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Der Israelit · 1900-10-31 · Heft 87 (31.10.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 87 (31.10.1900)
Date
1900-10-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1789 7T7" haben wollen. Da sagte Mathäus Meyer, Abgaben gerade nicht. Ich werde ihm schon so viel geben, daß er zufrieden ist, und Frau Meyer sagte, es sei eine Verschwörung gegen einen jungen Herrn. Frau und Fräulein Meyer fragten sie, ob sie den Winter kenne, und eine von ihnen meinte dann: Da kommt er, und als sie Hinsehen wollte, da hieß es, er sei es nicht. Meyers hätten sie dann nach ihrer Religion gefragt und sie hätte geantwortet, sie sei katholisch. Dann sagten Meyers, das sei gut, denn Winter sei evangelisch. Frau Helwig fragte, was Winter verschuldet habe, ob er Jemand umaebracht habe. Darauf sagten Meyer's: nein. Frau Meyer sagte noch, sie brauchten das Blut nicht zur Mazze, auch nicht zum Händewaschen oder so etwas, sondern nur zum Glück. Frau Helwig betont immer ivieder, daß jetzt ihre Gedanken schwach seien. Besitzer H e l w i g - Böhrsdorf erzählt: Am 29. November 1899 tarn er zu Mathäus Meyer, der Laden war leer. Da kam aus der Hinterstube erst ein fremder Mann, anscheinend ein Jude, dann Meyer, seine Frau und seine Tochter. Der Mann versteckte sein Gesicht. Der Präsident wirft hier die Frage dazwischen, wieso er sich solche .Kleinigkeiten so genau gemerkt habe. Dem Zeugen schien die Familie sehr aufgeregt zu fein. Frau Meyer sagte auf die Frage, was der fremde Mann wolle: Abgaben gerade nicht, aber wir werden ihn schon zufrieden stellen. Wir ziehen nach Berlin. Frau Meyer meinte: Nein, es ist eine Unterredung >vegen einer Verschwörung gegen einen jungen Herrn. Zeuge fragte, ob sie den jungen Herrn umbringen oder verklagen wollten. Zeuge habe sich gar nichts bei diesen Worten gedacht. Frau Meyer hat gesagt, umbringen ivollen wir ihn nicht, aber ihm etwas anthun. Wird es wohl herauskommen?" Dann sagte Meyer etwas, das Helwig nicht verstand. Doch zählte er alle Seelen der Umgegend auf. Fräulein Meyer sagte zu ihm, wenn er den Winter kenne, so möchte er ihm doch sagen, daß er sich vorseben solle und lieber von Könitz weg auf ein anderes Gymnasium gehen möchte. Dann habe Fräulein Meyer noch gesagt, sie wolle dem Winter eine Karte schreiben, aber Frau Meyer hatte gemeint, man Ivürde ihre Handschrift erkennen. Dann haben Meyers ihn gewarnt, er solle nicht zu Levy gehen, oder sich doch wenigstens noch Jemand mitnehmen. Der Präsident hält dem Zeugen vor, daß er bei jeder Vernehmung immer mehr vorbringe. Bei seiner heutigen Aussage hätte er zum ersten Male die Geschichte von Levy erzählt. Helwig bleibt aber bei feiner Aussage. Auf wiederholte Fragen des Oberstaatsanwaltes erklärt der Zeuge jedesmal, er habe sich nichts dabei gedacht. Der Oberstaatsanwalt erklärt, er könne sich bei der ganzen Aussage des Zeugen auch nichts denken. Der Präsident stellt noch fest, daß der Zeuge ebenso wie seine Mutter die ganze Aussage wie am Schnürchen hergesagt hätte und fragt dann weiter, wie die Aussage in die Zeitung gekommen sei? Zeuge erzählt, daß er in das Gasthaus gekommen sei und dort sei ein fremder Mann gewesen. Ueber das Gespräch mit diesem kann er keine Auskunft geben und ebensowenig über ein zweites Gespräch, das er mit zwei fremden Herren hatte, die ihn in der Woche nun besuchten. Der Zeuge erzählt ferner, er sei auf dem Hofe des Getreidehändlers Eaminer gewesen, auf dem sich noch einige andere Leute befanden, Eaminer sei zu ihm gekommen und habe zu ibm gesagt: Sie sehen doch so frisch und jung aus, Sie haben wohl viel Blut, Sie sind gut dazu. Ich fragte wozu, da schwieg er und als ich noch einmal fragte, wozu denn, da sagte Eaminer, dieses Jahr ist das Blut sehr theuer, es kostet eine halbe Million Mark. Dann kam der junge Caminer und meinte, Helwig soll keine Angsi haben, man hatte mit ihm nur gescherzt. Der Oberstaatsanwalt meint, man solle diesen Zeugen nicht ernst nehmen. Die Bertheidiger beantragen die Ladung neuer Zeugen, darunter Leumundszeugen für Helwig. Der Oberstaatsanwalt beantragt auch die Ladung der Familie Meyer. Der zweite Prozeß Hilsner. P i s e k, 29. Oktober. Die sonntägige Berhandlungspause ist auch äußerlich in Ruhe verlaufen, die Ankunft der Mutter und des Bruders des Angeklagten, sowie seiner Tante, eines krüpvelhaften Wesens, blieb unbemerkt. Auch die Wählerversammlung verlief verhältnißmäßig ruhig. Dr. Bara hatte sich wahrscheinlich aus politischen Gründen bewogen gefunden, in dieser Versammlung, die zu zwei Dritteln von Social-Demokratcn besucht war, nicht das Wort zu ergreifen. Die Landbevölkerung strömte gestern zu vielen Hunderten nach Pisek, wie beim ersten Prozeß nach Kuttenberg. Auch hier ist ivieder das Broschüren-Unwesen zu einer unglaublichen Blütbe gelangt. Die Bewohner der Stadt bekommen fast täglich ezechische Broschüren über den Ritualmord in's Haus geschickt. Auch dem Ober - Postverwalter Nowak wurden solche Broschüren zugestellt. Der heutige Tag wird der Erörterung eines wichtigen Beweisinomentes dienen. Der Zeuge P e s ch a k, der Einzige, der Hilsner zur kritischen Zeit auf dem Thatorte gesehen haben will — allerdings auf die Entfcrnung von 890 Schritt — wird heute einvernommen iverden, und zwei Sachverständige werden ihr Gutachten über die Sehschärfe Peschak's abgeben. Dem Anträge der Verteidigung, in dieser Frage ein Gutachten der Fakultät einzuholen, war vom Gerichtshöfe nicht Folge gegeben, dagegen aber beschlossen worden, die Prager Ophtalmologen Professor D e y l und Doeent Chalonpeeky als Sachverständige beizu-

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