Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1900)
- Date
- 1900-10-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1756 sen ist nach einer Anzahl von Fragmenten Mff. edirt. Ar. 3 6—19 ist einem bandschriftlichen Abudirham entnommen. Die Sammlung enthält 72 Nummern, darunter 20 in arabischer Sprache, welche hebräisch übersetzt sind. Der Inhalt ist ein mannigfaltiger und sehr interessant, Ein Responsum Saadja's (Nr. 66) ist an Meir b. ali ha Cohen*) gerichtet. Die meisten Responsen stammen von R. Hay. Gruppe Nr. 37 sind Antworten aus Fragen aus Kabes und behandeln Fragen theologischer Natur; Nr. 3 handelt im Anschluß an Jes. 33, 6 über die Frage nach der Vorherbestimmung der menschlichen Lebensdauer; Nr. 4 beschäftigt sich mit der Frage über die Flucht Jonas (xr;,-; Nr. 7 handelt von dem Reden der Schlange und der Eselin Bileams, sowie von der Beschwörerin zu Endor; Nr. 20 über Deut. 3 8, 8 und Nr. 23 über ",t<v per; i*ry „Baba Batra 145b. Bon anderen Geonim werden als Responsen Natronai und Zemach genannt und in Nr. 34 wird auch Mar Rab Zadel erwähnt. Der Herausgeber, der sich bereits durch viele verschiedene Editionen um die jüdische Litteratur verdient gemacht, hat auch diele mit kundiger Hand bearbeitet und die Duellen und Parallelen meistens nachgewiesen. Jerusalem. D. C h a n k i n. Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen. Deutschland. Memel, 22. Olt. (Hebräisches C o n c e r t.) Der in hiesigen musikalischen Kreisen als Musikkenner wohlbekannte israelitische Religionslehrer Herr Emil Benjamin von hier, veranstaltete am Sonntag Abend ein „Hebräisches Eoneert", welches im großen Saale des „Memeler Gesellschaftshauses" stattfand. Dieses Eoneert sollte den „Simchas-Thora-Ball," wie solcher in Süddeutschland am Schluß des jüdischen „Laubbüttenfestes" üblich ist, ersetzen. Die mitwirkende aus Rußland (Neustadt-Alexandrowska) stammende, sehr beliebte jüdische Musikkapelle, hat in ihrer Heimath sich bereits einen Ruf erworben, lieber das Eoneert lesen wir im „Memeler Dampfboot" folgenden Bericht: „Das Eoneert war trotz des gleichzeitig stattfindenden Robert Johannes-Abends recht gut besucht. Die Leistungen der mitwirkenden jüdischen Musiker übertrafen zweifellos die Erwartungen, die man sich im Allgemeinen von ihnen versprochen hatte, zumal diese Leute sämmtliche Donstücke nach dem Gehör spielten. Besonders Aufsehen erregte das künsterlerisch vollendete *) Der sonst unbekannt ist. S. Steinschneider Jew. Quart, ß. XI. 483. Violinsviel des Dirigenten der Kapelle, Herrn Moses Brenner, der, ein schon bejahrter, greiser Mann, sich als Meister auf seinem Instrumente erwies. Nicht minder wirkungsvoll war das Spiel des Bassisten Fiedler. Fast sämmtliche Stücke wurden mit großem Beifall ausgenommen, besonders die hebr. Melodie „Kolnidrei" für Biotine von H. Weintraub, ebenso die hebräische Eomposiiion „Schir Zion", in Noten gesetzt von dem Vortragenden (Herrn Benjamin) und die Demvelweibefest Ouvertüre" von dem in weiteren Kreisen bekannten früheren Eantor Joel David in Wilna. Das Baß-Solo „Moskwa" (russische Nationalmelodie) fand gleichfalls ben Beifall der Zuhörer. Das Pro gramm war übrigens ein sehr reichhaltiges u. mannig faltiges und bot eine reiche Fülle origineller Tonweisen bezw. Donstücke geistlichen und weltlichen Inhalts dar, wie man solche wohl selten zu hören die Gelegenheit hat. Der Abend, der in bester Ordnung und Ruhe verlief, wird jedem der Theilnehmer in angenehmer Ernnerung bleiben. Coblenz. 25. Ott. Die 100jährige Wiederkehr von MwUe's Geburtstag ruft die Erinnerung an eine Episode aus dessen Leben in mir wach, die speziell für uns Juden intercsiant und werthvoll ist. Bekanntlich strchEn die Antisemiten der achtziger Jahre, namentlich die vom Schlage Stöckers, den Hof und seine ganze Suite in ihr sauberes Treiben hineinzuziehen, so auch Moltte. Wie wenig berechtigt indeß die Insinuation, daß der große Schweiger ein Antisemit gewesen war, beweist ein Brief, den der 90jährige Schlachtenlenker ans Anlaß eines Glückwunschschreibens des Rabbiners Dr. S i n ge r s. A. zu seinem 90jährigen Geburtstage an den Rabbiner richtete. Dasselbe liegt mir im Original vor und lautet: Sehr geehrter Herr Rabbiner! Nehmen Sie meinen verbindlichsten Dank für die freundlichen Worte, mit denen Sie mir die Glück^ wünsche der Eoblenzer Spnagogen-Gemeinde zu mein.n Geburtstage ausgesprochen haben. Es freut mich aufrichtig, aus Ihrem Schreiben zu ersehen, daß auch unter den Mitgliedern Ihrer Gemeinde die Er innerung an jene große Zeit lebendig geblieben ist, in der alle Unterschiede der Eonfeffion und der Landes angehörigkeit zurücktraten vor dem Bewußtsein der Zn gehörigkeit zum deutschen Vaterlande, das mit Einsetzung seines Lebens zu vertheidigen jedes Staatsbürgers schönste Ehrenpflicht ist. Hochachtungsvollst ergebenst Gr. Moltke, Feldmarschall. Berlin,' 30 Oktober 3890. So schreibt kein Antisemit, so schreibt ein offenes, ehrliches Herz, wie es eben Moltke befaß! Hugo Nahm.