Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 85 (25.10.1900)
- Date
- 1900-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MUWWM 41. Jahrgang. M »5 Der Israelit V Ein :Ms&üäUäi& KenLral-Hrgan für bas orthodoxe Iudenthum. Begründet von Br. fe^mann in Ifttainf. ^Donnerstag, den 25. Oetober 5661 (1900). Für Bum Mark abonntrt man bet allen Postanstalten für die Monat November & Dezember auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrSger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Dir Erprdttion des „Israelit". Leitender Artikel. Aein deutscher ^udentcrg! Mainz, 24. Oktober. Obwohl wir dem Borschlag, einen deutschen Judentag zu schassen, sofort durch einige wenige Worte entgegengetreten sind, scheint es doch geboten, diese unsere Stellungnahme kurz zu präeisiren und zu begründen. Bei der Zerklüftung in unseren eigenen Reihen läßt der Schmerz darüber Biele nur allzuleicht jeden Vorschlag freudig begrüßen, der einem einheitlichen Borgehen das Wort redet, ohne nüchtern zu prüfen, ob nicht etwa das vorgeschlagene Heilmittel schlimmer als die Krankheit ist. Das ist aber bei dem uns hier beschäftigenden Borschlag thatsächlich der Fall. Sehen wir zunächst von dem inneren Werth oder llnwerth dieses Vorschlages einmal ganz ab, so genügt die Stelle, von welcher er ausgeht,, um uns mit Mißtrauen zu erfüllen. Man soll zwar das Wahre von Jedem annehmen, aber nicht das Falsche, Fragwürdige und Gefährliche. Der Vorschlag, einen deutschen Judentag zu insceniren, geht von dem Präsidenten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herrn Prof. Dr. Martin Philippson, aus. Dieser Bund strebt schon seit den dreißig Jahren seines Bestandes darnach, eine Centralbehörde sämmtlicher deutschen Juden zu werden. Diese Bestrebungen haben sich in den jüngsten Jahren besonders intensiv geltend gemacht, bis jetzt allerdings ohne jeden Erfolg. Sollte diese Erfolglosigkeit vielleicht dazu geführt haben, es einmal auf einem anderen Wege zu versuchen, durch Berufung eines allgemeinen deutschen Judentages? Wohl wiffen wir, daß auch der Judentag, wenigstens wie er hier vorgeschlagen wird, noch weit von einer Centralbehörde sämmtlicher deutscher Juden entfernt ist. Aber als erste Etappe dazu könnte er gelten und vielleicht als noch etrvas mehr, wenn er nur irgendwie lebensst Jg wäre. Die Bedenken, welche gegen eine solche Eentralbehörde bestehen, haben daher auch für die Maßnahmen Berechtigung, welche dazu führen sollen. Diese Bedenken hat die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" in Nr. 11 ihrer vorjährigen „Mittheilungen" zum Gegenstand einer eingeheden Darstellung gemacht, der wir folgenden Passus entnehmen: „Sollte es wirklich möglich sein, daß Juden selber die Hand dazu bieten, sich als etwas „Apartes, Spezielles" behandelt zu wissen? Jst's schon so weit, daß weite Greife unserer nichtjüdischen Mitbürger ohne eine solche Centralbehörde für ihre Religion fertig werden können, fertig werden wollen, und Juden sollten darum petitioniren? War es nicht diese legislatorische Sonderstellung, die jüdische Spezialgesetzgebung, waren nicht die „Judengesetze" und die besonderen Einrichtungen und Maßnahmen, die sie für Juden schufen, waren sie nicht das nationale Unglück, die nationale Entwürdigung der Judenheit in all den dunklen Zeiten der Vergangenheit? Und diese Schatten sollte man, sollten Juden selber in unserer rechtserleuchteten Gegenwart heraufbeschwören wollen? Dieselben Juden, die sonst im politischen, sozialen, ja selbst im religiösen Leben nicht laut und entschieden genug dem Aufgehen