Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 85 (25.10.1900)
- Date
- 1900-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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.>■ -U--V-^ ><■ u,>¥*» -H N»^WWWWW 1728 ^chw. Hall, 21. Oft. „Der Blutaberglaube," so lautete das Thema eines Vortrages, den der durch seine Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit. wie auch durch seine edle, menschenfreundliche Gesinnung in den weitesten Kreisen bekannte evangel. Stadtpfarrer T r a u b dahier vor einigen Tagen im Solbadsaale vor einem zahlreichen Publikum hielt. Es war der dritte und letzte der von dem Herrn Stadtpfarrer zu Gunsten des hiesigen Diakonifsenhauses in der jüngsten Zeit gehaltenen Vorträge. Ein besonderer Anlaß zur öffentlichen Besprechung des genannten, in mancher Beziehung heiklen und delikaten Themas lag eigentlich nicht vor. Denn in unserer schönen, durch ein freisinniges Bürgerthum sich auszeichnenden Stadt leben alle Stände und Confessionen in bürgerlicher Eintracht beisammen, und nichts hat stch noch ereignet, das diesen Frieden im entferntesten hätte gefährden können. Aber dennoch müffen wir es hier dankbar anerkennen und öffentlich aussvrechen, daß der Herr Stadtpfarrer durch seinen Vortrag uns und allen Zuhörern — das bewies schon der am Schluffe gespendete reiche Beifall — einen hohen, geistigen Genuß bereitet hat. Abgesehen davon, daß der Vortragende, wie man es von ihm nicht anders erwarten konnte, der Blutbeschuldigung gegen die Juden auf das allerentschiedenste widersprach, den Verbreitern der Blutlüge hart aus den Leib rückte und das ganze, verworrene, weitschichtige Material fest und sicher wie das Einmaleins beherrschte, hat er den Gegenstand in einer solch' schönen, fließenden, feffelnden, überzeugenden und noblen Sprache — mehr als die Hälfte der Zuhörerschaft waren Damen — behandelt, daß uns die fünfviertel Stunden, die der Vortrag in Anspruch nahm, wie einige Minuten vorkam. Einstmals hieß es il y a des jug’es a Berlin. So gibt es auch Geistliche, die ohne Voreingenommenheit der Sache auf den Grund gehen, die mit der Fackel der Wissenschaft in die dunklen Gänge des Aberglaubens hineinleuchten und gegen Lüge und Haß, gegen Finsterniß und Rückschritt mit allen Waffen des Geistes zu Felde ziehen. Zu diesen Männern gehört als der Ersten einer Herr Stadtpfarrer Traub in Schw. Hall, dem wir hiermit — zugleich Namens der hiesigen israelitischen Gemeinde — in Anerkennung seines menschenfreundlichen Wirkens, unseren verehrungsvollen Dank, ein herzliches TD.3 darbringen. Arankenthal (Pfalz). Der hier bei Verwandten weilende Max L e v i hat von dem internationalen Comitee europäischer und amerikanischer Burensreunde den Allstrag erhalten, dem greisen Präsidenten von Transvaal, Krüger, bis Egypten entgegenzureisen und nach Europa zu begleiten. Levi wird den ehrenvollen Auftrag ausführen. R. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Budapest. (Der Friede der Con - s e s s i o n e n.) Herr Koloman Tisza hielt vor seinen Großwardeiner Wählern eine mit Spannung erwartete und mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede, in deren Verlaufe er unter Anderem Folgendes ausführte: So lange er noch Kraft besitze, wolle er noch dahin wirken, daß die drei Claffen der ungarischen Gesellschaft, Ackerbau, Gewerbe und Handel, in Harmonie mit einander leben, daß die Verhetzung dieser Claffen vermieden werde, und daß, soweit deren Jntereffen im Einzelnen vielleicht auseinander laufen, sie sorgfältig ausgeglichen werden. Er werde dahin wirken, daß im ganzen Lande die Ueberzeugung Wurzel faffe, daß die eine Claffe ohne die andere dauernd nicht prosperiren könne. Mit noch größerer Energie werde er all sein Streben darauf richten, daß dasjenige, was bisher der Stolz und das Glück Ungarns gewesen, der Friede in den Confeffionen, nicht gestört werde. (Stürmische Zustimmung.) Ohne Rücksicht auf den Rahmen der bestehenden Parteien sollte sich über dieselben hinaus eine Phalanx der Gleichgesinnten erheben, um die gegentheiligen unpatriotischen Tendenzen zurückzudrängen. In einer zweiten Rede, die Koloman von Tisza als Obercurator der reformirten Kirche in Papa gehalten hat, erinnert der Redner daran, daß die reactionären Strömungen vom Auslande allmählich auch nach Ungarn hereindringen. Dies geschehe in immer größerem Maße. Wir hören von Männern, die wir sonst in jeder Hinsicht achten, Reden, welche den Geist finsterer Jahrhunderte athmen. Wenn diese Reden und diese Richtung um sich greifen, oder wenn sie zu Thätlichkeiten führen oder in Aufreizungen ausarten, so würde es Pflicht der staatlichen Macht sein, einzuschreiten, da es zu ihren heiligsten Aufgaben gehört, die einzelnen Confeffionen zu schützen. Es sei ein gemeinsames Interesse aller Bürger ohne Unterschied des Glaubens, den gegenwätigen finsteren Strömungen entgegenzutreten u. dem Umsichgreifen derselben Einhalt zu thun. Feuilleton. (Lin Schrill vom Wege. Jüdische Wovelle von Arnold Mann. 24] „Ich glaube, da sind Sie auf falscher Fährte," wandte jetzt der Aufseher ein, „wenn Lina etwas Verdächtiges bemerkt hätte, dann hätt' sie's schon von selber gesagt. Aber, ich werde sie jedenfalls mal fragen!" Wann denn?" „Heute Nacht bin ich dienstfrei. Aber heute wird sie schwerlich zu uns kommen, nachdem sie gestern bei uns war." Und kurz darauf setzte er hinzu: „Soll ich mal hingehen?" „Bitte, thun Sie es! Fragen Sie sie mal! Wer weiß, vielleicht doch-! Und wenn Sie vielleicht meinen Chef sehen sollten — es kann ja sein — so