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Der Israelit · 1900-11-05 · Heft 88 (5.11.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 88 (5.11.1900)
Date
1900-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vvrW^j5^wa rMWWMWWW! WHWWW 1808 er, der Mensch, diese Wohlthätigkeit auch seinem Nebenmenschen gegenüber üben kann und soll.G) Hier heißt es aber im Paragraph 4: „Mehr als einmal im Jahre soll in der Regel keinem Wanderbettler eine Unterstützung gewährt werden." Der Arme muß (Paragraph 4 u. 5), um eine Unterstützung aus der Casse zu erlangen, genügende Legitimationen besitzen und darf sich — wie gesagt — nicht mehr als einmal im Jahre zeigen. Der Einzelne hat der Zedakah-Pslicht genügt, indem er seinen Beitrag dem Vereine entrichtet, und hat es der Arme gewagt, ein Privathaus auszusuchen, dann kommt er als zudringlicher „Schnorrer" in die eigens dazu eingerichtete „schwarze Liste", was seine völlige Ausschließung von der Unterstützung — von der moralischen Wirkung dieses Verfahrens für manchen unglücklichen Armen ganz abgesehen — zur Folge haben wird. Da sind doch unsere alten Hilchaus zedoko schon etwas humaner. Wohl ist es Religionsgesetz, neben der Bedürftigkeit auch die Würdigkeit des Petenten zu untersuchen,') allein dieses bedingt noch nicht, daß man jeden Armen, der nicht das Gegentheil zu beweisen vermag, als Betrüger und der Unterstützung unwürdig betrachten soll. Im Gegentheil soll man, soweit es sich um kleinere Unterstützungen, zumal zu Nahrungszwecken handelt, von jeder weiteren Forschung und Prüfung absehen/) Der Arme, der eine Unterstützung von uns empfängt, hat seinen Anspruch auf menschliche Behandlung dadurch nicht eingebüßt und es ist sowohl vom Standvunlte des Judenthums, wie auch von dem der Menschlichkeit unmöglich berechtigt, wenn man einen Armen, der unseres Wissens weiter nichts gethan, als vrivate Wohlthätigkeit in Anspruch zu nehmen, in eine Liste, wie es für wirkliche Gauner und Spitzbuben Brauch ist, einträgt. 10) In einigen Wochen wird der Verband seine zweite jährliche Delegiertenversammlung abhalten. Wohl wird da auf Grund der Erfahrungen des ersten Jahres manches geändert tverden, manche der bisherigen Statutenparagraphen hinweg- und manche neue hinzukommen. Sollte jedoch der Verband darauf bedacht sein, die Sdmpotie und das Vertrauen der orthodoxen Judenheit zu gewinnen, so müssen zu allernächst die angeführten Paragraphen dahin geändert werden, daß sie mit den jüdischen Vorschriften über Wohlthätigkeit übereinsirmmen und dem Begriffe der jüdischen Wohlthätigkeit ganz entsvrechen. Denn soll eine jüdische Körperschaft erfolgreich wirken, so muß sie ganz aus dem Boden des Judenthums gegründet sein. S. S ch a ch n o w i tz , Lehrer. rvtwo) dt? jnu «in von-o : ü'ßm 1? jnji (r «LT tO"’ ern njn mr) o’nqt vrv D”:yn py ipm~n a .('D N-ina N33) nuuo? ppno iw hidd? rrnn (h 'ndi Nin on nnN ppim pw -idn^ ’O (» (dp n'd-i rv n"J”i njn mr) D’DJDT D’iDD .HID’ D’JD T3D3 Tp->L7> D'p -ps (10 (n"DT n"') mDT YDDn Frankreich. Parid, 1. Rov. Im Mittelpunkt der gegenwärtigen politischen Diskussion steht eine von Ihnen bereits kurz erwähnte Rede, die der Ministerpräsident Waldeck- Rousseau in Toulouse, bei Gelegenheit der Grundsteinlegung zu einem öffentlichen Gebäude gehalten hat. Alle Parteien nehmen zur Reise des Ministers und zu der von ihm gehaltenen Rede Stellung. Diese Rede, die das politische Verhalten des Kabinets vor dem ganzen Lande, und auch vor tiem Anslande rechtfertigen soll, hat Vieles gebracht, was für das politische Leben der französischen Juden hochinteressant ist und von dem wahrhaft fortschrittlichen Sinn der gegenwärtigen Regierung klares chugniß ablegt. Schon bei seinem Einzug in Toulouse bat Waldeck Rousseau seinem Libero lismus offen Ausdruck gegeben. Unter den vielen Deputationen, die ihn begrüßten, befand sich auch der Toulouser Rabbiner, der ihn im Namen der jüdischen Gemeinde willkommen hieß. Der Ministerpräsident eriviederte ihm mit folgenden Worten: „Die Regierung hat bewiesen, daß sie grundsätzlich leine Stammes , Religions- oder Rarenunterschiede kennt. Von Anfang an hat die Regierung das mit Verachtung von sich gewiesen, was sie als das wahre Ver mächtniß der Barberei betrachtet. Dabei ist die Regierung nicht nur von den Gefühlen der Billigkeit und Gerechtigkeit beseelt und getreu den Lehren der Revo lution, sie strebt auch eifrig danach, die Einigkeit aller Franzosen zu schaffen." Klarer und präziser tann wohl kaum gesprochen werten! In dieser kurzen Ansprache hat Waldeck- Rousseau deutlich zu verstehen gegeben, daß die Re gierung, deren Leiter er ist, ein energischer Gegner der tvüsten antisemitischen Agitation ist und daß sie die französischen Juden als vollberechtigte Bürger be trachtet, die gleiche Ansprüche ans alle Vortheile haben, die der Staat zu bieten im Stande ist. Den Glanzpunkt der Ministerreise bildete zweifellos die Banket rede, die lange vorher angekündigt und von Allen mit großer Spannung erwartet wurde. schierst hat Wadeck Rousseau versucht, die Begna. diguug von Dreyfus zu vertheidigen. Die Feinde der Republik haben die Affaire Dreyfus dazu benützen wollen, um verschiedene Volksklaffen gegeneinander auf zuhetzen und jede ffaalliehe Autorität zu untergraben. Da!var es ganz gerechlfertigl — so fährt Waldeck Rousseau fort - daß die Regierung durch die Begna diguug dem blutigen Drama, was Frankreich so sehr erschüttert hatte, ein Ende machte. Jeder wahre Vaterlandsfreund muß mit dieser Handlung der Regierung einverstanden sein. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte der Ministerpräsident, daß die Regierung fest entschlossen iss. einen energischen Kamps gegen die Jesuiten und die geistlichen Orden aufzunehmen. Die in den .Klosterschulen erzogenen jungen Leute werden nicht mehr zur Bekleidung von Staatsämtern zugelassen

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