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Der Israelit · 1900-10-25 · Heft 85 (25.10.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 85 (25.10.1900)
Date
1900-10-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1740 Jahre 1801 in Uehlfeld bei Nürnberg geboren. Seit langen Jahrzehnten wohnte er in unserer Stadt und war ein eifriges Mitglied der Israel. Religionsgesellschaft von deren Gründung an. Der Heimgegangene, der niemals nach irdischen Gütern strebte, verband mit beispielloser Rechtlichkeit und Anspruchslosigkeit innige wahrhafte Frömmigkeit und Biederkeit des Charakters, >vie sie nicht oft gefunden werden. Die Gewissenhaftigkeit in der Ausübung der Mizwaus hielt ihn kräftig bis in's höchste Alter und alle Talmud-Thora-Vereine konnten ibn zu ihren ständigen Besuchern zählen. In seinem langen Leben hat er viele Prüsungen erlitten; seine Iran starb bereits vor 41 Jahren und von feinen acht Kindern überleben ihn heute nur drei. Schon feit langen Jahren fand er im Hause seiner Tochter und seines Schwiegersohnes treue, aufopferungsvolle Pflege. Seine Enkel überboten sich, wenn es galt, dem Großvater eine Freude zu bereiten. Nun ist er dahingegangen und wird immerdar als Beispiel eines echten Iehudi uns voranleuchten, -ct Altenstein, 10. Ott. Der Fleischermeister Lewin sandte feinen Gesellen mit dem Fuhrwerk über Land, um Kälber und Schafe einzukaufen, die jüdisch rituell geschlachtet werden sollten. Der Geselle taufte auch solche und legte die Thiere auf den Wagen. Auf der Rückfahrt nahm er unterwegs aus Gefälligkeit für einen anderen Fleischer ein oder zwei Schweine mit und legte sie ebenfalls auf den Wagen, wo sie mit den Kälbern und Schafen in Berührung kamen. Dies erfuhr Lelviu und entlief; den Gesellen sofort ohne Kündigung. Der Geselle klagte vor dem Gewerbegericht gegen seinen Meister auf Zahlung des 14 tägigen Lohnes. Lewin machte geltend, daß der Kläger durch seine Handlung die religiösen Gefühle des Beklagten verletzt habe. Das Gewerbegericht schloß sich diesen Ausführungen an und erkannte auf Abweisung des Klägers. Tchwerienz. Der Lehrer Moritz G r ü n f e l d trat nach 38 jährigem, segensreichen Wirken in der hiesigen Gemeinde in den Ruhestand. Sein Ruf als Schulmann reicht über die Grenzen der Provinz. Nach Hunderten zählen selbst die auswärtigen Schüler, Juden wie Christen aus den höchsten Ständen, welche feine Lehrstätte aufsuchten. Mit Genugthuung blickt Herr Grünfeld auf eine beträchtliche Zahl von Männern n hohen und ehrenvollen Stellungen, welche einst zu seinen Zöglingen gehörten. Es verdient auch, zumal in heutiger Zeit, hervorgehoben zu werden, wie Grünfeld darauf hinzuwirken versteht, daß unter seinen Pensionären und Schülern verschiedener Eonsession das schönste Einvernehmen waltet. Am 18. Oktober fand seine feierliche Entlassung statt. Zu derselben hatten sich außer dem Königlichen Kreisschulinspektor, Pastor, Bürgermeister, den Schul- und Gemeindevorstehern und Repräsentanten, den Lehrern aller Confessionen, eine große Zahl von Gönnern und Freunden eingefunden. Kreisschulinspektor Brandenburger schilderte die Verdienste des Jubilars, dessen Personalien während seines ganzen Wirkens nur Löbliches aufzuweisen haben. Da die Schule, bisher zweiklassig, wegen Abnahme der Schülerzahl in eine einklassige umgewandelt wird, wies der Kreisschulinspektor — tat ho - lischer E o n f e f s i o n — den Lehrer Broh ans feine nunmehr doppelten Pflichten hin, während er den Schülern eine treffliche Blumenlese t a l m u d i s ch e r Sprüche über die Ehrfurcht vor dem Lehrer vorführte. Hieraus überreichte er dem Jubilar den Hohenzotler'schen Hausorden. Daun sprachen noch Pastor H e r f e, Bürgermeister Hopp m a n n , Lehrer Broh, Stadtverordneten-Vorsitzender und Präses des südischen Gemeindevorstands Gustav L e s s e r als ehemaliger Schüler des Jubilars. Alle Herren hoben in ihren Ansprachen neben dem segensreichen Wirten den biederen, offenen Charakter, sowie den friedlichen Sinn in der Gemeinde und unter seinen Kollegen hervor. Die evangelischen und katholischen Hauptlehrer brachten die Glückwünsche der Lehrer lollegien. Grünfeld dankte gerührt, nahm von den Schülern Abschied und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Die darauf folgende Nachfeier gestaltete sich beim Rebensaft zu einer äußerst gemüthlichen. Grünfeld bekleidet mehrere Ehrenämter, ist Waisenrath, Vorsitzender des simultanen Lehrervereins, Vorstandsmitglied des Vereins der jüdischen Lehrer der Ostprovinzen, der hiesigen Chewra Kad discha. Bei seiner anstrengenden öffentlichen und pri vaten Thätiakeit fand Grnnfeld immer noch Muße zu ütterarischen Arbeiten. G. befindet sich im 66. Lebens jahre und erfreut fick einer jugendlichen, geistigen lote körperlichen Irische. Möge ihm noch lange ein frohes, ungetrübtes Leben befchieden feirt! Br. Halle a. S., 22. Okt. Wie in rauher Winters zeit der 'Anblick lebensfrifcher lieblicher Bliimlein an mutbet. so herzerhebend und erquickend lvirkt es auf das echtjndifche Gemüth, tu einer Gegend, wo glaubensialte starre Reform dominirt, unvermuthet ein Häuf kein warmfühlender, glaubensstarker Jehudim anzn treffen. Ein solches Gefühl empfindet man, wenn inan hierher kommt. In der hiesigen offiziellen israelitischen Eultusgemeinde gedeiht üpvig die Reform, wo es zürn großen Theile nur sogenannte Namensjuden gibt, welche die vitalsten jüdischen religiösen Pflichten längst über Bord geworfen haben. Wie angenehm werden wir aber überrascht, daselbst eine, wenn auch winzig kleine, aber recht wackere glaubeustreue Schaar zu finden, die mit bewunderungswürdiger Opferwilligkeit u. heldenmütlssger Festigkeit an den alten vererbten Traditionen festhält. An der Spitze dieser frommen Bereinigung steht vorbildgebend die durch Intelligenz und Seelenadel, wie durch vornehme Gesinnung und Frömmigkeit ausgezeichnete hochachtbare Familie A p e l t. Der geistige

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