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Der Israelit · 1900-11-05 · Heft 88 (5.11.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 88 (5.11.1900)
Date
1900-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1806 Eahn 1874 vom Fürsten Bismarck in's Auswärtige?tmt einberufen, und in diesem ist er in der Rechtsabtkstilung volle 25 Jahre ununterbrochen thätig gewesen. Er war der einzige jüdische Beamte im Reichskanzleramt, und ist es wohl noch in Aller Erinnerung, daß Fürst Bismarck ihn einmal im Gespräche seiner besonderen Werthschätzung deßhalb versicherte, weil Cahn es abgelehnt hatte, sich um der Karriere willen taufen zu lasten. Hier hat er eine hervorragende schriftstellerische Thätigkeit entfaltet; namentlich ist sein Kommentar zum Reichsgesetz über die Erwerbung und den Verlust der Staats- und Reichsangehörigkeit, der vor vier Jahren in zweiter Auflage erschienen ist, mustergiltig. Vor Jahresfrist hat ihn ein schweres Leiden, eine Netzhautablösung am rechten Auge befallen. Seine Aerzte wünschen indeß zur Wiederherstellung seiner Sehkraft völlige Schonung beider Augen, und so hat er jetzt seine Versetzung in den einstweiligen Ruhestand nachsuchen mästen. .Hamburg, 4. Nov. (Die Bestattung D r. H e r m. M a y's.) Einen der besten Söhne unserer Vaterstadt, das Bürgerschaftsmitglied Dr. Herm. May, hat man dieser Tage aus dem jüdischen Begräbnißplatz in Ohlsdorf zur letzten Ruhe gebettet. Es spricht einerseits st'ir die hohe Werthung des Charakters und der Bürgertugenden des Entschlafenen, wie andererseits für das in unseren Tagen doppelt erwähnenswerthe Vollmaß gerechter Würdigung seitens der höchsten Stellen unseres Hamburger staatlichen Gemeinwesens, daß unter der übergroßen Fülle von Leidtragenden, welche dem Verblichenen die letzte Ehre erwiesen, auch unser Herr Bürgermeister Dr. Hachmann, sowie die Senatoren Dr. Vurchard, Dr. Predöhl, Dr. Schröder und vom Präsidium der Bürgerschaft die Heren Präsident Siegm. Hinricksen und Dr. Danzel, sowie der Präsident der hanseatischen Anwaltskammer, Herr Dr. Antonie-Feill sen., erschienen waren. Die Reihe der tiesergreisenden Scheidegrüße erösfnete Herr Dr. Mittelstraß, der den Freund und langjährigen Berufskollegen, dessen irdische Hülle man nun dem Schoße der Erde übergebe, als Kämpfer für Recht, Wahrheit und Freiheit feierte, der als ein echt deutschfühlender Mann, als glühender Hamburger Patriot, sein ganzes srüchtereifes Leben der geliebten Vaterstadt gewidmet habe. Begeistert für alles Gute, Edle und Schöne, habe er sich stets deren Dienst zur Pflicht gemacht. Einem aufopfernden, allzeit hilfsbereiten, edlen Freunde gelte der Scheidegruß! Namens der hanseatischen Anwaltskammer und deren Präsidiums fand Herr Dr. Antonie-Feill erhebende Worte der vollen Anerkennung und der Verdienste des Entschlafenen in dessen Eigenschaft als Advokat und Mitglied des Vorstandes der Anwaltskammer. Einen treuen Freund ,der ihm an's Herz gewachsen, habe der unerbittliche Tod ihm geraubt. Herr Pastor Klapp widmete dann Namens der Loge dem Heimgegangenen Logenbruder einen warm empfundenen Nachruf, der die Milde und Freundlichkeit der Gesinnung, den versöhnlichen Charakter, die Rechtschaffenheit und Herzensgüte des Verblichenen als nachahmenswerthes Vorbild den Lebenden pries. Schließlich legte Herr N i r r n h e i m Namens der Fraktion des Linken Centrums mit tiefempfundenen Worten der Trauer und des Schmerzes über den Verlust, den seine Fraktion durch den Heimgang Dr. May's erlitten, einen prächtigen Kranz am Sarge des Freundes nieder, den Liebe, Anerkennung und Dank gespendet hätten. Alle großen politischen Blätter Hamburg's bringen warme Nachrufe für den Dahingeschiedenen. Leer, 81. Okt. Ein interessanter Straffall beschäftigte das hiesige Schöffengericht. Unter der Anschuldigung, den Gottesdienst gestört zu haben, stand ein hiesiger achtbarer Mann vor den Schranken. Die Störung hat der derzeitige Synagogenvorstand darin gefunden, daß der Angeschuldigte, wie er dies seit einer langen Reihe von Jahren gethan hat, sich von seinem Vater nach Beendigung des Gottesdienstes bezw. nach v'nbs: pt „benschen" ließ. Trotzdem, daß durch diesen altehrwürdigen Gebrauch die Andacht des Einzelnen weder gestört, noch der Gesammtgottesdienst beeinflußt worden war, stellte der Herr Synagogenvorsteher M. Strafantrag, welcher den Erlaß eines Strafmandats zur Folge hatte. In dem Verhandlungstermin bekundete zum allgemeinen Erstaunen der Synagogenvorsteher zu Gunsten des Berufenden, so daß eine Freisprechung erfolgen mußte. Bedauerlich ist es, wenn solche interne Vorkommniste, zudem so kleinlicher Art, an die weite Oeffentlichkeit gezerrt werden. Oder will man in Leer durch solches Vorgehen die Liebe zur Religion und Gemeinde fördern? Gerade hier thut es noth, daß jedes kleine Ereigniß rasch in verständiger Weise beseitigt wird und daß nichts geschieht, was die schon vorhandenen Gegensätze in der Gemeinde noch vergrößert. Denn nichts trägt mehr zum Abfall vom Judenthum bei, als solcher unnütze Streit, was ja die Erfahrung gerade hier in den letzten Jahren zur Evidenz erwiesen hat. V. Langenselbold. Eine Trauerkunde, die weit über unsere Gegend hinaus schmerzlich wiederhallen wird, inuß ich leider heute berichten. Unser Mitbürger, Herr Jsak G l a u b e r g , ist sanft entschlummert, nachdem ihn wochenlang schwere Krankheit heimgesucht. Wer diesem Manne im Leben nahegestanden — und nach Tausenden zählt sein Bekanntenkreis — vermag zu ermessen, was der Verlust dieses Mannes seiner Familie, seiner Gemeinde und der ganzen Umgebung bedeutet. Wie ein Patriarch, so wirkte und so stand Jsak Glauberg in unserer Mitte, gesegnet und Segen verbreitend. Er konnte wahrlich von sich sagen, als ihm re'p.i seinen Weg gelingen und sein Händewerk glücken ließ, wie der Pilger im Tempel Tinetri wrep Ich empfand Freude

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