Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-10-29 · Heft 86 (29.10.1900) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 86 (29.10.1900)
Date
1900-10-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449128--51825-2502435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1757 .Hildcslicim, 2-’. Okt. Unser Oberbürgermeister Gustav S t r u ck m a n n hat dieser Tage sein 23jähriges Jubiläum als Oberhaupt der Stadt Hildesheim begangen. Beim Empfang der Deputationen überbrachte Namens der Shnagogengemeinde Herr Landrabbiner Dr. L e w i n s l i als Führer einer Deputation die Glückwünsche der israelitischen Gemeinde unter Ausdruck des Dantes für das Wohlwollen, das der Jubilar auck dieser gewidmet habe. Der Herr Oberbürgermeister sprach in seinem Dank hierauf aus, daß er jeder Konfession mit vollständiger Unbefangenheit gegenübertrete und daß er jeder, soweit sie darauf bedacht sei, die Religion zu fördern und dies sei auch bei der israelitischen der Fall — die Wege ebnen möchte, sich so zu entfalten, wie es innerbalb eines Stadtwesens der Fall sein kann. Ihm liege mit daran, daß das kirchliche und Schulwesen sich so entwickeln möge, wie es für jede Konfession geboten nnd für ihr Gedeihen erspießlich sei. Den zahlreichen Gratulanten hatte sich auch der Vorstand des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus angeschlossen. Structmann gehört zu den Mitbegründern des Vereins, zu den Förderern seiner Bestrebungen. In feinem Berufe wie im Parlament ist er jederzeit der antisemitischen Bewegung entgegengetreten. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange in voller Frische seines Amtes zu walten und für seine Ideale zu kämpfen! England. London, 26. Oki. lV o n d e n P a r l a m e n t s - w a h l e n.) 22 jüdische Engländer haben sich bei den gegenwärtigen Wahlen um Mandate für das Unterhaus beworben. Von diesen 22 Bewerbern sind acht Israeliten gewählt worden. Die Gewählten sind: Benjamin L. Cohen. Vertreter für East Jslington, Mitglied der konservativen Partei; Harry Simon Samuel, Vertreter für Limehouse, Mitglied der konservativen Partei; Louis Sinelair. Vertreter für Romford lEsserf, Mitglied der konservativen Partei; Herbert M. Jeffel, Vertreter für South St. Pancras, Unionist; Lionel Walther Rothschild, Vertreter für Mid-Bucks, Uiiionift; Edward Sassoon, Vertreter für Hythe, Unionist; Maurice Le>uv, Vertreter für Lougborough < Leicestershire), Mitglied der liberalen Partei; Stuart Montagu Samuel, Vertreter für Whitechapel, Mitglied der liberalen Partei. Da die Unionisten mit den Konservativen verbündet sind, gehören von den acht jüdischen Abgeordneten sechs der gouvernementalen, zwei der liberalen Richtung an. Von all den Bewerbern, denen die Zionisten ihre Unterstützung zngesagt haben, ist nicht ein einziger durchgekommen. London, 26. Okt. (E i n w e i h n n g.) Am vergangenen Sabbat Abend sind die neuen Räume des I West-Central-Clubs für junge jüdische Arbeiter feier- I lich eingeweiht lvorden. Das neue Heim des Klubs ist ein umfangreiches, ziemlich altmodisches am Fitzroy Square gelegenes Gebäude, das von Frau Rathaniel Montefiore miethsfrei zur Verfügung gestellt wurde. Das Haus enthält u. A. einen Konzertsaal, einen Turnsaal, eine Bibliothek, Erfrischungs- und verschiedene andere Räume. Den älteren Vereinsmitgliedern, dem Vorstand und den Verwaltern des Klubs stehen besondere Zimmer zur Verfügung. Die Einweihungsseier begann mit der Verlesung des Psalm 101, der sich ein vom Chief-Rabbi Dr. Adler gesprochenes Gebet anschloß. Dann hielt Claude G. Montefiore, der Sohn der Stisterin, eine Ansprache, in der er die jungen Klubmitglicder ermahnte, treu dem Judenthume anzuhangen und im bürgerlichen Leben ehrenhaft und makellos zu bleiben. Jedes Unrecht, von einem einzelnen Juden begangen, wird dem gesummten Judenthum zum Vorwurf gemacht, darum ist es jedes Juden zwiefache Pflicht, um seiner selbst nullen und um des Judenthums willen ein vorwurfsfreies Leben zu führen. Es folgten noch mehrere Ansprachen und den Beschluß der Feier machte ein Konzert. Rußland. Petersburg. tE i n O p f e r der chinesischen Boxe r.) Während europäischen Boxern in der letzten Zeit Dutzende von jüdischen Leben unrühmlich zum Opfer gefallen sind, ist auch in China ein Jude das Opfer der Boxer geworden. Ingenieur I. A. Bernstein ist im russisch-chinesischen Kriege fern von den Seinigen gefallen. Derselbe wurde 1897 nach Tsitsikar in der Mandschurei eommandirt, wo er die Stellung eines Chefs der 6. Section der ostchinesischen Eisenbahn bekleidete. Der Bau dieser Bahn ist bekanntlich ein unter Protectorat der russischen Regierung stehendes Privatunternehmen, das als solches jüdische Ingenieure sehr wohl beschäftigen darf. Beim Ausbruch der chinesischen Wirren und dem darauf folgenden Einfall der Boxer in das russische Amurgebiet zog sich Bernstein mit seinen Arbeitern nnd Unterbeamten nach Charkin zurück, um von da am 13. Juli, die Sungari abwärts fahrend, mit dem Dampfer ..Odessa" Chabarowsk zu erreichen. Am 18. Juli wurde aber dieser Dampfer von den Chinesen scharf beschossen, ohne daß es ihnen jedoch gelang, ihn zu erobern. Indessen wurden bei dern Ueberfall 13 Personen getödtet, darunter auch Ingenieur Bernstein, welcher die Besatzring des angegriffenen Dampfers kommandirte. Der Vertrag, den Bernstein mit den Erbauern der chinesischen Ostbahn abgeschlossen hat, sichert seiner Familie für den Fall, daß er während seiner Thätigkeit im fernen Osten sterben sollte, eine einmalige Entschädigung von 38,000 Rubel, gleich dem achtfachen seines Jahresgehaltes. T. Warschau. (Mehr Li ch t.) Das in den mitt. leren und höheren Bildungsanstalten jetzt in Rußland

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.