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Der Israelit · 1900-10-25 · Heft 85 (25.10.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 85 (25.10.1900)
Date
1900-10-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1724 in unsere Umgebung, der Emanzipation, Rezeption und Assimilation das Wort reden können, die möchten setzt eine aparte, staatliche Centralbehörde für jeden Juden und jüdische Anliegen haben? Man traut seinen klugen kaum, was sollte auch eine solche Behörde? Sollen ihrem Restart vermögensrechtliche oder Verwaltungsstreitigkeiten zur Schlichtung unterstellt sein, so ist nicht abzusehen, warum dies nicht, wie bei anderen Contessionen, durch die zuständigen Behörden wie bisher geschehen soll. Soll aber der Behörde das Recht zustehen, in die jüdischen Internen des Religiösen einzugreisen, dann allerdings müßten alle Einsichtigen, alle, denen die Dreiheit des Gewistens, die Freiheit der Religion und die Autonomie der Gemeinden kein leerer Schall ist, alle müßten dann in geschlossener Reihe gegen eine solche Gefährdung dieser hohen Güter ihr Veto einlegen, welcher religiösen Richtung sie auch innerhalb der zeitgenössischen Judenheit angehören mögen. „Die Redlichen jeder religiösen Ueberzeugung haben ein vitales Interesse daran, daß ihnen keine Behörde aufoctroirt werde, welche die Kämpfe und Wehen verschärft und verewigt, die den jüdischen Volkskörper durchzucken. Bald ist ein Jahrhundert verflossen, seitdem diese schroffen Gegensätze innerhalb der deutschen Judenheit zu Tage getreten sind und einen immer an Schärfe zunehmenden Charakter angenommen haben. Die tiefgehende, unüberbrückbare Kluft, welche die Vertreter dieser religiösen Gegensätze scheidet, wird vielfach in ihrer Bedeutung verkannt, obwohl sse die Wortführer der sich gegenüberstehenden Parteien wiederholt in ihrer ganzen Schärfe gezeichnet haben. Es scheint daher geboten, immer wieder auf diese Thatsache hinzuweisen." Inwiefern die hier eingangs erwähnten Bedenken bei einem deutschen Judentag auch von christlich-freisinniger Seite getheilt werden, zeigen folgende Auslassungen, welche die Berliner „Volks-Zeitung" unter der Spitzmarke: „Ein jüdisches Centrum?" enthält. Das genannte Blatt schreibt: „Ein „Allgemeiner deutscher Judentag" als dauernde, regelmäßig einzuberufende Institution zur Abwehr des Antisemitismus wird, so berichtet eine Korrespondenz, in jüdischen Kreisen vorgeschlagen. Der Judentag soll „sorgfältig vorbereitet und von den hervorragendsten Vertretern der Judenschaft aus allen Theilen Deutschlands beschickt" werden. Zunächst soll, wir folgen immer den Angaben der Korrespondenz, ein Appell an die deutschen Regierungen und die Bevölkerung erlassen werden zur Wahrung der gesetzlich gewährleisteten Rechte der Juden. Ferner will man in Form eines „Allgemeinen deutschen Judentags" eine Organisation zur Vertheidigung der staatsrechtlichen Stellung der Juden schaffen, und auf die öffentliche Meinung, wie aus die leitenden Kreise in Staat und Reich, zu Gunsten der Juden einwirken. Mit den einzelnen politischen Parteien sollen Verhandlungen angeknüpft werden, um die Entsendung von solchen jüdischen Abgeordneten in die Vertretungskörper zu ermöglichen. welche das Interesse und die nöthigen Kenntnisse besitzen, die Sache jüdischer Gleichberechtigung nach Kräften zu fördern. Wenn diese Mittheilungen der Korrespondenz richtig wären, so könnte man das nur bedauern, weil mit der Organisation der Juden als solcher nur dem Antisemitismus ein Gefallen geschieht, der von seinem Standpunkt aus nichts lieber sieht, als wenn sich die Juden als solche konfessionell isoliren, anstatt mit Staatsbürgern anderen Glaubens gemeinsam lediglich als Staatsbürger die Vertheidigung der Rechte zu betreiben, die man ihnen schmälern will. Für die Bildung eines „jüdischen Centrums" nach Art des ultramontanen Centrums liegt nicht der geringste Grund vor. Anstatt „Unterhandlungen" mit verschiedenen Parteien zu pflegen, sollten die Urheber des Gedankens vom „jüdischen Centrum" denjenigen Parteien als Mitglieder beitreten, welche die konfessionelle Gleichberechtigung aller Staatsbürger auf ihr Programm geschrieben haben und praktisch danach handeln. Der bei der letzten Landtagswahl in Berlin gemachte Versuch, durch eine spezifisch-konfessionelle Sonderkandidatur die besonderen Konfessionsinteressen der jüdischen Wähler vertreten zu lassen, schloß mit einem Mißerfolge ab, der, wie man meinen sollte, die Freunde dieser Idee von der weiteren Verfolgung des Gedankens gründlich und endgiltig abschrecken müßte. Die Bekämvfung des Antisemitismus, der unser öffentliches Leben vergiftet, kann wirksam nur von dem Boden der allgemeinen menschlichen und politischen Gerechtigkeit ans betrieben werden. Jede Einengung dieses großen Prinzipienkampfes auf den schmalen konfessionellen Horizont muß nothwendigerweise dem Antisemitismus im Besonderen und der Reaktion im Allgemeinen Vorschub leisten. Daß man das in gewissen jüdischen Kreisen immer noch nicht einsehen will, deutet auf eine erhebliche Verwirrung der einfachsten politischen Begriffe unt> Pflichten hin." Sieht man jedoch von den naheliegenden Beziehungen zwischen dem Gemeindebund und dieser Anregung seines Präsidenten einmal ganz ab und faßt man lediglich die Motivirung und ganze Darstellung in's Auge, mit welcher Herr Prof. Dr. Philippfon für seinen Vorschlag Plaidirt, so fordert hier jeder einzelne Satz die Kritik heraus. Der Vorschlag leitet mit den Worten ein: „Nichts ist für eine Gesammtheit wie für den Einzelnen gefährlicher, als sich über eine bedenkliche Lage mit Illusionen, mit leichtfertigem Optimismus hinwegzuhelfen." Etz gibt ganz gewiß noch etwas Gefährlicheres; z. B. das Gcgentbeil. Wenn man sich seine Lage mit schwermüthigem Pessimismus so lange als eine bedenk-

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