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Der Israelit · 1900-10-22 · Heft 84 (22.10.1900) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 84 (22.10.1900)
Date
1900-10-22
Page
– (sequence 30)
Language
German
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62 die Rabbiner von Konstantinopel, Salonici. Sroldus und Safed verhängten über den Angeber den Bann ('benenn der erst narb langer Zeit, auf Verwendung Don Josefs, wieder gelöst wurde. Von besonderem Interesse dürfte es sein, dass aueb der allbekannte Verfasser des Schulcluin Arurb, Rabbi dos. Taro, seinen Namen unter den betreifenden Bannspruch setzte. Don Josef, unendlich vom Glücke begünstigt, erfreute sieh der Dunst Selim's bis an dessen Lebensende, welches im Jahre 1574 erfolgte. Lnter dem folgenden Sultan Murad IV. sank der Stern des politischen Einflusses des Herzogs von Naxos. aber seine Einnahmen und seine Winden wurden nicht geschmälert, denn Selim batte dies testamentarisch seinem Sohne aufgetragen, dass Don Josef bis zu seinem Tode unverkürzt in seinen Einnahmen und Würden bleiben sollte. — Weniger glücklich als im äusseren Leben war Don Josef in seiner Familie; seine einzige Tochter starb in früher Jugend dahin. — Don Josef starb als öojäriger, am 2. August 1579. nachdem ihm seine Schwiegermutter Donna Gracia und sein Bruder Don Mose zehn Jahre im Tode vorausgegangen waren. Gross war die Trauer bei den Juden aller Gegenden, als ihnen diese Trauerbotschaft wurde. Der Dichter und Kanzelredner Sadja Longo brachte dies in beredter Weise beim Leichenbegängnisse Don Josefs zum Ausdruck. Ich glaube, dass ich — soweit die kurze Zeitspanne es gestattete — die wichtigsten Momente aus dem Leben Don Josef s und seiner Familie vorgeführt habe. Es erübrigt nur noch eines lit. Denkmals zu erwähnen das Don Josefs Xante trägt; es ist dies das Schriftchen dtb p Das Schriftchen. im Ganzen acht Blätter mit Vorrede und Approbation enthaltend, teilt uns den Inhalt einer Disputation mit, die Don Josef mit einem christlichen Philosophen hatte. De Rossi, der nur den Titel des Schriftchens kannte, zählt die Schrift zur antichristlichen Litteratur. Dies ist jedoch unrichtig; denn das Ganze enlhilt nicht ein Wort vom Ohristentume. Im 1. Theil greift der Philosoph die Lehre des Talmuds an, und Don Josef nimmt diesen‘gegen die Lehren der Philosophie in Schutz. Der Philosoph fragt: ..wie kommen die Talmudisten dazu über zukünftige Dinge sich auzulassen, Dinge von denen sie keine Ahnung haben können, da durch den Verstand unerschliessbar.“ Don Josef erwiderte ihm: »Hüte Dich, dass Du nicht fallest in die Grube des Verderbens, des Zweifels, wie es beinahe auch mir durch das Studium griechischer Philosophie ergangen wäre, wenn ich nicht durch Gottes Hilfe den Rückweg zur Schule der Talmudisten gefunden hätte. Nur in der göttlichen Schrift und in der Ausübung ihrer Vorschriften konnte ich wieder Beruhigung linden “ „Die Offenbarung ist’s. welche den Schlüssel zu den Geheimnissen der Natur und des menschlichen Geistes bietet, was die Philosophie. welche auf den unzureichenden menschlichen Verstand sich stützet, nicht vermag.“ — im zweiten Theil wird der Einfluss der Himmelskörper auf die menschlichen Schicksale behandelt. Don Josef treibt den Philosophen mit seinen Ein wänden soweit, dass er ausruft: „Ich will nicht länger mit Dir über den Gegenstand verhandeln, Du könntest mich am Ende noch abbringen von den Lehren der Astrologie.“ Schliesslich kommt der Philosoph noch zu sprechen auf das noch heute ungelöste Problem sni pnje ib rtr yt>n :b vom Unglück der Frommen und dem Glücke der Sünder, welche Frage Don Josef mit dem Hinweis auf die göttliche Gerechtigkeit durch die Vergeltung im Jenseits beantwortet. Das Schriftchen ist bei Lebzeiten Don Josefs in der von ihm angelegten hebräischen Druckerei 1 577 gedruckt worden. Diese hebräische Buchdruckerei wurde auch nach seinem Tode noch weitergeführt von seiner Wittwe Reyna. Ich bin mit meinen Ausführungen nun zu Ende; wir haben Don Josef kennen gelernt, als einen edlen Charakter, als einen Mann, der tief fühlte und empfand für die Leiden seiner Mitmenschen, der lebhaftes Interesse hatte für die Wissenschaft, diese und deren Vertreter in jeder Weise förderte. Judenfeindliche Schriftsteller haben sich bemüht, mit ihrer von Neid und Missgunst geführt en Feder das Bild Don Josefs zu verdunkeln , doch aus ihren tendenziösen Berichten heraus leuchtet hell der edle Charakter des Herzogs von Naxos, der treu hielt zu seinem Bundesgenossen, dem allgewaltigen Herrscher des türkischen Reiches. Die Erinnerung an den Herzog von Naxos in unserer Zeit möge uns ein Sporn sein, gleich ihm unerschrocken einzutreten für alles Edle, Wahre und Gute. Zur Geschichte der Juden in Worms. II. Wormser Flüchtlinge. (Fortsetzung.) d. Samuel Sofer, Samuel (Sanfel) Sofer, Sohn des Aron Benjamin (Wolf) war Gemeindeschreiber und Beglaubigter in W o r m s. Er flüchtete 1689 nach

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