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Der Israelit · 1900-12-13 · Heft 99 (13.12.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 99 (13.12.1900)
Date
1900-12-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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deren Ausführung Dich hoffentlich von Deiner merkwürdigen Ansicht kuriren wird. Nun sage mir, was glaubst Du, hat Gott dem Herzog Fernando von Bragenza eher bestimmt, eine spanische Prinzessin oder eine Obstverkäuferin vom Markte?" „Wie könnte ich so vermessen sein, mir auch nur den Anschein zu geben, als wüßte ich, was Gott bestimmt hat, wo doch ein Mensch nicht einmal die Gesinnung eines anderen Menschen kennt. Hat Ew. Majestät sich bereits vergewissert, daß der Herzog geneigt ist, eine spanische Prinzessin zu heirathen?" „Gewiß!" erwiederte etwas gereizt der König. „Vor dem ausgesprochenen königlichen Willen treten alle Neigungen und Abneigungen zurück. Der Herzog ist, wie alle königliche Prinzen, gebunden an die Frau, welche der König bestimmt, mag sie nun Prinzessin oder Obstverkäuferin sein. Um Dich nun von Deinem Jrrthum zu überzeugen, stehe ich von der Verheirathung des Herzogs mit einer spanischen Prinzessin ab, und lasse ihn eine Obstverkäuferin heirathen." „Eine Obsthändlerin? Aber diese wäre ja nicht hoffähig, warum sollte Ew. Majestät den Herzog zu einer solchen Verbindung nöthigen?" „Nur um Dich zu überzeugen; Du wirst doch dann nicht länger glauben, daß dem Herzog vom Himmel eine Obstverkäuferin vom Markte zur Frau beschieden war, sondern zugeben müssen, daß das ausschließlich mein Werk ist. Was die Hoffähigkeit betrifft, so hindert mich nichts, der Frau des Herzogs nach einigen Monaten die Titel und Würden zu verleihen, welche ihr den Zugang zum Hofe öffnen. Von Dir aber verlange ich, daß Du Deinen Jrrthum einsiehst, daß diese Ehe nicht Gott gestiftet hat. sondern daß ich der Ehestifter bin." Don Abarbanel schwieg. Einen Augenblick trug er sich mit dem Gedanken, seinem königlichen Herrn zu antworten, daß eine solch ungewöhnliche Ehe erst recht von Gott bestimmt sei, auch wenn Se. Majestät die Nolle des Ehevermittlers übernehme. Aber er durfte es jetzt nicht wagen, durch Rede und Gegenrede den König noch mehr in seiner Opposition zu bestärken. Er konnte daher nichts Besseres thun, als jede Gegenrede für's Erste zu unterdrücken. Der König erhob sich, reichte dem Verwalter seiner Finanzen die Hand und entließ ihn mit den Worten: „Es bleibt also dabei. Du stimmst mir zu, wenn der Herzog eine Obsthändlerin heirathet, so ist Gott nicht der Stifter dieser Ehe und ich räume Dir dagegen ein, daß die Ehe des Herzogs vom Himmel beschlossen ist, falls er irgend eine andere Frau heirathet, die nicht Obsthändlerin ist. Einverstanden?" Don Abarbanel verneigte sich tief vor seinem Herrn und ward in Gnaden entlassen. II. Als der König allein war, glitt ein zufriedenes, heiteres Lächeln über seine milden Gesichtszüge. König Alfonso war von der Weisheit und Lebensklugheit und ebenso von der unbedingten Treue seines Finanzverwalters tief durchdrungen. Aber er war ein leidenschaftlicher Freund von Disputationen über religiöse und philosophische Gegenstände. Bei solchen Anlässen hatte sich der hochgebildete, weltkluge Don Abarbanel immer als der überlegene gezeigt. König Alfonso hätte ein Stück seines Reiches darum gegeben, seinem jüdischen Rathgeber einmal einen Jrrthum nachzuweisen. Deshalb bereitete es ihm gar keine Skrupel, dieser, seiner Schrulle, das Lebensglück seines Vetters zu opfern. Von einem Opfer konnte auch in Wirklichkeit kaum die Rede sein. Er wollte ihm eine junge, hübsche Obstverkäuferin aussuchen, mit welcher die Honigmonate seiner Ehe zu verleben, ihm keine große Ueberwindung kosten sollte. Nach Verlauf derselben sollte der jungen Frau auch die zum Erscheinen am Hofe nöthige Rangerhöhung werden, was spräche auch dagegen? Er brannte vor Begierde, den Plan sofort auszrssühren, um Don Abarbanel möglichst rasch seines Jrrthums zu überführen. Der König setzte sich an seinen Schreibtisch nieder und schrieb einige wenige Zeilen an den Herzog Fernando von Bragenza, des Inhalts: es sei sein königlicher Wunsch, daß der Herzog die Ueberbringerin dieser Zeilen heiratbe und daß weder er, noch sie, das herzogliche Palais verlasse, bis sie die angetraute Gattin des Herzogs sei. Er setzte Namen und Siegel unter die verhängnißvollen Zeilen, legte sie zusammengefaltet in ein Couvert, versah dasselbe mit Adresse und Siegel, legte Hut und Mantel an und verließ das königliche Schloß mit dem Brief in der Tasche. Auf dem äußersten Ende des geräumigen Platzes vor dem Schlosse machte er Halt. Niemand hatte bis dahin den Mann mit dem tief in's Gesicht gedrückten Hut als den König erkannt. Auf dieser Seite des Schloßplatzes war eine große Anzahl Buden, in welchen junge, hübsche Mädchen Melonen, Citronen, Orangen und andere Südfrüchte verkauften. Der König musterte einige Minuten die Händlerinnen, dann trat er an die keckste, durch ihren schlanken Wuchs und ihre Schönheit die andern überragende, heran, kaufte einige Melonen und legte dafür einen Dukaten in die Hand der glückstrahlenden Verkäuferin. Diese sah dem noblen Käufer in die von dem Hut beschatteten Augen, und brach erröthet und verworren in die Worte aus: „Ihr seid es, Majestät?" Der König legte, zum Zeichen, daß die Angeredcie schweigen solle, den Finger auf den Mund und fragte mit leiser Stimme: „Weißt Du wohl, wo der Palast des Herzogs von Bragenza ist?" „Gewiß weiß ich es; er ist unmittelbar hinter der großen Kathedrale." „Ganz recht, mein Kind. Würdest Du mir wohl dieses Briefchen sofort dorthin bringen und dafür

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