Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 84 (22.10.1900)
- Date
- 1900-10-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1717 antisemitischen „Neuen Bav. Landesztg." nachgeredet Uwrden, er besudele das zum Berkaus an Christen bestimmte Fleisch sowie sein Schlachthaus mit Urin. Frank klagte und nacb österem Vertagen kam die Sache nunmehr am Sch'össengericht zum Austrag. Memminger mißlang der Wahrheitsbeweis und die Schössen verurihcilten ihn zu 20 Mk. Geld st rase. Oe ft er r. - Ungar. Monarchie. Wien. ((* i n jüdischer Veteran vor d e m st a i s e rO Bei der Anlvesenheit des Kaisers bei den galiziicben Manövern befand sich unter dem Publitun', 'welches vor der Residenz des Kaisers in Jaslo Ausstellung genommen hatte, ein alter Jude in langem Kaftan mit mehreren Medaillen aus der Brust. Der Kaiser batte aus dem Wege von der Residenz zum Zelte den Alten bemerkt und ging auf ihn zu. Unter den Medaillen, die der Mann trug, befand sich die große silberne Tapferkeitsmedaille. Der Kaiser fragte ihn, bei welcher Gelegenheit er diese Medaille erhalten habe. Der Alte antwortete, daß er die silberne Tapserleitsmedaille als Feldwebel im Feldzüge von 1869 bei Magenta für einen Bajonnetangriff erhalten habe. Daraus fragte ihn der Kaiser, woher er sei, und wie er heiße. Gr antwortete, daß er Abusch Weiß heiße und in Vrzozow bei Sanol wohne. Mit der Bemerkung- „Es hat mich gefreut, Sie bier zu sehen," schloß der Kaiser die Unterredung. Abusch Weiß tnurde hierauf in die Cabinetstanzlei beschieden und erhielt die mit der großen silbernen Dapferkeitsmedaille verbundene Zulage, die er bis nun nicht bezogen batte. Budapest, 18. Ott. Der hauptstädtische Magistrat überließ der Pester israelitischen Kultusgeineinde vor einigen Jahren einen an der Ecke der Markt- und Koharvgaste gelegenen Grund mit der Bedingung, daß die .stultusgemeinde ans dem Grundstücke binnen acht Jahren einen Temvek erbaue. Dieser Dermin ist zwar noch nickst abgelaufen, doch erstattete die Gemeinde dem Magistrate seist die Meldung, daß sie den Bau des Tempels im nächsten Frühjahre in Angriff nehmen werde. Dieser Tempel wird, wie die „Corr. Hung." erfährt, einer der größten und prächtigsten des Kontinents sein. Bndapest. Ein interessanter Fall, der zum Conflikt zwischen den städtischen und den Polizeibehörden geführt hat, entspann sich in Folge der hier geltenden Vorschrift, daß nur Drejenigen Gottesdienst an den hohen Feiertagen veranstalten dürfen, denen die jüdische Eultusgemeinde ihre Zustimmung dazu ertheilt hat. Der Tbatbestand ist folgender: Der Budapester Einwohner S. Goldstein richtete an die Theresienstädter Bezirtsvorsteher die Bitte, im Hause Fabrikensiraße 48 für die Dauer der israelitischen Feiertage ein Betlokal errichten zu dürfen. Da dem Gesuche die vorschriftsmässtge Zustimmungserklärung der israelitischen Gemeinde nicht beigelegt war, wurde das Gesuch abschlägig beschieden. Trotzdem erösfnete Goldstein das Betlokal. > Die israelitische Religionsgemeinde beschwerte sich bei der sechsten Bezirksvorstehung und diese wandte sich an die Polizei mit dem Ersuchen, zu interveniren, und wenn cs nothwendig, das Betlokal mit Gewalt zu sperren. Tie Polizei lehnte jedoch die Intervention mit der Motivirung ab, daß sie ans eigner Initiative die Andachts- Übungen im Betlokal Nicht stören wolle. Die Bezirksvorstehung ermittirte nun eines ihrer Organe zu Goldstein, welcher jedoch die Aufforderung, das Betlokal zu schließen, ignorirte. Das Organ der Bezirksvorstehung verfügte sich nun zur Polizei, wo ihm aus seine dringliche Bitte ein Detektiv und ein Konstabler beigegeben wurden. Er erschien in ihrer Begleitung — es war am Persöhnungstage — im Betlokal und richtete an Goldstein die neuerliche Aufforderung, das Lokal zu evakuiren und dann zu schließen. Goldstein weigerte sich jedoch, zu gehorchen, woraus der Beamte an die Polizeiorgane die Aufforderung richtete, ihres Amtes zu walten. Anstatt aber zu interveniren, machten Detektiv und Konstabler kehrt, so daß der Bezirksbeamte, allein gelassen, auf die Fortsetzung seiner Mission verzichtete und gleichfalls den Heimweg antrat. B Frankreich. Paris. Ein kostbarer jüdischer Schatz befindet sich, fast von Niemandem beachtet, aus der Pariser Weltausstellung. Auf dem Trocadero in dem von den Jesuiten errichteten Pavillon der katholischen Missionen, befindet sich auf der Gallerte des ersten Stockes, mitten unter Reliquien, christlichen Neligionszeichen und anderen, keineswegs dazu paffenden Gegenständen, sorgfältig hinter einem Bitrin geschützt, eine Thorarolle. Ern daneben liegendes, in französischer Sprache geschriebenes, aber in China gedrucktes Buch bekundet, daß diese heilige Rolle für dir jüdische Synagogengemeinde von Kai-söng-su der chinesischen Provinz Honan geschrieben worden ist. Vom jüdischen Standpunkt aus betrachtet, gehört diese Thora rolle wohl zu den seltensten Schätzen dieser an Seltenheiten so reichen Ausstellung, und selbst im Kopfe eines jüdischen Laien taucht beim Anblick derselben eine ganze Reihe von Fragen auf. Zu dem hohen Alter dieser Thorarolle tritt noch die Thatsache hinzu, daß sie von einem chinesischen Juden geschrieben worden ist. Hat nun der Schreiber dieser Thorarolle die Mafforethen, welche im 7. Jahrhundert den jetzigen Tert der Bibel festgesetzt haben, gekannt? Und wenn nicht, welche Abweichungen mag wohl der Text der Thorarolle von Kai-söng-fu von dem Unseligen ausweisen? Solche und ähnliche Fragen ließen sich ziemlich genau beantworten, wenn der Schatz von Kai-föng-fu ocn einem Sachverständigen eingehend besichtigt werden könnte. Wie die Thorarolle von Kai-föng-su in die Gefangenschaft der Jesuiten gerathen sein mag, ist uns unbekannt, wir wissen nur, daß für dieselbe ein ziemlich hohes Lösegeld — 30,000 Frcs. — gefordert wird. Ob sich wohl ein jüdischer Mäcen finden wird, der diese Summe zahlt? T.