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Der Israelit · 1900-11-05 · Heft 88 (5.11.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 88 (5.11.1900)
Date
1900-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1809 werden, denn in diesen Schulen wird die Republik systematisch bekämpft, das Andenken der Revolution mit Schimpf und Schande bedeckt. Die Zöglinge dieser Anstalten sind geschworene Feinde der gegenwärtigen Regierung, und es hieße jede Spur von Selbstachtung verlieren, Ivollte man diese Leute zur Verwaltung des von ihnen so bekämpften Staates berufen. Auch mit dieser Erklärung des Ministerpräsidenten rönnen die franzöüscken Juden zufrieden sein. Denn Ne Heeren in der schwarzen Kutte sind es, die den Antisemiten reieblich Geld zu ihrer Agitation verschaffen. Zn den Kloster'chulen >verden die Zöglinge von den frommen Brüdern gegen Juden und Protestanten, die nun! in einen? Atyemzuge nennt und als Vaterlandsseinde hinstellt, aufgehelzt. Verlusten diese jungen Leute ibre Alma Mater, dann sind sie es, die auf den Boulevards grnpveniveise herumlausen und schreien: Vive Orimiont! A!ms les jiuTs!” Daß Männer mit solchen Grundsätzen nickst zur Verivaltung eines frei und human denkenden Staates berufen iverden können, daß dieser Staat direkt ein Verbrechen begehen tviirde, ivollte er salebe Herrschaften unterstützen, ist für jeden nüchtern und praktisch denkenden Politiker offenbar. Kurz -- w i r können uns mit den Grundsätzen, die der Mi niste'prästdeut in seiner Tonlonser Rede zum Ausdruck wachte, einverstanden erklären. Solange Waldeck Rousseau am Ruder ist, können die französischen Juden unbesorgt sein. Voll Mitleid und Verachtung können sie ruhig die schamlosen Treibereien der Antiseiniten betrachten. Wissen sie dock,, daß an der Spitze der Re gierung ein V'onn steht, der es nicht gestatten kvird, auch nur ein Iota von ihren Staatsbürgcrrechten anzutasten. R. vermischtes. Memel. (Titel Verleihung.) Dem Bankier Herrn Leopold Alexander, Vorsitzenden des Vorstandes der hiesigen tsr. Gemeinde, wurde der ^itel „Konnnerzien-Rath" erteilt Es ist derselbe Herr, der erst unlängst eine neugeschnebene Thorarolle der Gemeinde geschenkt hat. Unseres Wissens ist eS der erste JSraelit in Memel, der zu solcher Auszeichnung gelangt ist. Feuilleton Lin Schritt vom Wege. AüdistHe von Arnold Mann. 127| (Schluß.) Als ich tviedcr rubig geworden war, wandte sich der Vater zu Salomon, dem gleichfalls die Augen feucht ivaren: „Hub Du, lieber Salomon, ach, Du empfindest sie am eigenen Leibe, die züchtigende Gotteshand. Ich möchte Dir nicht wehe thun, Du hast ja Schmerzen genug ausgestanden. Ich möchte Dir nur zu Gemüthe führen, wie auch Dir das. was Dich getroffen, ein Fingerzeig Gottes ist. Du hast unter den todtbringenden Trümmern gelegen, Deine Reisegefährten wurden zerschmettert neben Dir — D u lebst, und kein nennenswerthes Gebrechen wirst Du aus dem Schauer jener Schreckensstunde davontragen! Glaube mir, mein Sohn, Du solltest leben, Du solltest Gelegenheit haben, noch aut zu machen, was Du seit Deinen Jugendtagen gegen die Ideale Deines Elternhauses gefehlt hattest. Willst Du Dein Leben nun d e m weihen, dessen wunderbarem Schulze Dil es verdankst? Willst Du?" Saloinon faßte erschüttert nach des Vaters Hand und, seine zuckenden Lippen ans sie drückend, murmelte er „Ich null es versuchen — Der Erchhler, zugleich der Held semer Erzählung, hatte geendigt. Alle standen noch ininutenlang unter dem unmittelbaren Banne der herrlichen Eröffnungen, die der würdige alte Mann durch die prachtvolle Wiedergabe seines folgereichen JugcndschicksalS gemacht hatte. Er hatte die Herzen seiner Hörer mächtig ergriffen. Kein Einziger mar unter ihnen, dem nicht die tiefe Wahrheit der Lehren eingeleuchtek hätte, die so offenkundig aus seiner Erzählung sich ergaben. Der Rachweis, den er zu führen versprochen, „daß Alles am Willen liege, und daß einen, ernsten Willen in religiösen Dingen Alles niöglich sei," er war ihm glänzend gelungen. Einer der anlvesenden Damen aber schien an der Erzählung Gottschalt's noch etioas zu fehlen. Sie kvandte sich an seine Gattin mit der neugierigen Frage: „Sie heißen mit Vornamen Jda, Frau Gottschalk?" „Jalvohl, mein Fräulein!" erkviederte die Gastgeberin lächelnd. „Und sind eine geborene Fromann?" „Auch das. mein Fräulein!" „Also, Sie haben sich gegenseitig schließlich doch bekommen!" „Wie Sie sehen!" „Das Fräulein hat Recht!" hob nun Herr Gottschalk an, „das fehlte noch in meinem Berichte. Also, Jda Fromann," er warf einen schelmischen Seitenblick ans seine Gattin, „Jda Fromann kehrte nach vier Wochen, lvenige Tage nach Spier's Verurtheilung, von khrer Reise zurück. Sie hatte von Nichts gewußt. Ihr Vater hatte ihr keine Silbe von dem Vorgefallenen geschrieben, um sie an dem Orte, wo sie sich erholen sollte, nicht unnöthig aufzuregen. Als ihr nun ihr Vater nach ihrer Rückkehr Alles erzählte und von Gottschalt's

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