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Der Israelit · 1900-10-22 · Heft 84 (22.10.1900) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 84 (22.10.1900)
Date
1900-10-22
Page
– (sequence 29)
Language
German
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61 zend, nannten sie ihn ..König der Juden.*4 Neue Nahrung erhielt ihr Neid, als Selim am 24. September 1566 seinen Einzug als Sultan in Konstantinopel hielt. Unter den Hofwiirdenträgern, die nach dem Landesbrauch unter Fussbeugung dem neuen Sultan ihre Glückwünsche darbrachten, war auch I)on Josef. Selim hob ihn auf, nannte ihn seinen Freund und Bruder und teilte ihm, während er ihn umarmte, mit, dass er ihn zum Herzog v. Naxos und noch elf anderer Cycladisclier Inseln ernannt habe. Herzog Joset durfte sein Herzogtum nach eigenem Willen verwalten, nur 14000 Ducaten, einen kleinen Theil seiner Einnahme, musste er an die Staatskasse abliefern. Die Juden in ganz Europa und auch die orientalischen Juden, soweit die Kunde davon zu ihnen drang, freuten sich dieser Standeserhöhung ihres Glaubensgenossen unendlich. Als beredten Ausdruck dieser Stimmung widmet Rabbi Elieser Aschkenasi ihm seinen Commentar zum Buche Esther mit den Worten: „Nun das dritte Wal, dass Gott uns solch Glück beschieden; als unsere Ahnen nach Egypten kamen, heisst es: „Josef war der Herrscher im ganzen Lande;*4 als Hamans Racheplan gegen unser Volk glücklich zerstört war, verkündete das Buch Esther; „Mordechai war der zweite nach dem König,*4 und nun zum dritten Male ist Don Josef, Gott möge seinen Ruhm noch vergrössern, Beherrscher eines Landes geworden, ihm zu Ehren nenne ich meinen Commentar zu Esther „Josef Lekacli.44 Don Josef setzte einen Regenten ein, Francesco Corellano, der für ihn die Regierungsgeschäfte übernahm, und die Verwaltung der Inseln zu seiner vollständigen Zufriedenheit besorgte, so dass er ihm im Jahre 1577 eine ansehnliche Schenkung von Ländereien machte. Die betreffende, uns noch erhaltene, auf Pergament geschriebene Schenkungsurkunde beginnt mit den Worten: „Josephus Nasi dei Gratia Dux Ägei Pelagi etc.*4 Solche Macht und Würde in Händen eines Juden schmerzten den Grossvezier Sakolly und die Vei treter der diplomatischen christlichen Höfe bei der Pforte unendlich. Ihr Neid und ihre Missgunst liess sie auf Mittel sinnen, um Don Josef zu verderben; allein er stand beim Sultan so sehr in Ansehen, dass ihre Pläne zunichte wurden. Selbst auswärtige Höfe wussten, durch ihre Gesandten unterrichtet, von Don Josefs Einfluss auf den Sultan und suchten desshalb zunächst Don Josef zu gewinnen, dass er den Sultan für sie günstig stimme. Als im Jahre 1 567 der Friede mit der Pforte abgeschlossen wurde, versäumte es der Kaiser Maximilian nicht, auch an Don Josef ein Handschreiben zu richten und ihm werthvolle Geschenke zu übermitteln. Sigismund, der Polenkönig, wollte einen wichtigen Dienst von der Pforte, er wandte sich gleichfalls an Don Josef, nannte ihn ..durchlauchtigster Ehrst4 und bietet ihm Privilegien für die Juden in Polen. Der Herzog von Oranien schickte im Jahre 1569 einen Vertrauten an Don Josef, damit er den Niederlanden die Hilfe der Pforte gegen Spanien beim Sultan bewirke. Don Josefs Briefe, welche im Interesse der Mauren in Spanien die Hilfe der Pforte in Aussicht stellten, wurden im Staatsrate vorgelesen, und schon hoffte man auf die Hilfe der Türkei, welche auch erfolgt wäre, wenn nicht Sokolly dies hintertrieben hätte. In demselben Jahre hatte Don Josef auch mit Frankreich einen Streit in einer persönlichen Angelegenheit. Der König von Frankreich hatte an den Herzog von Naxos eine sehr hohe Geldsumme zu zahlen, alle Ermahnungen blieben erfolglos. Don Josef liess sieb desshalb vom Sultan einen Ferman ausstellen, der ihm das Recht zusprach, alle französischen Handelsschiffe mit Beschlag zu belegen, bis die französische Regierung ihren Verpflichtungen gegen ihn nachgekommen sein werde. Eine peinliche Missstimmung und ein ausführlicher Notenwechsel, der zu nichts führte, naren die Folge. Da auf geradem Wege nichts auszurichten war, suchte man durch ein Gewebe von Lug und Trug Don Josef zu vernichten. „Der französische Gesandte zu Konstantinopel schrieb an Karl den Neunten von Frankreich, dass er einem gewissen Daout einem Feinde Don Josefs 10,»)00 Thaler und eine Stelle als Dolmetscher beim Könige versprochen habe, wogegen dieser ihm die Mittel an die Hand geben wolle zu beweisen, dass Ew. Majestät dem Juan Miguez, oder Don Josef, wie er sieb jetzt nennt, nichts schuldig sei. Die Schiffe mussten daraufhin frei gegeben werden. Don Josef würde dadurch mindestens 2UO.OOO Thaler und vielleicht auch den Kopf einbüssen, denn Daout verspricht auch noch ferner, dass er Don Josef dem Sultan als Verräter entlarven wolle, da er mit den Feinden des Sultans Briefe wechsle.*4 David Haman, Leibarzt des Sultans, so liiess der Verräter, erhielt den verdienten Lohn seiner schlechten Handlungsweise; nachdem der Sultan den Herzog von Naxos gehört batte, war er von dessen Unschuld überzeugt; die französische Regierung musste ihren Verpflichtungen gegen Don Josef gerecht werden, und David Haman wurde vom Sultan nach Rhodus verbannt. Auch

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