Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1900)
- Date
- 1900-10-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1764 straße vassirt sei. Andererseits musste er aber unter dem Kreuzverhör des Präsidenten zugeben, es wäre ihm ganz unbekannt gewesen, das; die Häuser der Danzigerstraße auch einen Eingang in der Mauerstraße haben. In der Mauerstraße will er an einem Thorwege wiederum Gespräche und dieselben gurgelnden Laute, wie vorher, gehört haben. Er bückte sich zur Erde und sah durch einen Spalt der Thüre in den Hof. Hierbei sah er, wie er behauvtet, erst einen Mann und bald darauf einen zweien mit Licht auf den Hof kommen. Der Präsident stellt hier auf Grund der früheren Aussagen abermals einen Widerspruch fest, doch bleibt Masloff bei seiner heutigen Aussage. In einem der Männer will er den alten Fleischermeister Levv erkannt haben, während ihm die beiden Anderen unbekannt waren. Die drei Leute zogen sich nach seiner Angabe in den inneren Hofraum zurück und Masloff will nun durch zwei geschloffene Thüren ein Gespräch gehört haben, in dem von „nicht herausgeben" die Rede gewesen sei. Im Ganzen sei er 1U, Stunden in liegender und kniender Stellung verblieben. Schliehlich habe er gesehen, wie drei Leute, die etwas trugen, herauskamen. Auch hier stellt der Präsident von Neuem Widersprüche fest. Das, was die drei Männer trugen, sei ein Packet wie ein Sack Kartoffeln gewesen. Zwei von ihnen hätten daran geschleppt und seien in der Richtung nach der Synagoge gegangen. Masloff trat nun an den Thorweg heran, die Thüre war nur angelehnt und er gelangte in den Hof. Die zweite Thüre jedoch, die er vorfand, sei verschloffen gewesen, und zufällig sei er mit dem Kops gegen ein dort hängendes Stück Fleisch gestoßen. Hier unterbricht der Präsident die Sitzung auf einige Minuten. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung sagt Masloff weiter aus, daß er das Stück Fleisch weggenommen habe und dann fortgegangen sei. Hierauf stellte der Präsident fest, daß über diesen Fleischdiebstahl Masloff breits drei verschiedene Aussagen gemacht habe, die von der heutigen ganz erheblich abweichen. Wie Masloff weiter angibt, sei er gegen 3 Uhr mit dem Fleisch, das in fünf Pfund Rindfleisch bestand, nach Hause gekommen, wo er dasselbe in ein Spind that. Am Montag zeigte er seiner Frau das Fleisch, wobei er sagte, er habe es gekauft. Hierauf tritt eine Mittagspause ein. Nack der Mittagspause wird das Verhör mit Masloff fortgesetzt. Am Dienstag, zwei Tage nach dem Morde, habe er seiner Frau Alles erzählt, auch habe er an demselben Abend noch seiner Schwiegermutter und seinem Schwager Mittheilung von dem Gesehenen gemacht. Der Präsident hält dem Angeklagten vor, daß er bei seiner früheren Vernehmung am 2. Mai ausdrücklich beschworen habe, weder Gewimmer noch Gestöhn gehört zu haben. Masloff sucht sich damit herauszureden, daß der vernehmende Richter ihn mißverstanden habe müsse. Am 24. März ist Masloff dann auf Veranlassung eines Arbeiters Ulrich zur Polizei gegangen und hat dort von seinen Wahrnehmungen Mittheilung gemacht. Eidlich wurde er zuerst am 2. Mai vernommen. Das damals aufgenommene Protokoll läßt der Präsident verlesen rind hält dem Angeklagten Satz für Satz die Widersprüche vor, in die er sich verwickelt, und hebt besonders hervor, daß Masloff damals mit keinem Worte erwähnt habe, daß er das Hinaustragen des Packeis mit angesehen hätte. Dann legt ihm der Präsident die Frage vor, wie Masloff dazu gekommen sei, späterhin seine Aussagen abzuändern. Der Angeklagte erzählt, daß um Ostern herum zwei Herren in die Wohnung seiner Schwiegermutter gekommen seien und ihn ausgefragt hätten. Später sei er auch einmal in das Hotel Kühn geholt worden, wo ihn drei Herren aus Berlin in Empfang nahmen, und ihn fragten, ob er bei Levy Fleisch gestohlen habe. Er gab dies zu, erzählte den Herren, was er an jenem Abende erlebt und gesehen hätte und sagte ihnen auch, daß er bei seiner ersten Vernehmung nicht Alles, was er wüßte, gesagt hätte. Man versprach ihm, man würde dafür sorgen, daß er trotz des Diebstahls Arbeit erhielte, und führte ihn dann zur Polizei, wo Kriminalinspektor Braun ihn vernahm. Der Präsident konstatirte aus den Akten, daß Masloff damals ausgesagt hätte, er sei auf das Levysche Grundstück gegangen in der Absicht, dort Fleisch zu stehlen. Nach seiner heutigen Aussage wäre er nur durch Zufall zu dem Diebstahle veranlaßt worden. Der Angeklagte ist außer Stande, die Widersprüche aufzullären. Am 8. Juni wurde Masloff eidlich von dem Landrichter Zimmermann vernommen. Auch dieses Protokoll läßt der Präsident verlesen, und es zeigt sich, daß auch diese Aussage sowohl von seinen früheren, wie von der heutigen in wesentlichen Punkten abweicht. Auf die Frage, wie Masloff diese Widersprüche erkläre, schweigt der Angeklagte vollständig. Masloff wird schließlich noch darüber befragt, wann er zu Levy gegangen ist, um dort einen Wäschekorb abzuholen. Er erzählt: Als er zu Levy kam, habe Frau Levy ihn unvermittelt gefragt, ob er etwas davon wisse, daß ein junger Mann den Mord mit angesehen habe. Früher hatte Masloff ausgesagt, er hätte Frau Levy erklärt, er erlaube seiner Frau nicht länger, bei ihr die Aufwartearbeiten zu verrichten, weil in ihrem Hause der Winter ermordet worden sei. Frau Levy oder Moritz Levy sagten ihm dann, er solle in einer halben Stunde wiederkommen. Als er nach dieser Zeit wiedergekommen, hatte Levy einen Polizisten geholt und diesen aufgefordert, den Masloff zu verhaften. Der Polizist Kühn ging hierauf jedoch nicht ein.