Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-10-29 · Heft 86 (29.10.1900) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 86 (29.10.1900)
Date
1900-10-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449128--51819-2502429
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WWW 1751 sensationell«' Prozeß auf ganz neuer Grundlage geführt werden. Der früheren Anklage gesellt sich eine zweite gleich schwere, sowie eine dritte aus Verleumdung hinzu.. Ader das inzwischen abgegebene Faeulkäts-Gutachten entzieht allen erbärmlichen Bemühungen, diesen Strafprozeß in blindem Hasse für die Erneuerung der thörichten Blittlegende auszumünzen, jeden Boden. Die Staatsanwaltschaft selbst folgt den Aeußerungen der Vertreter der Wissenschaft, indem sie nun die Vermuthung eines sexuellen Mordes ausspricht. Die Frage der Schulo oder Nichtschuld Hilsner's lvird voraussichtlich in der bevorstehenden Verhandlung wieder einen heftigen Kamps entfesseln. Aber selbst der Varteiwutb, welche vor keiner geivissenlosen Behauptung zurückschreckt, wird es schwer werden, aus diesem Prozesse noch weiter ihre unsinnigen, zur Verfolgung friedlicher Menschen aufreizenden Beschuldigungen herzuleiten. > Fortsetzung in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 'V'NN rkihcitt. Die erschreckende Verbreitung ner. oöser Ertrautungen in unserem, au das Nervensystem jedes Einzelnen ganz besondere Anforderungen stellende .'Fitalter, nicht znm voenigsteu auch die hierin für das kommende Geschlecht liegende Gefahr, muß nothwendig gl der Frage führen, wie dieser schweren Volkskranl bcii, ivetchc das Lebensglüct so vieler Rlenschen zerstört, das Wohl zahlreicher Familien untergräbt, am ehesten Einhalr gethan werden kann. Feder, welcher selbst an einer nervösen Schwäche gelitten, oder aber in seiner Familie oder im Freundeskreise Erfahrungen hierüber dal machen müssen - und für wen gälte dies nicht - weiß, daß als die erste Borbcdingung für eine Bessernng derartiger Zustände, die Entfernung aus der bis, berigen Umgebung mit ihren Gemüthsausregungen, iliren geiüigen oder törperlichen lleberaustrengungeil, iyrcu Sorgen uu' das tägliche Brod ete., nothwendig ist. Aber Uüe jvenigen 'Nervenkranken ist hiermit dauernd geholfen' Die Meisten bedürfen zu ihrer Gesundung eines ärztlichen Beirathcs, der für foId)G Krankheits .ur stände vierständniß hat, die Wege zu ihrer Beseitigung tennt und über die hierzu nöthigen Mittel vcrfügt. Dl'' Grfahrung lehrt, daß sich dies nur in einen, Krankenbaiifc vclwirklichen läßt lind zlvar nur in einem solchen, welches in Anlage und Betrieb lediglich den Bedürfnissen Nervenkranker Rechnung trägt lind unter sachkundiger Leitung steht. (5s gib! inin eine ganze Reihe gutgeleiteter Jnsti tute, welche diese Bedingungen erfüllen können, aber uns Israeliten, die loir im Kampfe um's Dasein ganz besondere Schwierigkeiten zu überwinden haben und das Auftreten von Nervenkrankheiten sich daher ganz besonders gebanst hat, war es fast unmöglich, davon Gebrauch zu machen, sofern wir auf koschere Beköstigung reflektirten. (5s mußte deßhalb mit großer Freude begrüßt lverden, daß die Direktion der seit 30 Jahren bestehenden Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemüthskranke zu Sahn b. Coblenz sich entschloß, ein sog. Kurhaus für Nervöse und Erholungsbedürftige - mit Ausschluß, von Geisteskranken — zu errichten. Seit einem Jahre ungefähr ist diese Abtheilung fertig gestellt und unter der Bezeichnung „Israelitisches Kurhaus für Nerventrante und Erholungsbedürftige" dem Betriebe übergeben. Als ich vor mehreren Wochen Gelegenheit hatte, mich einige Tage in dem Kurhause aufznhalten, >var dasselbe von ea. 20 Kllrgästen besucht, und die höchst günstigen Eindrücke, die ich von der ganzen Anlage, von dem Betriebe, dem überaus geselligen und gemüthlichen Leben daselbst erhielt, geben mir Anlaß, die weitesten jüdischen Kreise im Jntereste der Nervösen und (Wholungsbedi'irftigen auf diese unter der Leitung renominirter Fachärzte stehende segensreiche Heilstätte anstnerksam zu machen und in Nachstehendem Aue kurze Beschreibung derselben zu geben: In einem der anmnthigsten Seitenthäler des Rheins, ungefähr in der Mitte zwischen Coblenz und Neuwied, liegt in idyllischer Schönheit u. Ruhe Sayn, und einer der besten Kenner des Mittelrhcins pries es schon vor fünfzig Jahren als den lieblichsten Ort an unserm Strome, weil es die Reize der Alpenthäler mit (er Pracht einer Rheinlandschaft verbinde. Hier, wo me N'atur beruhigend und erhebend auf das Gemüth, Ne ozonreiche Luft kräftigend auf die Nerven wirkt, liegt der schloßartige Neubau des israelitischen Kurhauses, ausgestattet mit allem Comfort der Neuzeit. Es enthält einige dreißig überaus behaglich eingerichtete Logirzimmer, einen Speisesaal, einen großen Wintergarten als GesellschaftSfaal, Billard-, Lese- und Musitzimmer, mehrere Veranden und Terrassen, ferner einen großen Turniaa! nnd mehrere vornehm eingerichtete Badezimmer, Wannenbäder, Douchen etc. Die Erwärmung sämmtlicher Räume geschieht durch Niederdruck Dampsheiznng. <5in großer schön angelegter und in einzelnen Thcilen schon sehr schattiger Park umgibt das Kurhaus, und durch die große Ausdehnung der Besitzung ist die Möglichkeit zu reichlicher Bewegung schon in den Anlagen des Kurhauses vorhanden. 'Ausgenommen zur Kur werden Nervenkranke aller 'Art. Reconvaleseenten, sowie alle Erholungsbedürftige, welche zur Stärkung ihrer Gesundheit eine geregelte Lebensweise wünschen, und verfügt das Kurhaus über alle Heilmittel der modernen Medicin. Angehörige von Kurgästen können jederzeit mitanfgenvmmen werden. Zum Schlüsse möchte ich auch noch erwähnen, daß in Anbetracht der comfortablen Einrichtung, der vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.