Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1900)
- Date
- 1900-10-22
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Geschick.^dass ein^heiiriger Diplomat dies nicht besser verstehen könnte. Don dosef hielt es jedoch mit Selim , ja er letzte sogar für denselben bei dem Sultan Solyman ein gutes Wort ein. Der Sultan, darüber sehr erfreut, betraute daraufhin Don Josef mit der Ueberbringungy eines bedeutenden Geldgeschenkes an Selim und mit der Nachricht von seiner Versöhinmg^mitjJmi. Selim. der damals Statthalter in Kleinasien war, hocherfreut über das Geschenk und noch mehr über die Versöhnung seines Vaters, sicherte dem Deberbring er seine dauernde Freundschaft zu lmd^ernannte ihn zugleich zu seinem Mufafanca (Adjutanten) mit einem täglichen Gehalt von 58 Aspern — etwa öS Thaler nach unserer Münze. — Josef war nun nicht sparsam, um sich die Gunst seines hohen Gönners zu erhalten; die edelsten Cyperweiue und die vorzüglichsten Leckerbissen lieferte er für die Tafel des Statthalters, bedeutende Geldmittel sandte er an dessen Kassenverwaltung. Als Selim wieder einmal den funkelnden Saft der Cypertraube, den Don Josef ihm geschickt hatte, mit heller Freude begrüsst hatte, meinte Don Josef, dass eine Eroberung Cyperns leichter Beschaffung diesesWeines ermögliche. ..Wenn ich Cypern erobern werde, sollst Du König von Cypern werden.“ y Don Josef, deUgern- Rache geübt hätte an den Venetianern für die Gewaltakte und Bedrückungen, die sie ihn und seine Glaubensgenossen hatten erfahrenj lassen, ruhte nicht, bis Selim. der 1566 Sultan geworden, einen Brand im Arsenal zu Venedig. dem fast sämmtliehe Wallen zum Opfer fielen, benützte, und den Venetianern dieses herrliche Eiland im Kriege wegnahm. Don Josef wurde infolge der Quertreibereien der Bötlinge wohl nicht König von Cypern, wenigstens aber hatte er die Gfenugfhuung, den Venetianern diese reiche, gesegnete Insel veiTustigygemadit zu haben. I >er Sultan war Don Josef für den Bat zur Eroberung Cyperns stets dankbar und nahm ihn und seine Angehörigen in ganz hervorragender Weise in Schutz. Als der Herzog von Ferrara den Bruder Don Josef. Don Samuel Nasi, an dev Auswanderung nach der Türkei verhindern wollte, liess ihm der Sultan durch den Grossvezier Küstern den Befehl evtheilen, Don Samuel „den Bruder des Musters der Angesehenen, des Don Josef Nassi unverzüglich nach Konstantinopel zu entlassen." Don Samuel, der in Konstantinopel den Namen Don Mose annahm, wurde vom Sultan freundlich aufgenommen und erhielt eine einträgliche Stelle an dessen Hofe. Auch schon früher hatte Selim unserem Don Josef seine Gunst in hervorragender Weise bewiesen. Auf Veranlassung Selims hatte ihm dessen Vater die Stadt Tiberias und deren Umgegend, im Ganzen sieben Städte, zum Geschenke gemacht. Tiberias war, wie Josef Hakohen in seinem Emek Habacha berichtet, damals gänzlich zerstört. Don Josef schickte einen Stellvertreter, Josef ben Adret nach Tiberias, damit er sein neues Besitztum wieder auf baue. Selim versah Josef ben Adret mit einem Ferman, mit dem Siegel des Sultans an die Paschas von Damascus und Safed und setzte ihm einen täglichen Gehalt von 60 Aspern aus. Der Ferman besagte, dass die Paschas die Einwohner der Einöden und der nächstliegenden Orte zur Arbeit zu beordern hätten. Willig gehorchten die Moslim; des Beherrschers Aller Gläubigen Siegel imponirte ihnen. Ein Unterbeamter, der den Fortgang der Bauarbeiten mit Neid verfolgte, hetzte die Arbeiter auf, indem er ihnen eine angeblich mohamedanische Legende vorhielt, wonach der Islam untergeben werde, sobald Tiberias erbaut sein werde. Dies genügte den abergläubigen Anhängern des Islam, um die Arbeit niederzulegen. Erst, nachdem der Pascha von Daniascus an den Arbeitern türkische Justiz geübt hatte, konnte Josef ibn Adret den Bau weiterführen. Nach dreijährigem, ununterbrochenen Arbeiten konnte Ibn Adret 1564 unserni Don Josef berichten, dass Tiberias bereits eine Ausdehnung von 5000 Fuss erlangt habe, und sämmtliche Häuser in schönem Banstyl angelegt seien. Don .Toset sorgte nun dafür, dass den Einwohnern der neuen Stadt auch ein neuer Nahrungs - zweig eröffnet werde. Er liess ausserhalb der Stadt Maulbeerbäume anpfianzen, als Futter für Seidenwürmer, welche bei dem heissen Klima vorzüglich gediehen. Aus der hierdurch gewonnenen Rohseide liess Don Josef in eigens dazu angelegten Fabriken in Tiberias nach venetianisrhem Muster Seidenstoffe fahr Liren. Ein Tourist, Eurer v. Hannendorf, der 1566, kaum zwei Jahre nach vollendeter .Restauration TL berias, diese Stadt besuchte, schreibt darüber: „Der See Tiberias. an welchem Tiberias liegt, und dahin et lieh schöne Gebäumd gebäumt werden von einer reichen Jüdin, deren es von den Türken erlaubt worden.“ In dieser reichen Jüdin linden wir in einer uns bereits bekannten Persönlichkeit, Donna Gracia, die Schwiegermutter Don Josefs, welche die Mittel zum Aufbau Tiberias reichlichst zur Verfügung stellte. Die Feinde Don Josefs konnten ihren Zorn nicht unterdrücken, und spöttisch, anscheinend scher-