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Der Israelit · 1900-10-25 · Heft 85 (25.10.1900) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 85 (25.10.1900)
Date
1900-10-25
Page
– (sequence 32)
Language
German
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16 fliese Einigkeit erlaubt ihnen, in der Gemeinde den Platz einzunehmen, welcher den Tüchtigsten nnd Besten gebührt. Nach und nach werden die ehemaligen Schüler wissenschaftliche Vereine bilden, welche es sich zur Aufgabe machen, den Direktoren in ihrer Wirksamkeit behilflich zu sein; sie werden Vereine iu’s Leben rufen, welche einen wohlthäthigen Zweck zu erfüllen haben, es werden Bande der Geselligkeit geschaffen, Kurse veranstaltet u. s. w. Das Feld der Arbeit ist unbegrenzt. Wir wollen uns in keiner Weise in ihre Einrichtnngen einmischen; sie können ihre Statuten verfassen, wie sie es wollen, sie dürfen sich nach Belieben den Vorstand wählen und von dem Vereins vermögen den Gebrauch machen, eer ihnen als der richtige erscheint. Diese Aufforderung ist verstanden worden, und das Centralcomitö hat die Genugthuung gehabt, zu sehen, dass die Direktoren fast überall einen lobenswerthen Wetteifer bekundet haben, die ehemaligen Schüler der Schulen zu vereinigen und sie Gesellschaften bilden zu lassen. Die Regierung von Tunis hat kürzlich die Statuten der tunesischen Vereinigung gebilligt. Letztere ist von Hr. Pariente gegründet worden und hatte im Anfänge mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen; nun wird sie sich aber ungestört und in Freiheit entwickeln können. Die Vereinigungen von Tanger und Smyrna beschäftigten sich eifrig damit, jüdische junge Leute zu veranlassen, in solche Länder, welche Erwerbsquellen bieten, einzuwandern. Sie widmen einen Theil ihres Einkommens diesem Gegenstände; es kann auch kein besserer Gebrauch von dem Gelds gemacht werden. In fremden Ländern werden die Thatkraft, die Bildung, der Unternehmungsgeist den jungen Schülern der Alliance manches Amt eröffnen, während in der Heimath der Schüler diese Eigenschaften oft keinen Nutzen für dieselben haben Es ist schon von der Auswanderungsbewegung die Rede gewesen, welche die Kinder, die aus den Schulen von Tanger und Tetuan hervorgegangen sind, nach Süd-Amerika treibt. Besonders die männliche gelehrte Bevölkerung wandert fast vollständig nach Venezuela aus, und es bestehen dort zwei oder drei kleine, sehr blühende jüdische Gemeinden, welche ehemalige Schüler der Allianee- Schule Tetuan gebildet haben. Diese schicken häufig dem Centralcomitö rührende Beweise ihrer Dankbarkeit und Anhänglichkeit. Diese Auswanderung ist für die Gemeinde von Tetuan, welche früher sehr arm war, eine Wohlthat gewesen. Einige Leute hatten geglaubt, dass neben dieser Auswanderung nach den Ländern des spanischen Amerika es auch möglich sein würde, die Auswanderung der Israeliten Marokkos nach dem Senegal und nach dem westlichen Sudan, welche unter französischer Oberherrschaft stehen, anzuregeu. Die jungen Marokkaner, welche das Arabische und Französische verstehen, massig und ausdauernd sind, hatten vorzügliche Stellungun inne, um ihren Lebensunterhalt in solchen Ländern zu verdienen, in denon sich der Europäer leicht dem Klima anpasst und wo der noch schwach betriebene Seehandel sich gut entwickeln kann. Mau wählte zu diesem Zwecke zwei junge Leute, welche die Alliance-Schule in Fez besucht, und die sich zu diesem Unternehmen vorbereitet hatten. Man gab ihnen das nöthige Reisegepäck, die Reisekosten und eine kleine Summe Geldes für den Nothfäll. Um durch die noch ziemlich unsicheren Länder reisen zu können, um nicht von den dort aufgestellten Militärposten mit argwöhnischem Blicke betrachtet zu werden, bedurften diese jungen Leute der Hilfe oder wenigstens des Wohlwollens der französischen Behörden. Leider wurde ihnen dort nicht der Empfang bereitet, den sie erwarteten. Nur diesem Umstande kann man die geringen Erfolge jenes Versuches zuschreiben. Wenn derselbe gelungen wäre, hätten die Israeliten Marokkos eine neue Gelegenheit zum Waarenabsatze und Mittel gewinnen können, um ihre Armuth zu vermindern. Trotz des wenig ermuthigenden Empfanges, den diese jungen Leute bei den Ortsbehörden fanden, ist es einem von ihnen gelungen, die ersten Schwierigkeiten zu überwinden, und es hat sich schon ein in seinem Lande wohnender Genosse an ihn gewandt. Nach den gegenwärtigen Verhältnissen zu rechnen, kann von einer ernstlichen Einwanderung nicht die Rede sein; höchstens können einige Leute versuchen, dort ihr Glück zu machen. Im Jahre 189 8 sind die Schulen Marokkos, Syriens und der europäischen Türkei von Gelehrten, Schriftstellern, Künstlern oder einfachen Reisenden besucht worden; alle diese Leute, Juden und Nichtjuden, Einheimische und Fremde haben einstimmig die ausgezeichnete Verwaltung der Schulen, die ungewöhnlich hohe Bedeutung, die Aufopferung der Lehrpersonen und die Sicherheit der Methoden anerkannt. Auch ge fiel ihnen die zweckmässige Wirksamkeit auf jedem Gebiete, auf dem die Alliance ihre Thätigkeit entfaltet, kurz das fortschreitende Zunehmen der orientalischen und afrikanischen Gemeinden unter dem Einflüsse des Unterrichts. Druck der Joh. W i r t h 'sehen Hofbueh druck erei Actien-G-esellschaft, Mainz.

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