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Der Israelit · 1900-10-22 · Heft 84 (22.10.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 84 (22.10.1900)
Date
1900-10-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1716 aus bereu äußerer Adresse das Prädikat „Herr" vollständig fehlte, statt dessen war aber zu lesen: „An die jüdischen Händler" und „An den jüdischen Kaufmann", und dann folgten die Namen. Das „Herr" fehlte also, statt dessen hatte man es für gut befunden, die Konfeffionszugehärigkeit der Adressaten zu erwähnen. Das eine ist nicht höflich, das andere ungewöhnlich, denn man schreibt nickt „An den christlichen Kaufmann Schulz," sondern „An Herrn Kaufmann Schulz." So wird es auch seitens der Behörden gehandhabt, die Methode der erwähnten ist daher ungehörig. Ein anderer Amtsvorsteher wies nach einem Jahrmarkt auf die den Marktplatz bedeckenden Papier-lleberreste und sprach laut in verächtlicher Art von „Judenpapieren." Von diesem Herrn ließen sich noch andere Heldenthaten erzählen. Einem Amtsvorsteher klagte ein greiser Jude, dem eine Rotte das Haus beschädigt hatte, sein Leid und bat um behördlichen Schutz. Ihm wurde die klassische Antwort zu Theil: „Sie könnten sich selbst am besten schützen, geben Sie nur den Mörder heraus." Einem jüdischen Gastwirth gab sein Amtsvorsteher den Rath, er solle sich doch vor die Fenster im ersten Stock auch Läden machen lassen, dann könnten die Scheiben nicht entzwei geworfen werden, und im übrigen fei doch die ganze Sache harmloser Art. Wie harmlos es gewesen, ist jedoch daran zu ermessen, daß zu dem Bombardement deS Hauses jenes Gastwirthes Steine im Gewicht bis zu fünf Pfund benutzt worden sind, wie ich nach eigenen Anschauungen festzustellen in der Lage geivesen bin. Doch genug von diesen Beispielen, die ich nicht anführe, um zu denunziren, denn sonst hätte ich Flamen nennen können. Mich leitet nur die Absicht, vorzubeugen, ähnliches nach Möglichkeit zu verhüten . . ." Da die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung leider wenig Hoffnung lassen, daß das Dunkel der Thäterschaft doch noch aufgehellt werden würde, spricht der Verfasser zum Schluß den sehr berechtigten Wunsch aus, daß die Regierung durch eine authentische Darstellung des Sachverhaltes und des Ganges der Untersuchung einer weiteren Legendenbildung vorbeuge. Im Besitz der Behörden befindet sich aber ein kolossales Aktenmaterial, in dem den ärztlichen Gutachten und ähnlichen eine nicht unwesentliche Bedeutung innewohnt. Ueber die Untersuchung und deren Begleiterscheinungen durchschwirren die tollsten Erzählungen die Luft, die nicht wenig zur Verwirrung der Gemllther beitragen. Es ist fall unglaublich, was alles aus den antisemitischen Zeitungsberichten heraus in das Volk gedrungen und trotz aller Widerlegungen haften geblieben ist. Hier vermag nur eine amtliche Darstellung Abhilfe zu bringen, eine in knappen Umrissen verfaßte, authentische Darstellung des Leichenfundes, der Gutachten und des Ganges der Untersuchung, sowie der Unschuldsbeweise für die verdächtigt gewesenen Personen. Eine derartige Darstellung sollte die Regierung veröffentlichen; möge sie recht bald erfolgen. Nürnberg, 17. Skiober. Gegen den Protestant. Hilfsgeistlichcn Wi r th ist wegen einer beim Religionsunterricht in der Volksschule über die Konitzcr Mord- Assaire angeblich gemachten antisemitischen Aenßerung eine Diseiplinaruntersuchnng eingeleitet worden. (Wirrh sollte nach der Darstellung des Nürnberger sozialdemokratischen Blattes in der Schule gesagt haben, „in der Nähe von Berlin habe ein Jude einen Ehristen abgeschlachtet, weil er von bemfelbctt das Blut hätte haben wollen Herr Wirth habe noch Hinz..gefügt, „einem Juden dürfe man nicht so viel znwenden, wobei er mit den Fingern geschnalzt habe, iveil sie die Leute be." In einer im „Frk. .Stur." veröffentlichen Erklärung Halle Wirtb ans diese Beschuldigung n. a. Folgendes erwidert: „Ich hatte in der fraglichen Klasse das christliche Glanbenvbekenntniß, speziell die Lehre von der Versöhnung zu behandeln. Daran anschließend habe ich den Kindern nahegelegt, daß es für uns Menschen nur ein Versöhnungsmittel gebe, das Blut desSlisters der christlichen Religion. Weiter wurde gesagt, wie im alten Testament das Blut von Thicren vorbildlich als Brrsöhuungsmittel angesehen wurde, wie aber das Blut von Thieren in Wirklichkeit ebenso w,nig als das Blut von Menschen eine versöhnende Kraft haben könne. Ganz von selber ergab sich von diesem Zusammenhang ein Hinweis ans d.n die Gemnther im höchsten Grade ansregenden Mord in Könitz, der bei der heutigen Verbreitung von Zeitungen auch Kindern zu Ohren gekommen fein mußte: Man lese seit geraumer Zeit viel davon, daß in genanntem Orte ein Gymnasiast ermordet wurde, und es werbe vielfach behauptet, ein Jude sei der Mörder. Die Verhandlungen hätten dies allerdings nicht erwiesen. Im alten Testament selber stiinde auch nichts davon. Falls inan allerdings solcher Dinge von - eiten heutiger Inden sich versehen müßte, wäre es gerathen, den Inden in jeder Beziehung ans dem Wege zu gehen. Das war meine Dailegung. Ich habe also die Ermordung des Gymnasiasten Winter nicht als Thatsache hingestellt, vielmehr darauf hingewiesen, daß ein stichhaltiger Beweis dafür nicht erbracht fei. Fenier waren meine Ausführungen nicht polemischer Art, sondern dogmatischer Art." Der „Frank. Stur." hatte zu diesen Ausführungen bemerkt: „Ans der Erklärung geht hervor, daß Herr HUssgeistlichec Wirth den Mord von Könitz in einer Weise behandelt hat, welche voraussehen ließ, daß die Kinder sie als eine Bestätigung der antisemitischen Hetzereien auffasscn würden. Ob nun eine Tendenz vorliegt oder nicht -- wir glauben, daß es in Nürnberg kaum Einen geben wird, welcher nicht unserer Meinung ist, daß derartige Erörterungen nicht vor Kinder und am Allerwenigsten von Seite eines Geistlichen gehören, und daß es zum Mindesten ein großer Mangel an Takt war, in dieser Weise die Veranlassung zu Erörterungen zu geben, welche vergiftend aus das Kindergemüth wirken müssen. Für's Erste ist es an den Schulbehörden, hier einzugreifen. Aber auch die Oeffentlichkeit hat nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, die Schule, das Werthvollste, was ein Volk besitzt, gegen ein derartiges Hereintragen bedenklicher politischer Agitationen — mag es beabsichtigt sein oder nicht — zu schützen. (Augsb. Abend-Ztg.) Wurzburg, 18. Ott. Im Januar d. I. war dem israelitischen Metzger Jakob Frank in Haßfurt in der

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