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Der Israelit · 1900-11-05 · Heft 88 (5.11.1900) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 88 (5.11.1900)
Date
1900-11-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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" ,'T VV*%~ 7' 1821 iie Hebräisch zu reden. — Präs.: Wie das? — Zeuge: Nun, Hebräisch. — P r ä s. : Verstehen Sie Deutsch? — Zeuge: Nein.' — Präs.: Konnte es also nicht Deutsch gewesen sein? — Z e u g e: Es klang Hebräisch. Tn erblickte mich plötzlich Leopold Hilsner und jagte mich vom Fenster fort. Ich trat unter einen Baum, dort traf mich Herr Lang. An diesem Tage cntströmte dem Kamin aus dem Hilsner'schen Hause auch sehr starker Rauch, der einen großen Gestank verbreitete. Mit dem Rauch flogen ganze Fetzen von Kleidern in die Luft: die Frau Chalupa hat das auch bemerkt und gesagt: „Aha, die Hilsners verbrennen die Kleider." Frau E h a l u p a wird vorgerufen. Sie erklärt unter wiederholter Betonung ihres Eides, daß sie weder Rauch gesehen, noch den Gestank verspürte, am wenigsten aber hierüber mit Prochazka gesprochen habe. — Proch a z k a : Sie lügen, das sage ich Ihnen in's Gesicht. — Der Präsident muß den Burschen energisch ermahnen. — Prochazka: Also gut, Frau Chalupa, Sie sprechen nicht die Wahrheit. — Chalupa: Ich habe geschworen, ich weiß nichts von Rauch und ich habe weder mit Ihnen noch sonst mit Jemandem darüber gesprochen. Des Bruders der Hruza wurde heute oft Erwähnung gethan, und fast bei jedem Zeugen erkundigte sich der Staatsanwalt, ob ihm etwas von Zwistigkeiten im Hause Hruza bekannt sei. Frau Schubert, eine Müllersfrau, in deren Mühle Johann Hruza im September vorigen Jahres knapp vor dem Kuttenberger Prozeße Balken zu Brettern zersägen ließ, erzählt über diese Begegnung: Ich sagte zu Hruza: „Nun, wer war der Mörder?" Hruza antwortete: „Nun, wer anders, als die schmutzigen, stinkigen Juden." Frau Schubert, die jüdischen Glaubens ist, erwiederte: „Besteht denn für die Juden das sechste Gebot nicht? Nur der hat Agnes Hruza ermordet, dem sie im Wege war." Darauf habe Johann Hruza stark zu zittern begonnen und auf die weitere Bemerkung: Vielleicht wisse noch Jemand von dem Morde, gesagt: „Ja, die Vomela, die Frau des Gemeindevorstehers von Vesnic, hat mir davon erzählt", eine Bemerkung, welche die Volema entschieden in Abrede stellt. Auch habe Johann Hruza zur Zeit der Ermordung seiner Schwester die eine Hand verbunden und das Halstuch sehr hoch hinaufgezogen getragen. Zeuge Hermann Aufrecht gibt an, am Tage des Begräbnisses habe Johann Hruza die eine Hand eonstant in der Tasche gehalten. Der Aufenthalt des Johann Hruza ist, wie hier bemerkt werden soll, zur Zeit unbekannt. Die restlichen Zeugen haben über das Auftauchen eines fremden, gefährlich aussehenden Mannes im Brezezinawald in der letzten Märzwoche des vorigen Jahres auszusagen. Es werden Männer und Frauen hierüber einvernommen. So viel Zeugen, so viel Personsbeschreibungen. Im Angeklagten will Niemand diesen Mann erkennen, auch der Caplan V l r z e k nicht, dem der Präsident sofort nach erfolgter Beeidigung einen Stuhl zum Sitzen anbieten läßt. Daß die Mutter und der Bruder des Angeklagten sich der Zeugenaussage entschlagen hatten, wurde bereits gerneldet. Zeuge S chic, der einstige Lehrherr des Moriz Hilsner, erzählt heute im ziemlich verlegenen Tone von der Zusammenkunft mit Moriz Hilsner und dem Redakteur Schwer in einem Gasthause in M e seit t s ch, bei welchem Anlasse Moriz Hilsner drei Viertel Wein zu trinken bekommen hatte, die Herr Schwer zahlte. Seit Kuttenberg hat diese Scene viel von ihrer Eindruckssähigkeit auf das Auditorium verloren, welches heute, wohl nach der ausgiebigen Zurechtweisung des Journalisten Huschet, sich mehr in den gebotenen Grenzen hielt. P i s e k, 31. Oktober. Lebhaft gestaltete sich die Einvernahme des 31jährigen Taglöhners Johann Aufrecht. Vom Präsidenten vor der Beeidigung befragt, ob er den Angeklagten kenne, erwiedert r mit verächtlicher Geberde, gegen Hilsner gewendet: „Ja, er ist ein Erzschuft, ein elender Gauner." — Präs.: So dürfen Sie hier absolut nicht reden. Mann haben Sie Hilsner zur kritischen Zeit gesehen? — Zeuge: Hilsner stand beim Thor, ich fragte ihn: „Hast Du es gethan oder nicht?" Da senkte er den Kopf. (Zu Hilsner:) „Ist das wahr, Du Lump, oder nicht? — Der Präsident vermahnt den Zeugen neuerlich. — Dr. Vodicka: Sind Sic von Geburt aus Katholik? — Zeuge: Mit Ihnen habe ich nichts zu reden. — Dr. Vodicka: Es ist Ihre Pflicht, mir zu antworten. — Zeuge: Ihnen antworte ich nicht. — Der Präsident wiederholte die Frage des Vertheidigers. — Zeuge: Seit neun Jahren bin ich getauft. — Dr. Vodicka: Sie sind also ein getaufter Jude. Die Zeugin Friederike Brosch, Erzieherin, gibt an, am Ostermontag eine Gruppe von Juden beisammenstehen gesehen zu haben, die auf den Cantor Steiner einredeten, warum er nicht bei seiner Aussage über Hilsner erklärt habe, er hätte ihn im Tempel gesehen. So wäre das beste Alibi geschaffen gewesen. Hilsner sei einige Schritte von dieser Gruppe gestanden. Einer habe auch über die Hruza gesagt: „Deutsch, die war trefe." — Präs.: Das sind ja lauter Neuigkeiten. — Z e u g t n : Ich hätte das auch schon das erste Mal gesagt, aber der Richter hat mir gesagt, er wisse schon genug von dieser Sache. — Präs.: Mas Sie aussagen ist unmöglich, denn der Cantor Steiner wurde erst nach der Verhaftung Hilsner's einvernommen, so daß die Scene, so wie Sie sie schildern, unmöglich ist. — Votant Danzer: Vielleicht handelt es sich um eine Einvernahme Steiner's durch die Gendarmerie. — Der im Auditorium anwesende Wachtmeister K l e n o v e c wird hierüber befragt und erklärt, Steiner nicht einvernommen zu haben. — Präs.: Es ist also, wie ich

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