Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-10-25 · Heft 85 (25.10.1900) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 85 (25.10.1900)
Date
1900-10-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449127--51785-2502394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1726 scheidet, hat mit den Juden diesseits und jenseits des Maines absolut nichts zu thun. Was die Juden sans phrase von den mobeznen Juden, Philippson'schen Schlages, scheidet, ist die Anerkennung und Nichtanerkennung dessen, was uns Juden zu Juden macht. So lange diese Scheidung besteht, ist keine Vereinigung möglich, mag sie Gemeindebund, oder Judentag heißen. Daß auch eine bloße politische Vertretung der deutschen Judenheit nach außen ohne Rücksichtnahme auf die Satzungen des Judenthums unmöglich ist, braucht nicht erst nachgewiesen zu werden. Ebensowenig gehen wir hier auf die Aufgaben ein, die Herr Dr. Philippson unmaßgeblicher Weise seinem Judentag stellt und auf die Erörterung der Frage, ob sich alle diese Ziele auch ohne die Institution eines Judentages erreichen ließen. Denn es steht nach alledem fest, daß ein solcher Judentao bei der Zerrissenheit innerhalb der Juden Deutschlands hinsichtlich ihrer religiösen Führung heute eine Unmöglichkeit ist. Sollte er gegen alles Erwarten dennoch zu Stande kommen, so würde er das werden, was ihm Herr Prof. Dr. Philippson selber prognosticirt: „Ein verfehltes Experiment, eine nur theilweise oder ungeeignete Betheiligung, die nur Schaden bringen und die innere Verwirrung, die Geringschätzung seitens der Außenwelt nur steigern würde." Gegen die Geringschätzung der Außenwelt hilft kein Judentag. Menu aber die Geringschätzung der jüdischen Innenwelt, die Verkennung der jüdischen Volksseele, die Verachtung von Thora und Mizwah, dieser Bruch mit dem praktischen Judenthum bei seinen eigenen Kindern erst aufgehört haben wird, dann wird auch die Geringschätzung der Außenwelt, wenn auch vielleicht nicht schwinden, so doch mit der heiteren Seelenruhe ertragen werden, deren sich unsere Väter und die in ihrem Geiste lebenden Kinder auch ohne Judentag erfreuten und erfreuen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 23. Okt. In Bezug auf die Bettelindustrie in Galizien geht uns folgende Mittheilung zu: Es bestehen in Skala und in Vorszezow regelrechte — man möchte sagen Konsortien, die sich die Ausbeutung der Vettel-Industrie zum Geschäft gemacht haben. An der Spitze dieser Konsorten stehen u. a. Leibisch, Bergmann, Salomon, Schoefser-Skala, Israel Eisner- Borszezow, die Geschäfte werden sozusagen im Geheimen geführt, wodurch es schwierig ist, die Namen aller „Therlhaber" zu erfahren und wodurch sie sich auch den Verfolgungen durch die Behörden entziehen. Die Gemeindeämter sollen ebenfalls keine Ahnung von der Sache haben, und es darf angenomen werden, daß die „amtliche" Beglaubigungen, welche die 'Absender den Bettelbriefen beifügen, falsch oder durch falsche Vorspiegelungen erlangt worden sind. Das Konsortium zahlt an einige der Briefschreiber — monatliches Gehalt, und diese hinterlegen als Gegenleistung bei den Postämtern in Borszezow, Jerierzany und Skala beglaubigte Vollmachten, welche die Konsortien zur Empfangnahme der sämmtlichen eingehenden Gelder berechtigen. Berlin, 21. Okt. (Sitzung der Reprase n t a n t e n v e r s a m ni l u n g.) Der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, eröffnet die Sitzung mit einem Nachrufe fnr den verstorbenen Herrn Jnstizrath Dr. T i k t i n. Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen. Es ist ein Schreiben des Gemeindevorstandes eingegangen, welches die Einführung des Herrn Dr. Gnttmann zum Direktor der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde enthält. Herr Dr. Veit S i tu o n richtet an die Versammlung die Frage, weßhalb Rab biner Dr. Vlumenthal, der zum Direktor der zweiten Religionsschule gewählt ist, dieselbe noch nicht übernommen habe. Der Referent Herr Leonhard Sachs verkündet, daß die Angelegenheit in kurzer Zeit erledigt werde. Zur Linderung der Roth der rumänischen Juden iverden einstimmig 10,000 Mt. gespendet. Frau Rosalie F r e n d e n t h a l hat zur Begründung einer Stiftung der Altersversorgungsanstalt 10,000 Mk. gespendet. Frau Johanna Levy geb. Salomon hat an die bei der Armenlommission bestehende Helene Levy-Stiftung 10,000 Ml. gesandt. Zur Begründung einer Stiftung im Krankenhause hat Frau Hedwig L a ch m ann geb. Eltzbach 10,000 Mk. überreicht. ES folgen Nachbetvilligungen von Ausgaben, die ohne Debatte angenommen wurden. Die Ludwig Bawberger-Stiftung, im Betrage von 10,000 Mk., die zur Zeit so viel Streit erregte, hat die Genehmigung der -König!. Regierung erhalten. E. R. Frankfurt a. M., 23. Okt. Wieder war es dem Verein „Mekor-Ehajim" vergönnt, nachdem er vor Jahresfrist eine dreifache Feierlichkeit abhielt, am vergangenen Sonntag, 21. Oktober, eine bv rmyc zu begehen. In einem siebenjährigen Cyclus hatte der Verein die Thora mit dem Raschi-Commentar „ausgelernt" u. sind es die Vereinsmitglieder, die abwechselnd allsabbatlich eine n&ne vortragen. Zur Feier dieses 2 w 2 versammelten sich die Mitglieder und geladenen Ehrengäste Abends 7 Uhr im Restaurant Neuhof. Der Präses des Vereins, Herr Joseph Wohlfahrt, welcher am vergangenen mw ’J'cr die siebente von nxr besprach, behandelte kurz den Inhalt der übrig gelassenen drei Verse und entwickelte in zündender und herrlicher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.