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Der Israelit · 1900-10-29 · Heft 86 (29.10.1900) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 86 (29.10.1900)
Date
1900-10-29
Page
– (sequence 29)
Language
German
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1775 Klenovec. Ich schreie auch mit Ihnen und Sie scheinen doch keine Furcht vor mir zu haben. (Rufe aus dem Auditorium: Ja wohl, Sie schreien sehr, Herr Doktor!) Der Vorsitzende, KceiS-;erichts-Präsident Winter, übermittelte heute dem Staatsanwalt, den Vertheidigern der Privaibetbeiligten seinen Plan für die weitere Führung der Verhandlung. Nach jdiesem Plane sind die letzten Zeugen für Den /. November vorgeladen, so daß der Schluß des Beweisverfahrens am 8., der Beginn des Plaidoyers, am 9. und die Urlheilungfällung am 10. November erfolgen dürfte. Für Montag sind in der Angelegenheit des Sehvermögens des Zeugen Peschak, der bekanntlich Hilsner auf eine Entfernung von mehr als 800 Schritt erkannt zu haben angibt, als Sachverständige die Piseker Gerlchtsärzte Dr. Blahn und Dr. Malloupecky ft rin r Prost ssor Dtpl und Doeent E harr owskp, von der czechlschen Universität in Prag vorgeladen. Außer P e s ch a k werden an diesem Tage wertere neun Zeugen, unter diesen die gewesene Geliebte Hilsner's, Anna B e n e f ch, und der Gendarmerie- Postenführer Klenovec einvernommen, der Bruder uno die Mutter Hilsucr's, sowie der Polnaer Caplan Vlczek; sodann finden nur Verlesungen statt. Für den 2. Novemae.r (Allerseelen) sind keine Zeugen vorgeladen. Am 3. November beginnt die Einvernahme von Zeugen, deren Aussagen uüt dem Fall Klima Zusammenhängen. Für diesen Tag sind fünfzehn Zeugen vorgeladen, darunter die Eltern der ermordeten K l i m a, die ärztlichen Sachverständigen Dr. Micha lek aus Polua und Dr. Malkowsky aus Pisek, ferner der Sachverständige im Chemiefache, Hofrath Gintl, Professor an der deutschen technischen Hochschule in Prag, und Dr. Belohoubek von der ezechischen Universität. Am 5. werden fünfzehn Zeugen, unter diesen Salomon W a s s e r m an n, vetnommen werden. Erb mann, der ebenfalls als Zeuge vorgeladen werden sollte, ist nirgends auszrfinoen. Am 0. November sind sechzehn Zeugen, unter diesen der Gejüngmßwärter Misfek aus Kuttenberg und die gewesenen Mtthäfttinge Hilsner's daselbst vorgerusen. Bekanntlich wird seitens der Vertreter der Pnvatbetheiligten der Antrag auf Exhumirung des Skeletts der Marie Klima gt plant, um festzustellen, ob der Halswirbel durchschnitten war. Denselben Antrag wird auch derVertherviger Dr. Aurednicek stellen, und zwar behufs Constattrung, ob das Skelett jenes der vermißten Marie Klima tst. Ferner wird die Vorladung der Professoren der czecheschen Universität Hlava, Horbaczewski und Reinsberg von der Vertherdigung beantragt werden, um über die von Dr. Baxa ausgesprochene Ansicht, daß die gegenwärtig dem Schwurgerichte vorliegenden Kleider der Agnes Hruza mit mehr Blut getränkt sind, als sie es bei ihrer Vorweisung während der Kuttenberger Verhandlung waren, ihr Gutachten abzugeben. Das nunmehr folgende Verhör ist äußerst ermüdend nnd höchst monoton. Immer wieder dreht sich's darum, welchen Anzug Hilsner angehabt hat, wie das ihm gehörige Messer ausgesehen, wo er an dem betreffenden Tage hingegangen u. s. w. Es wird allerdings auch mehrfach festgestellt, daß Hilsner stets sehr leidenschaftlich und geschlechtlich erregt gewesen. Aus dem Verhör Gelingers seien noch folgende Einzelheit.n mitgetheilt: Dr. Aurednicek: Sie behaupten, daß Sie dem Untersuchungsrichter sagen wollten, daß das Meffer ein Schächtmeffer sei, Landgerichtsrath Reichenbach hätte Sie aber angeschrieen und deßhalb gaben Sie an, es sei ein Küchenmeffer gewesen. — Zeuge: Ja. — Dr. Aurednicek: Ich mache Sie aufmerksam, daß Sie damals ausdrücklich sagten, Sie kennen ein Schächtmeffer, das Meffer HilSnerS sei aber aber einem solchen unähnlich gewesen. — Zeuge: Ich sagte so aus, aber nur aus Furcht, weil mich der Landgerichtsrath Reichenbach anschrie. Dr. Aurednicek: Was für ein Unterschied ist zwischen einem Küchenmeffer und einem Schächtmesser? Zen ge (nachdenkend): Das Schächtmeffer hat eine abgerundete Spitze. — Dr. Aurednicek: Auch ein Küchenmeffer ist oft an der Spitze abgerundet. Besonders ein Brodmeffer. Das kann also nicht das Kennzeichen eines Schächtmeffers sein. Woran haben Sie also das Schächtmeffer erkannt? — Zeuge: An der sehr schwachen Klinge. — Dr. Aurednicek: Wie sahen Sie das? — Zeuge. In der Tasche. — Dr. Aurednicek: Wie stark pflegt ein Schächtmeffer zu sein? — Präs, gibt dem Zeugen ein Metermaß. — Zeuge zeigt zunächst an demselben, dann an einem Taschenmesser die Stärke. — Dr. Aurednicek: Das vorigemal erzählten Sie, der Messergriff sei so groß wie bei einem gewöhnlichen Messer. Wie konnten Sie den Griff sehen? — Zeuge schweigt. Votant Smutnv (zeichnet ans einem Papier ein Meffer auf und fragt den Zeugen): Wie viel sah aus der Tasche hervor? — Zeuge gibt dies an, worauf das Papier den Geschwornen gezeigt wird. Zeuge (auf Hilsner zeigend): Er muß wissen, wie groß das Meffer war. (Gelächter auf der Geschwornenbank.) Dr. Vo d i c)ka: Warum siel Ihr Verdacht auf Hilsner? — Zeuge: Weil er nie eine Beschäftigung hatte und sich immer herumtrieb. — Dr. V o - d icka: Waren noch mehr solche Cavaliere dorten? — Zeuge: Ja. — Dr. Vodicka: Na also! Sie sagten, daß Sie der Richter Reichenbach anschrie; Sie wurden aber von noch jemandem Andern einvernommen und sagten dasselbe aus. — Zeuge:

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