Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 87 (31.10.1900)
- Date
- 1900-10-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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MWWWWWWWMWWW 1782 Israels eintrifft, sondern der höchste Antisemitismus soll den Juden keinen andern Ausweg mehr gestatten, als sich zum besonderen Volke wieder zu generiren, und deshalb wird alles in's Ungeheure vergrößert. Jude bleibt Jude, sagt Nordau, frommer Jude kann man heutzutage nicht mehr sein. Das Koschereffen und das „Bockshörnerblasen" hat sich überlebt, astimiliren geht nicht mehr, wie an Dr. Kohn es uns bewiesen werden soll, also: Flucht in den alleinseligmachenden Zionismus. Auf diese Tendenz hin ist Alles zugestutzt. Welche entsetzliche ttebertreibung liegt nicht in den oben ritirten Worten des Nordau'schen Helden, wenn er sagt: Was hilft mir das, wenn mir die ungeheure Mehrheit des deutschen Volkes schroff bedeutet: Du gehörst nicht zu uns. Soweit sind wir, Gott sei Dank, noch nicht in Deutschland und so weit werden wir nie mehr kommen. Dazu war denn doch keine französische Revolution mit ihrer Verkündigung der Menschenrechte, dazu müßten die Ideen eines Friedrich des Großen und eines Josef des Zweiten vollständig aus dem Gedächtniffe der Menschheit ausgelöscht sein, um es wieder, Gott behüte, so schlimm werden zu lasten. Trotz mancher bedauerlicher rückschrittlicher Erscheinungen ist es heute Grundsatz in allen den Staaten, die aus der Geschichte die Nachwirkungen einer engherzigen Politik erkannt haben, daß man eine arbeitssrohe und fähige Bevölkerung, die für den wirthschaftlichen Fortgang des Landes nicht zu entbehren ist, einerlei welchem Glauben oder welcher Raste sie angehört, nach Kräften fördert, und nicht, wie die Zionisten es uns weiß machen wollen, daß man sie ausstößt oder gar der Vernichtung entgegenführt. Rußland und Rumänien stehen heute leider noch nicht auf dieser Höhe der Kultur, sie kommen aber sicher eher auf dieselbe, als die Zionisten Palästina für uns erobert haben werden. Wäre Geheimratb Moser kein Jude gewesen, sondern etwa ein katholischer Fabrikarbeiter, oder auch irgend ein reicher christlicher Parvenü nichtevangelischen Glaubens, der sich in diese exclusive pietisiische Muckerfamilie einzunisten gesucht hätte, es wären ihm zweifellos dieselben Enttäuschungen widerfahren, wie dem getauften Juden, der in unbewachten Momenten in seinen Mauschelton zurücksällt. Die Absicht, die Roth der Welt, die socialen Mißverhältniffe, die die dritten und vierten Stände in Folge zunehmender Aufklärung erkannt haben, für Judennoth auszugeben, ist also hier total mißlungen und Beweise für die Berechtigung des Zionismus mit der Figur des Moser in keiner Weise erbracht. Aber, sagt Herr Nordau, fromm sein können wir als moderne Menschen auch nicht mehr, Juden wollen wir aber unter allen Umständen bleiben, dafür muß uns doch etwas geboten werden? Darauf möchten wir dem Herrn Verfaster den Rath ertheilen: Lernen Sie erst die Lehre des Judenthums kennen und dann wollen wir uns weiter über den Gegenstand unterhalten. Daß Sie es bis jetzt nicht kennen, beweist Ihr Werk zur Genüge. Der Vater des Herrn Kohn weigert sich am Schlüsse des Dramas, Obst und Eier bei Moser zu esten, weil er sein Geschirr nicht bei sich hat, er weigert sich ferner, in einem Zimmer zu übernachten, an dem sich eine Mesusah nicht befindet. Darauf ruft Moser schmerzerfüllt aus: Daß ich mich vom Judenthum abwandte, war richtig. Ich möchte daran zweifeln, wenn ich mit Deinem Oheim rede, sehe ich aber den alten Kohn vor mir, so bin ich wieder sicher. Das ist eine andere Menschheit, mit der ich nichts mehr gemein habe. Da hat man ein kleines Beispiel, tvieviel Herr Nordau vom gesetzestreuen Judenthum weiß. Weil der alte Kohn sich weigert, Dinge zu thun, die jedem orthodoxen Juden zu thun gestattet sind, beruhigt sich Moser darüber, daß er sich taufen ließ, denn mit solchen Leuten lvill er nichts gemein haben! Eine „faine" Logik, möchte man im Moser'scheu Jargon ausrufen. Hat Herr Nordau niemals moderne Menschen gesehen, die zugleich orthodoxe Juden waren? Hat Herr Nordau niemals etwas von Sir Moses Montefiore gehört, der dem höchsten englischen Adel angehörte, bei dem die Königin von England und der Prinz von Wales speisten und der die allerkleinsten und scheinbar unbedeutendsten Gesetze des alten Judenthums auf das Minutiöseste beobachtete? Dieser Mann besaß auch einige Liebe zu Zion und dem jüdischen Volke. Er bethätigte aber solche nicht durch Einberufung von Congresten oder Verkeilung von Flugblättern, sondern er gründete „rechtlich gesicherte Heimstätten" in Palästina, die fiente noch blühen, und er trat unzählige Male vor die Mächtigen Weser Erde hin, um für sein Volt Schutz und Gnade zu erflehen. Das war ein moderner, orthodoxer Jude, der sich noch an Vornehmheit der Gesinnung und Adel der Seele mit dem von Herrn Nordau erfundenen getauften Geheimrath Moser messen kann. Aber für den ungläubigen Juden, der noch Jude sein möchte, was bleibt für den zu thun übrig? Auch er soll hingehen und lernen, auch er hat die Lehre Moschehs nie richtig zu verstehen gesucht und auch hier irrt sich Herr Nordau, indeui er der Meinung ist, daß Wissenschaft und Glaube sich ausschließen, er ist in dem Wahne befangen, die heutige Judenheit hätte der modernen Weltanschauung zu Liebe unserer Lehre den Rücken gekehrt, während der Abfall sich doch nur aus Bequemlichkeit und anderen nicht lauteren Motiven vollzogen hat. Was weiß das Gros der abgefallenen Juden, das meistens aus Kaufleuten und Fabrikanten besteht, überhaupt von der modernen Weltanschauung? Uns haben es unsere Weisen gesagt, warum Jerusalem zerstört lvurde und wir wollen es Herrn Nordau verrathen: mirc r6nn 1212 Weil man die Thora zwar studirte, ja theilweise sogar noch hielt, aber