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Der Israelit · 1900-10-29 · Heft 86 (29.10.1900) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 86 (29.10.1900)
Date
1900-10-29
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1766 Unter den Zeugen befinden sich die Berliner und Koniher Polizeibeamten und die Untersuchungsrichter. Die Straßen sind durch Militär mit aufgepflanztem Bajonett abgesperrt. Die Presse hat auffälligerweise nicht Zutritt gefunden, doch kann man aus den Nebenhäusern Einiges beobachten, besonders daß Masloff an den kritischen Stellen niederknieen muß. Ein Zuschauer bemerkt bezeichnenderweise, daß auf dem Konitzer Pflaster, wie Maslosf angibt, IM. Stunden zu liegen oder zu knieen, fast zu den Unmöglichkeiten gebärt. Die eingehende Besichtigung dauerte beinahe zwei Stunden. Um drei Uhr Nachmittags wird die Sitzung eröffnet. Der Präsident beginnt mit dem Verhör der Zeugen. Der erste Zeuge ist Bäckermeister Lange, der Pensionsvater des ermordeten Winter. Er berichtet über das Verschwinden des Winter und über die Auffindung der Leichentheile im Mönchsee. Der Inhalt dieser Aussage ist identisch mit dem, was hierüber schon im Prozeß Jsraelski bekundet worden ist. Ueber den Verkehr 'Winters kann er nur aussagen, daß der junge Mann mit Klabonn und Böck, sowie mit den Fräulein Hoffmann, Tuchler und Easpary verkehrt habe. Von einer Bekanntschaft Winters mit Moritz Levy weiß er nichts. Der nächste Zeuge ist Bauunternehmer Winter, der Vater des Ermordeten. Auch er wiederholte nur seine Aussagen aus dem Jsraelski-Prozesse und bestätigt auf Befragen des Präsidenten, daß das aus dem Packet mit dcm einen Leichentheile geflossene Wasser eine etwas 'ötbliche Färung gehabt habe. Von einem Verkehr mit Moritz Levy iss auch ihm nichts bekannt. Bekannt ist ihm, daß sein Sohn mit den Damen Easpary und Tuchler in Verkehr gestanden hat, worüber er ihm wiederbolt Vorhaltungen gemacht hat. Bürgermeister Deditius, der über die Auffindung der Leichentheile das bereits Bekannte wiederholt, hat auch die röthliche Färbung des Wassers wahrgenommen, das aus dem Oberkörper der Leiche floß. Am 13. März wurde im Mönchsee Ober- und Unterkörper gefunden, am 15. März auf dem evangelischen Friedhofe ein Arm. am 20. März im Mönchsee ein Oberschenkel u.nd am 15. April fand sich an der bekannten Stelle der Kopf. Prof. Paszootta. der Leiter des meteorologischen Observatoriums in Könitz, sagt, über die Temperaturverhältnisse in der Mitte des März befragt, aus: In der Nacht vom 11. zum 12. März war Frost und 3 Grad Kälte. Der Mond stand über dem Mönchsee so tief, daß die Hintere Straße ohne Schatten war. Dagegen könnte der Mond nicht in die Höfe der Häuser an der Danzigerstraße hineinfcheinen. Masloff hatte behauptet, daß im Hofe von Levy Mondschein geherrscht habe. Der Zeuge berichtet weiter über die Temperatur- Verhältnisse zwischen dem 11. März und dem 15. April. Knabe Gustav Müller hat den Arm am evangelischen Kirchhofe aufgefunden. Er entdeckte ihn, wie er erzählte, an dem Staketenzaun des Friedhofes. Den Tag vermag er nicht mehr genau anzugeben. Mit dem Bäckerlehrling Grabowski zusammen trug er den Arm dann zur Polizei, wobei ihm auffiel, daß der Arm nicht starr, sondern weich war. Neben dem Arm an der Fundstelle lag ein Stück Packpapier, auf dem sich Blutflecken befanden. Die Schnittfläche sei roth, aber gänzlich trocken gewesen. Kutscherssohn Gzonkowski berichtet über die Auffindung des Kopfes am 15. April. Nunmehr wird Oberlehrer Hofrichter als Zeuge vernommen. Hofrichter war der Führer der Konitzer Antisemiten und wurde bekanntlich nach Neustadt versetzt. Der Zeuge, dessen Vernehmung das Publikum mit neugieriger Erwartung entgegensieht, wird aber nur darüber befragt, wann er an dem Mordtage an jenem Sonntage den Winter gesehen habe. Hofrichter hat sich erst vier Wochen nach dem Morde darauf besonnen und die Angaben gemacht, daß er den Winter an dem kritischen Tage in der Danzigerstraße, wie er glaubt, um B1 - Uhr herum, gesehen hat. Wegen seines gerötheten Gesichts hielt er ihn anfänglich für berauscht, doch habe Winter so höflich gegrüßt, daß Zeuge von seiner Annahme zurückgekommen sei. Fräulein Anna S t r e i tz traf Ernst Winter nach 4 Uhr in der Danzigerstraße mit zwei jungen Leuten, von denen der eine der junge Böck gewesen sein soll. Fräulein Hedwig Sohr, die nächste Zeugin, kennt Ernst Winter von Prechlau her. Sie hat ihn zum letzten Male am Tage des Mordes um 11*6 Uhr am Slochauer Thor gesehen. Ob er allein war. vermag sie nicht anzugeben. Polizeikommissar Krischt, früher in Könitz, jetzt Bureaudiätar in Bromberg, sagt aus: Die Knaben, Die den Arm Winters auf das Polizeibureau brachten, brachten gleichzeitig auch das dabei gefundene Papier mit, das Blutflecken aufwies. Gefroren war der Arm nicht, auch nicht steif. Fräulein S p i g e l s k i hat Ernst Winter am Sonntag den 11. März zwischen 4 und 5 Uhr auf der Danzigerstraße getroffen und ihn nach halb 6 Uhr auch noch in der Nähe des Schützengartens gesehen. Bei der ersten Begegnung in der Danzigerstraße war Winter in Begleitung mehrerer junger Leute, am Schützengarten aber war er allein. Fräulein Streu bestätigt im Wesentlichen diese Angaben. Rechtsanwalt Hetzer beantragt die Ladung einer Zeugin, die gesehen baben will, wie Jsraelski den Arni Winters über die Kirchhoksmauer geworfen hat. Die Zeugin soll sofort herbeigeholt werden. Bäckerlebrling G r a b s k i ist derjenige, der mit dem Knaben Müller den Arm zur Polizei gebracht hat. Er bestätigt die Aussagen Müllers dahingehend, daß das Vorgefundene Papier blutbefleckt war. Auf eine Frage, wie die Lage des Armes am Kirchhofsthor gewesen, als er denselben zuerst bemerkt hatte, erklärte

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