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Der Israelit · 1900-10-25 · Heft 85 (25.10.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 85 (25.10.1900)
Date
1900-10-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1733 — während unser hochverehrt. Magistrat bereits 4! „Oeffentlicke Speisehallen" in's Leben gerufen, — '.uust der arme Israelit hier „treses" effen oder „kalt"; - so verdient diese Stiftung einige Anerkennung! Sk. O e st er r. - Ungar. Monarchie. Höguesz, C^nbe Tischri. Die letzten hohen Feier-!age haben unserer alten ehrwürdigen Gemeinde den seltenen Genuß gelvährt, Herrn Dr. L. Roth bei verscbiedcncn Gelegenheiten zu hören. Der Sohn unseres verehrten Kantors war uns ein willkommener Gast und bot sich ihm Gelegenheit, bei mehreren Anlässen zu sprechen. Unsere Gemeinde, die eine streng orthodoxe iüpvar von den Leistungen des jungen Schriftstellers und Gelehrten sehr befriedigt, und dies ist für ihn umso bezeichnender, da ivir in unserem verehrten Rabbiner den Duell lebendiger Weisheit verehren. Es ist per Rachkomme jener mit Reckt so berühmten Rabbinerfamilic, deren Sohn der Verfasser des war. Es war ebenso wohlthiineiid als erhebend, den öfteren Ausführungen des Dr. Roth zu folgen, der als gcsetzeslieuer Mann ein beredter Interpret des Iudenthums ist. dessen Blüthenkrone in traditioneller Weise sich hier >'ii1falEt, Wenn nun Dr. Roth von uns scheidet, so sagen tvir ihm Alte einen lebhaften 22*^ Rach autentischem Berichte steht die Berufung des Dr. Roth nach einer ungarischen Gemeinde bevor. R u m ä n i e n. Pu kn rcft. Die Auswanderung aus Rumänien dürste spätestens mit dem Beginn des nächsten Frühjahrs von Neuem einen größeren Umfang annehmen. Langsam nnd allmählich beginnt nämlich auch den Juden in England, Frankreich und Deutschland einzn lenchten, daß ihre aus das Ministerium Karp gesetzten Hoffnungen trügerische waren, und daß die Judenhetzen im Lande der Bojaren sofort im verstärkten Maße wieder ausgenommen werden dürften, sobald Rumäniens akute Geldnoth mit Hilfe Karp's und der Berliner Disconto-Gesellschaft einigermaßen beseitigt sein wird. Daher lveigert sich das Berliner Comitee, rumänische Juden in ihre frühere Heimath znrückzusenden, und auch die Pariser Alliance soll im Verein mit gleichstrebenden Corporationen in England, Desterreich und namentlich in Amerika beabsichtigen, eine langsame nnd vorsichtige Emigration lvieder in die Wege zu leiten. Bevorzugt sollen alleinstehende junge Männer werden, welche auf kürzestem Wege nach ihrem überseeischen Bestimmungsorte befördert werden sollen. Daneben werden auch Familienväter, welche gewisse Chancen besitzen, in der neuen Heimath eine erträgliche Existenz zu erlangen, aus Rumänien befördert werden, nur sollen diese ihre Angehörigen einstweilen zu Hause lassen, wo sie von der Alliance genügend unterstützt werden würden. Sehr gefördert wurden diese Pläne von Mr. Watchon, dem General-Commiffionär der Vereinigten Staaten für Auswanderungsangelegenheiten, der im Anstrage seiner Regierung Rumänien bereist hat, um über die Lage der Juden daselbst Informationen zu sammeln. Mr. Watchon, welcher von dem Vertreter der Amerikanischen Alliance, Mr. D. Blaustein aus Newport, begleitet war, hat durch eigene Anschauung die Ueberzeugung gewonnen, daß die rumänischen Juden strebsam, fähig und fleißig sind. Mr. Blaustein ist der Ansicht, daß an eine Besserung der Lage der Juden in Rumänien nicht zu denken ist und hält eine allmähliche Auswanderung des größten Theils der rumänischen Juden für unvermeidlich; da nach der ganzen Lage der Dinge die Emigration vorzugsweise oder gar ausschließlich nach den Ländern englischer Zunge erfolgen muß, so eilte er, in allen jüdischen Schulen Rumäniens den englischen Unterricht einzuführen, um dem Heranwachsenden Geschlecht die Auswanderung aus Rumänien zu erleichtern. Rußland. Pctcrobttrg. (W e r t h l 0 s i g t e i t der S e u a t s e n t s cd e i d u n g e n.) Fast jede Woche fördert wichtige für die Juden günstige Senatsentscheidungen zu Tage, welche von der gesammten jüdischen Presse regelmäßig mit großer Genugthuung registrirt werden. Diese Entscheidungen sind insofern auch wirklich wichtig, als sie die Richtung des in den höheren Kreisen Rußlands jetzt wehenden Windes anzeigen und den Beweis liefern, daß die Windrichtung für die Juden Rußlands nicht mehr so ungünstig ist, wie unter Alexander III. Für die höheren Beamten in den russischen Großstädten mögen diese Entscheidungen insoweit anck vraliische Folgen haben, als diese aus Furcht vor der öffentlichen Meinung sich wohl hüten, mit Senatsentscheidungen gar zu oft in Widerspruch zu gerathen oder in einem ähnlich liegenden Falle eine zweite Entscheidung des Senats wider sich herauszufordern. Einen weit geringeren praktischen Werth haben aber die Senatsentscheidnngen in den zahlreichen russischen Zwergstädten, wo jeder Beamte sich wie ein kleiner Ezar gerirt. Solche kleine nach oben kriecherische, nach unten frecke Tsckinowniks sind die schlimmste Plage der armen russischen Juden. Ihre geistvollen Auslegungen der Jgnatiew'schen Maigesetze sind mit Vernunft und Gerechtigkeit absolut unvereinbar, so daß der Senat eigentlich gar nicht anders kann, als sie unwillig zu verwerten: allein der kleinstädtische russische Jude bat von der Eristenz des Senats kaum eine Ahnung, and) ist der Himmel in Rußland hoch und der Senat weit, und so zieht er es in den meisten Fällen vor, lieber zu zahlen, als beim Senat über den hochmögenden Tschinownik sich zu beschweren. Er thut letzteres um so weniger, als er weiß, daß die Senatsentscheidungen erst nach Monaten, vielleicht gar nach Jahren eintreffen. Inzwischen hat er sich dem polizeilichen Befehl zu fügen und — falls es sich um einen aus dem inneren Rußland ausgewiesenen Handwerker handelt — seinen Wohnort

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