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Der Israelit · 1900-10-22 · Heft 84 (22.10.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 84 (22.10.1900)
Date
1900-10-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41. Jahrgang. ZLeikage zu M 84 des „Israelit". Literarisches. Jüdischer Volkotalendcr für das Jahr 5661. Herausgegeben im Austrage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Vierter Jahrgang. Preis 50 Pfg. Leipzig. M. W. K a u f m a n n. Der vorliegende Kalender beginnt mit der Ankündigung einer Frankfurter Wurstfabrik und schließt mit dem Hinweis aus eine Anstalt für Nerven- und Gemüthskranke. Was dazwischen liegt, theilt sich in zwei D heile: in den eigentlichen Kalender und die üblichen Beigaben, lieber den eigentlichen Kalender ist nicht viel zu sagen. Er zählt die Jahre noch nicht nach der Entstehung des Zionismus, sondern nach Erschaffung der Welt, wie alle anderen jüdischen Kalender. Den bei weitem größten Theil füllen die Zuthaten aus, lvelche in kleinen Gedichten, Abhandlungen, Erzählungen u. dgl. bestehen. Der Umstand, daß die Verfasser dieser Beiträge fast ausschließlich keine deutsche Juden sind, spricht in einer Publikation der Zionistischen Vereinigung für D e u t s chl a n d , nicht dafür, daß der Zionismus genügend Federn von Juden deutscher Nationalität zur Verfügung hat. Doch dies nur nebenbei. Wir sprechen nur davon, weil bei Produktionen dieser Art die Haupsache die Nebensache, und die Nebensache die Hauptsache ist. Der Kalender ist nur die äußere Form, die Etiquette, unter welcher die zionistische Propaganda betrieben und in die breiten Schichten des Volkes getragen werden soll. Dagegen ist gewiß nichts einzuwenden, besonders iDCim es in der Weise geschieht, wie es bei diesem Kalender der Fall ist. Wenn sich diese Beigaben aber nicht aus mehr oder weniger schöne Phrasen und Gedichte zur Verherrlichung des Zionismus beschränken, sondern Oiebiete des Judenthums in der Weise behandeln, wie es hier geschieht, so scheint es doch geboten, dem durch einige Worte entgegen zu treten. Wir greifen zu diesem Zweck den Aufsatz „Die jüdischen Propheten" heraus, die hier auf drei Duodezscitchen von einem Herrn Dr. Alfred Nossig abgehandelt lind erledigt werden. Wir haben den Namen dieses Verfassers bei diesem Anlaß zum ersten Male zu Gesicht bekommen und entnehmen einem späteren Aufsatz dieses Oalenders, daß auch die Noffig'sche Wiege weit im polnischen Osten gestanden und daß derselbe von einem Herrn Dr. Zloristi als llniversalgenie gefeiert wird. Wir sind nicht sachkundig genug, um die Leistungen des Herrn Nossig aus den verschiedenen Gebieten seiner vielseitigen Dbätigekeit richtig würdigen zu können, aber wenn die Verfechter des Zionismus nicht über mehr! Gründlichkeit und Redlichkeit verfügen, als Herr Dr. Nossig's Bemerkungen über die jüdischen Propheten bekunden, dann ist es schlimm damit bestellt. Wenn Herr Nossig in den Propheten keine Wunderthäter erblickt und das Prophetenthum, allerdings mit gewissen ausdrücklich betonten Vorbehalten, mit der heutigen Journalistik vergleicht, so ist mit dieser individuellen Ansicht bier weiter nicht zu rechten. Wenn aber kür diese 'Allüren als Gewährsmann kein geringerer als der Nambam, Maimonides, angeführt tvird, und die Stellen seiner Werke wörtlich angeführt lverden, so muß :uan üch dieselben doch ein wenig an der Quelle ansehen. Wer sich diese Mühe nimmt und die beiden Citaie. die hier aus dem Mora und dem Jad Hachaseka angeführt sind, an Ort und Stelle nachsieht, der findet, daß dort das vollendete Gegentheil dessen steht, was hier von ihnen behauptet wird. Einen solchen Mißbrauch des Vertrauens, das doch Jeder in Anspruch nimmt, der öffentlich das Wort führt, hätten wir thatsachlich nicht für möglich gehalten. Er bat uns die Lust benommen, uns in den ferneren Inhalt dieses Kalenders zu vertiefen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. ini Olt. Ueber den Konitzer Mord und seine betrübenden Begleiterscheinungen ist eine Broschüre von Gustav Sutor iVerlag Hugo Schildberger, Berlin) erschienen, die sich der dankenswerthen Aufgabe unterzieht, den antisemitischen (Entstellungen des Thatbestandes und den wischen Darstellungen der Ergebnisse der Untersuchung durch eine auf guten persönlichen Jnsormationen gestützte objektive Schilderung der Vorgänge in Könitz entgegenzutreten. Es ill ein wenig erfreuliches Kulturbild, das der Verfasser zeichnet. Welche schlimme Wirkungen die verhetzende Thätigkeii der Antisemiten im Gefolge gehabt hat, tritt ganz besonders in einem den amtlichen Verkehr von Verwaltungsbeamten des platten Landes mit den jüdischen Einlvohnern schilderndes Kapitel in die Erscheinung. Der Verfasser schreibt in dieser Beziehung: „Vor dem Gesetze sollen wir alle, ob Christen oder Juden, gleich sein und jeder Bürger hat, so lange er der allgemeinen Achtung würdig ist, das Recht, zu verlangen, von den Behörden und deren Vertretern in allgemein üblicher Weise als anständiger Mensch behandelt zn werden. Nun sind mir aber amtliche Schriftstücke, ausgefertigt von Amtsvorstehern, zu Gesicht gekommen,

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