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Der Israelit · 1900-10-25 · Heft 85 (25.10.1900) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 85 (25.10.1900)
Date
1900-10-25
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Was unsere Fürsorge für arme Kranke betrifft, so hatten wir im Jahre 1899 für Arzt und Apotheke ca. 7500 Frcs. aufzuwenden, welchem Betrage nur 415 Mk. an Gaben gegenüber stehen. Hoch bedauerlich ist es, dass gerade für diesen Zweck die Spenden von Jahr zu Jahr abnehmen. (Schluss folgt.) Schulen der Alliance Israelite Universelle. (IV. Fortsetzung und Schluss?) Man müsste das schreckliche Elend der Israeliten des Orients und Marokkos kennen, um einzusehen, welche unermessliche Wohlthat dieses Werk hervorbringt. Es hat nicht nur zur Folge, den Fleiss der Kinder zu sichern, welche die Lernlust nicht immer genügend an die Schule fesselt, es ist zugleich eine der rührendsten Formen des Mitleids, weil es gestattet, das Stück trockenes oder in Oel getauchtes, oder mit einigen Oliven versehenes Brot durch eine gute und reichliche Nahrung zu ersetzen, aus welcher fast immer das Mittagsmahl dieser armen Kinder besteht. Die Unwissenheit und die orientalische Gleichgiltigkeit sind nicht die einzigen Hindernisse, welche der gute Wille des Centralcomitös zu bekämpfen hat. Dort, wo die Bewohner für jede Neuheit am unzugänglichsten sind, macht das Elend aus ihnen eine leichte Beute für die Missionen. Es ist bekannt, welche Mühe sich die protestantischen und katholischen Missionen geben, um die Israeliten zu ihrem Glauben zu bekehren. Die Erfolge sind jedoch gering und die Zahl der Bekehrungen ist unbedeutend, fiebrigen s ist dies nicht die grösste Gefahr. Hauptsächlich ist zu befürchten, dass die Eltern die Erziehung ihrer Kinder, Personen und Anstalten übergeben, deren geringste Sorge diese Erziehung ist. Die Alliance will nicht mit den Missionen kämpfen; ihre Aufgabe, ihre Pflicht ist es, all’ den Nutzen und Werth des so erhabenen, so vernünftigen und so tief religiösen Unterrichts, welcher in ihren Schulen ertheilt wird, begreiflich zu machen; durch die gute körperliche Nahrung, welche sie den Zöglingen giebt, entzieht sie den Missionen in Jaffa, in Jerusalem und in Beiruth Hunderte von Kindern, welche das Erhalten eines Mahles oder eines Kleidungsstückes die Schulen der Missionare zu besuchen veranlasst hätte. Hätte die herrliche Thatkraft der Baronin von Hirsch s. A. nur jenes Resultat allein gehabt, man müsste dafür ihren Namen und ihr Andenken segnen. Die Jugend, welche aus den Schulen der Alliance hervorgegangen ist, bildet schon einen wichtigen Theil der jüdischen Bevölkerung. Nach gleichen Grundsätzen erzogen, im Allgemeinen denselben Ideen huldigend, haben die jungen Leute, welche die Wohlthaten des Unterrichts genossen haben, die Nothwendigkeit empfunden, sich zu verbinden, sich zu vereinigen, um die Ideen der Zusammengehörigkeit und der Menschenliebe, welche sie in den Anstalten geschöpft haben, zu verbreiten. Auf diese Weise sind jene Vereinigungen ehemaliger Schüler entstanden, welche einen der glücklichsten und segensreichsten Erfolge des im Orient und in Afrika von der Alliance in’s Leben gerufenen Werkes bilden. Von der zu beschränkten Zahl dieser Vereinigungen überrascht, beschloss das Centralcomitö, dieser so nützlichen Schöpfung eine ernsthafte Anregung zu geben. Es folgen nun einige Auszüge aus einer Anweisung, welche über diesen Gegenstand an Direktoren gerichtet ist: Warum bestehen diese Einrichtungen nur in der sehr beschränkten Anzahl von Städten: Tanger,Smyrna, Tunis? Man sage nicht, dass die Erwerbsquellen hier oder dort mangelhaft sind, dass die Ortsverhältnisse nicht überall günstig sind, dass die Zahl der Mitglieder zu gering wäre, oder dass ihre Thatkraft nicht gross genug sei: der wahre Eifer überwindet diese Schwierigkeiten leicht. Wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, um jene Einrichtungen zu verallgemeinern. Unsere ehemaligen Schüler sind von der aufrichtigsten Dankbarkeit gegen die Alliance durchdrungen; sie haben das Gefühl, dass sie uns diese Dankbarkeit am besten dadurch bezeugen können, dass sie sich ihrerseits mit den Interessen ihrer jungen Genossen und mit denjenigen der Gemeinschaft beschäftigen; aber der gute Wille allein ist ohnmächtig. Vereinigt und verbunden werden sie wirksam und einflussreich sein, und damit diese Verbindung und Vereinigung zu Stande kommt, muss man thatkräftig zu Werke gehen. Es ist nicht unumgänglich nöthig, dass die Vereinigungen alle nach demselben Vorbilde eingerichtet werden; wie ihre Wirksamkeit verschieden sein kann, so können auch die Bedingungen ihrer Verwaltung und ihrer Verrichtungen verschieden sein; das Wesentliche ist, dass sich ein Band der Zusammengehörigkeit und der Einigkeit unter den Schülern bildet, welche ihren Unterricht in unserer Schule genossen haben; *) 8. Nr. 760.

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