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Der Israelit · 1900-10-22 · Heft 84 (22.10.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 84 (22.10.1900)
Date
1900-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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171L Präsident: Sie sollen vor Ihrer Verhaftung einen freund gebeten haben, Sie zu verbergen, Sie hätten den Polizeikommissar Block todtgeworfen. Angeklagter bestreitet dieses. Bei seiner polizeilicken Vernetzung sei er mißhandelt worden und deßhalü habe er schließlich zugegeben, was inan ihn gefragt habe, um sich vor weile cen Mißhandlungen zu schützen. Angeklagter bat aber auch bei den gerichtlichen Vernehinnngen vor ztvei verschiedenen Richtern die gleichen Arrssagen gemacht, wie bei der Polizei, heute bestreitet er Alles. Angeklagter Kniewel befand sich bei der Menschen- .nenge, die Rachmittags ans dem Markte Hep Hep gerufen hat, und wurde vom Polizeikommissar Block aufgefordert, mit ihm zur Wache zu kommen. Er leistete dieser Aufforderung kein Folge, warf sich zur Erde und mrißte von Polizeibeamten zur Wache getragen werden. Er ist derjenige, dessen Freilassung die Menge vor dem Rathhause forderte, obgleich er bald nach seiner Sistininq wieder frei ge lassen worden war. Besitzer AugustKath bestreitet, aufreizend auf die Menge eingewirkt zu haben. Angeklagter Gatz: Ich bin am 10. Juni zur Kirche gegangen, habe nachher gesehen, wie Steine zum Hause des Kaufmannes Bluhm geworfen wurden, ich selbst warf nicht. Sväter ging ich zur Synagoge, dann zur Dauzigerstraße,!vo ich beim Kaufmann Tuchler eine Scheibe ein schlug, gedacht habe ich mir dabei nichts. Tann ging ich zum Lokal von Rhode und als dies geschlossen tvurde, toieder zum Markt. Hier sah ich, >vie zahlreiche Scheiben eiugeschlagen wurden, ich selbst warf nicht, rief aber Hep Hep. -- Das Schwurgericht fällte das Ilrtbeil in dem Prozeß wegen des Krawalls am IO. Juni. 10 Augetlaglc wurden unter Zubilligung mildernder Umstände verurtheilt, 1 freigcsp ocheu. Es eihst-llen: rin Arbeiter wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt 0 Monate Gesäuguiß unter Anrechnung von 4 Monaten Unter* suchungshatt, Arbeiwr Gaß wegen einfachen Laudfriedeiisluttchs 0 Monate Gejängniß unter Aurechunug von Monaten Untersuchungshaft, Knecht Eohr wegen schweren Landsr'wdensbrucks l> Monate Gefängnis;. Die Lehrlinge Gierschcwski »ud Werner, die des einfachen Landfriedensbruchs schuldig befunden wurden, wurden unter Berücksichtigung, daß ihnen die Einsicht in die StrafbarkOt ihrer Handlungen gefehlt haben, ihren Familien überwiesen. Schneidcmnhl, 1L. Skt. Der hiesige christliche Barbier P. hatte vor einigen Monaten mit dem jüdischen Glasermeister L. Streit gehabt, weßhalb ihn Letzterer wegen Beleidigung verklagte. Der Herr Barbier glaubte sich hierfür am besten dadurch zu rächen, daß er die ihm zugestellte Terminvorlage mit einigen antisemitischen Bilderbogen vom sog. Blutmärchen in's Schaufenster häugte. Aber nur kurz war seine Augenweide, denn bald darauf ersuchte ihn im Namen des Gesetzes der hiesige Polizeikommissar, der ans Veranlassung der Herren Berliner u. Edel hingeschickt wurde, sein Schaufenster von solchem Unfug zu säubern. Da der Barbier durch das Aushängen obengenannter Bilderbogen eine große Menschenmenge herbeigelockt hatte, verurtheilte ihn der Vürgermcister zu 20 Mk. Ordnungsstrafe. Hiergegen legte er beim Schöffengericht Berufung ein. Das Schöffengericht erkannte ihn der Aufreizung zui.r Klassenhaß für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Geldstrafe von XO Mt. Auch mit diesem Urtheil begnügte er sich nicht und appellirte an die Strafkammer. Diese hob das Urtheil der Vvrinstanz auf und erkannte aus eine Geldstrafe von 00 Mk. Hoffentlich wird sich der Herr Friseur mit diesem Urtheil zufrieden geben und keine Lust mehr verspüren, seine antisemitische Gesinnung durch Aushängen derartiger Bilderbogen zum Ausdruck zu bringen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. 2Lien, 17. Okt. (G a l i z i s ch e Justiz.) Von der berüchtigten galizischen Justiz ist jetzt wieder Einiges zu berichten. Sie hat nüeder einmal die allgemeine Aufmerksamteit auf sich gezogen. In diesem Sommer fand in Tarnopol ein Prozeß gegen einen Juden statt. Der Staatsanwalt, Leo Saß Ritter von Bereznicki, benutzte diese Gelegenheit, um eine antisemitische Rede ärgsten Kalibers vor den Geschworenen loszulassen, deren Schlußworte lauteten: „Ihre lder Inden) Religion gestattet nicht blos, sie gebietet, Betrügereien zu ihrer Erhaltung zu verüben; zu solchen Jüdlein gehört auch der Angeklagte." Ein Wiener Advokatenblatt, das „Barreau", nahm diesen Vorfall zum Anlaß einer scharfen Kritik, der man durchaus batte beistimmen können, wenn nicht die gerechte Sache, für die das „Barreau" eintrat, durch die von ihn, gegen den betreffenden Staatsanwalt gebrauchten Schtmpfivortc, wie „lumpiger Anwalt des Staates," „Schweineseele" und Aehnliches kompromittirt worden wäre. Mit ebensoviel Recht, aber auch ebensoivenig Formgewandtheit polemisirte das bezeichnete Organ auch gegen drei andere nette Früchte des galizischen Richterstandes, nämlich die in Skole fungirenden Gerichts-Adjunkten Eustach Dudrowiez, Joseph Drzvmalik und D. Johann Bejnakowicz, die als „lumvige Gesellen im Talar" u. a. apostrophirt wurden. Bon galizischen Richtern und Behörden ist man es nun schon langst gewöbnt, das; sie auf die schärfsten Angriffe, die ihnen vft genug in der galizischen und westösterreichischen Presse zu Theil werden, gar nicht reagiren, wobei allerdings bemerkt werden muß, daß solche Angriffe, von politischen Journalisten geschrieben, sich sonst immer streng im Rahmen des Thatsächlichen gehalten haben. Von den vier erwähnten galizischen Justizbeamten aber wurde eines Tages die Kunde laut, daß sie gegen das „Barreau" in Wien klagen werden. Was war geschehen? Warum sollten galizische Beamte plötzlich von der Taktik der „stillschweigenden Verachtung" gegenüber Preß- )■% i i »MMMWWWWW

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