den beiden an einem Tag ihr entrissenen Talmidei chachomim, die auch ihm in seiner Amtsführung treu zur Seite gestanden, diesen Hesped halte, doch wolle er dabei auch der ihnen vor nicht langer Zeit voraufgegangenen zwei Rabbinen der „Lewin Salomon-Klaus" gedenken, deren Fortgang wir tief betrauern und für die ein Ersatz noch gar nicht gefunden; es sind dies Rabbi Jesajas W o h l g c m n t h und Rabbi Rüben Fink. Die Lehrhäuser, deren Heiligkeit nach Ausspruch unserer Weisen höher stünde, als die der Vethäuser, weil in ihnen das Feuer der Thora angefacht und die Begeisterung für alles Edle und Erhabene gepflegt, und weil nur derjenige richtig zu beten vermöge. dem das Ver-