Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 87 (31.10.1900)
- Date
- 1900-10-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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im wenn mit die ungeheure Mehrheit des deutschen Voltes schroff bedeutet: du gehörst nicht zu uns? Muß ich mir nicht beinahe wie ein Schwindler Vorkommen, wenn man im Auslande meine kleinen Erfolge als Siege der deutschen Wissenschaft feiert und für das Lob keine andere Adresse weiß als Deutschland, während man in Deutschland selbst erklärt: wie kennen keinen deutschen Mathematiker Namens Dr. Kohn. Der Mann, der so heißt, ist ein Jude. Moser: ^arum sage ich: suchen Sie näheren Anschluß an unser Volk. — Kohn: Das ist aussichtslos, da man uns zurückstößt. Ich suche Anschluß an mein Volk. — Moser: Verstehe ich Sie recht? Sollen die Juden etwa wieder ein besonderes Volk werden? —- Kohn: Werden? Wir sind es. Man sagt es uns genug. — Moser: Ein Volk ohne Land, ohne Sprache. — Kohn: Wir werden suchen, ein Land zu erringen, und wir müssen uns nur unserer vergessenen Sprache wieder erinnern. — Moser: Sagen Sie mir, Dr. Kohn, kennt meine Christine Ihre Anschauungen? — Kohn: Sie kennt sie. — Moser: Und sie billigt sie? — Kohn: Sie fühlt mir nach. — Moser: Ach, bas ist ja Alles nicht ernst. Sie sind durch gewisse antisemitische Uebertreibungen verbittert. Aber der Antisemitismus, ich meine in seiner gegenwärtigen Maßlosigkeit, ist etwas sehr Vorübergehendes. — Kohn: Daran glaube ich nicht mehr, Herr Geheimrath. — Moser: Allerdings, wenn Sie ihn durch trotzige Auflehnung und herausfordernde Rückschrittlichkeit stärken, dann wird er nicht vorübergehen. Ihre Chimäre vom besonderen Judenvolke ist eine bloße Redesigur und nur zu polemischen Zwecken erfunden. Ich bitte Sie, lieber Dr. Kohn, im letzten Grunde Ihres Wesens sind Sie nicht mehr Jude als ich. — Kohn: Herr Geheimrath, im letzten Grunde Ihres Wesens sind Sie nicht weniger Jude als ich. — Moser (aufbrausend): Wie können Sie mir das sagen. — Kohn: Ihre Erregung selbst zeigt mir — und zeigt Ihnen — wie recht ich habe. Sehen lvie einander gerade in die Augen. Judenthum ist unverwischbar. Man mag es als Auszeichnung oder als Makel empfinden, loswerden kann man es nicht. Moser (erregt): Das ist eine sonderbare Anschauung, die ich durchaus nicht theile. Ich will Ihnen nun meine Meinung sagen. Es gibt gar kein Judenthum mehr. Es ist todt. Was man so nennt, das ist ein Begriff, den man künstlich erhält. Eine Rasse ist das Judenthum längst nicht mehr, wenn es überhaupt jemals eine gewesen ist. Alles mögliche Blut Westasiens und Europas mischt sich in den Adern des Juden. Von einem einheitlichen Stamm kann nicht mehr die Rede sein. Was habe ich mit jüdischen Negern gemein, die es gleichfalls geben soll? Was geht mich das Ungeziefer von polnischen und russischen Kaftanträgern an? Wer wird mich zu dieser Lausebande zählen wollen? Für den gläubigen Juden ist das Judenthum eine Religion. Das ist wenigstens noch etwas Greifbares. Für den Aufgeklärten ist es nur noch eine Sammlung uralten Aberglaubens und unsinniger Bräuche. Im Blasen von Bockshörnern an gewissen Tagen, im Knabbern von schwerverdaulichen ungesäuertem Brode zu ge wissen Zeiten und in einem widerwärtigen Jargon, darin besteht das Judenthum. Daß ich Jude war, erkannte ich schon bei meines Vaters Lebzeiten daran, daß unser Kontor von polnischen Schnorrern überlaufen wurde. Und das soll ein Mann von moderner Bildung vertheidigen wollen? Die Juden sind eine Bevölkerungsgruppe, die sich einzig durch ihre Lächerlichkeit kenntlich macht. Aus allgemeiner Menschenliebe — etwas Anderes empfinde ich für diese Leute nicht — kann man ihnen nur dringend rathen, Mann für Mann aus ihrer Gruppe herauszutreten und unter uns Deutschen zu verschwinden. Dann ist endlich der Fluch von ihnen genommen. — Kohn: Herr Geheimrath, ohne es zu merken, haben Sie eine Vertheidigungsrede gehalten; allerdings haben Sie ihr geschickt die Form einer Anklagerede gegeben. Ich habe nicht die Absicht, Sie zu widerlegen. Rur ein Wort. Sie leben in einer angenehmen Setbsttäu schung. Jeder Antisemit wird Ihnen sagen, daß die Juden allerdings eine Rasse sind, und daß zu sagen, ich trete aus dem Judenthum aus, genau dasselbe ist, wie wenn ein Neger sagen würde: von heute an höre ich aus, ein Neger zu sein. Ihre Abstammung folgt den Juden wie eine geheime Polizeinote auch in's Christenthum hinüber und verhindert sie daran, unter Deutschen zu verschwinden. Auf diesen Witz von dem Neger, der uns von den Zionistencongresien und aus der „Welt" schon genügend bekannt ist, möchten wir Herrn Nordau eine andere Aneedote erzählen: Ein wohlhabender polnischer Jude fährt mit fei' nein Sohne in eigener Equipage zur Leipziger Meste. Da fliegen schwere Steine in den Wagen und „Jud, Jud" ertönte es aus den Kehlen der am Wege arbeitenden Steinklopfer. Der Jüngere der beiden Reisenden ist wegen der ihnen erwiesenen Aufmerksamkeiten schmerzlich berührt. „Es ist doch tieftraurig," äußerte er seinem Vater gegenüber, „wie wir Juden uns überall Alles gefallen lasten müssen." „Sei ruhig, mein Kind," sagte der Vater, „wenn erst Moschiach kommt, dann werden w i r Steine klopfen und diese da werden in ihrer Equipage fahren und dann werden wir sie auch mit Steinen werfen." So ähnlich ist der Gedankengang des Herrn Nordau. Vor lauter Judenhaß und Rischus sieht er die vielen Wohlthaten unb Rechte nicht, deren sich die israelitischen Bürger in deutschen Landen in so hohem Maße erfreuen. Nicht die allgemeine Rückkehr zu Gottes Gesetz ist für ihn der Zeitpunkt, an dem die Erlösung