Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 99 (13.12.1900)
- Date
- 1900-12-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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■i . 7 *072 Diese „Greener" haben die Nichtjuden aus manchen (straften gänzlich verdrängt und befinden sich in scharfem Wettbewerb mit christlichen Arbeitern in einigen Berufszweigen, für welche die eingewanderten Juden besondere Befähigung an den Tag gelegt haben. In erster Linie steht das Schneiderhandwerk; hier haben die Juden viele Arbeiter durch Anwendung eines neuen Verfahrens verdrängt. Sie machen auch bereits den Schneidern im Westende Konkurrenz, weil sie billiger und besser arbeiten, und in der Vertheilung der Arbeit Großes leisten Auch als Schuster, Zigarrenarbeiter. Pelzarbeiter u. s. w. verdient der jüdische Einwanderer seinen Lebensunterhalt, ohne daß deßwegen die englischen Arbeiter Einsprache erhoben hätten. Von einer Judenhetze, wie sic in vielen Ländern Europas verkommt, findet man in London auch nicht eine Spur. Höchstens, daß sich die irischen, d. h. kathol. Schneider im Ostende von ihren jüdischen Berufsgenoffen scharf abschließen. Die Juden im Ostende werden als nüchtern, fleißig und sparsam geschildert, die nur ein Ziel verfolgen, Geld zu verdienen, es vom Lohnarbeiter zum Schwitzmeister, vom Miether zum Hausbesitzer zu bringen. Sie sind nicht in Gewerkvereincn organisirt, weil sie die Unabhängigkeit vorziehen und keine Wochenbeiträge entrichten wollen. Rumänien. Bukarest. (Die Judenfrage in R u - m ä n i e n.) Ueber den Stand der rumänischen Judensrage hat sich, dem „Rum. Ll." zufolge, der bekannte Politiker Emil Costinescu folgendermaßen geäußert; Bon dem „Antisemiten" Demeter A. Sturdza. dem Führer der liberalen Partei, ist nichts zu erwarten. In der Opposition ist Herr Sturdza Antisemit, weil er hierdurch seine Popularität zu erhöhen rechnet. Ich bin jedoch sicher, daß er, wenn er zur Regierung kommt, nichr mehr von der antisemitischen Frage sprechen wird Eine Lösung der Judenfrage, so sagen auch andere Politiker, ist für den Augenblick, d. h. für zehn bis zwanzig Jahre, vollständig ausgeschlossen. Kein rumänischer Minister würde über eine Majorität verfügen, um ein Gesetz zu Gunsten der Juden durchzubringen. Von einer Verständigung zwischen der konservativen und der liberalen Partei könne nicht einmal die Rede sein. Die antisemitische Agitation sei eine Oppositionswaffe, welche keine Partei verachten werde. Die Gesetze und Reglements, welche die Juden betreffen, würden so bleiben, wie sie heute seien, also unverändert. Die Juden, welche sie nicht ertragen können, würden auswandern müssen. Geduld oder Auswanderung, eine andere Lösung gäbe es nicht. Bukarest. (Du soll st keinen Sergeanten prügeln!) Das „Bukarester Tageblatt" schreibt unter dieser Spitzmarke: , Die Juden in der Moldau haben im Allgemeinen nicht den Ruf, besonders gewaltthätig zu sein, und speziell den Organen der Obrigkeit gegenüber sind sie im Allgemeinen von der größten Gefügigkeit. Es ist die Rolle des Ambos, die sie im Großen und Ganzen zu spielen haben, des Ambos, auf welchen der behördliche und gesellschaftliche Hammer nach Herzenslust losklopft. Und wenn sich unter ihnen Leute finden, die auch gerne ein bischen loshämmern möchten, so werden sie von kompetentester Seite in einer Weise Mores gelernt, daß ihnen alle derartige Anwandlungen auf's gründlichste verleitet werden. So hat die zweite Sektion des Jassyer Tribunals das Ehepaar Nathan und Sofia . Herschcovici. sowie deren Tochter Hanna, zu je sechs Monaten Geiängniß verurtheilt, weil sie alle drei einen Stadtsergeanten weidlich durchgeprügelt und den intervenirenden Subcommiffär gröblich beschimpft hatten. Wie traurig muß es unfern Brüdern an der Mol-. Vau gehen, wenn selbst rumänische Blätter in dieser Weise von ihnen schreiben. Mltt-ellOW» aus Deo iiiD. Armemmloeo ooD für Ditftlben. (Gämmtliche iüd. Wandcrbettelbeeeiue tut» «afft« für Durchreisende find gebeten, und Mittheilungen über Erfahrungen die ste auf dem Gebiete ihrer THLtigkeit machen, zukommeu zu taffen ) Hemsbach, 11. Dez. Bezugnehmend auf die im Israelit Nr. 98, erste Beilage, Seite 2066, aufgenommene „Bitte" beehre ich mich ergebenst mitzutheilen, daß vor ca. drei Wochen ein Individuum hier war, das auf den Namen Salomon Wassermann einen Krankenschein und eine Bescheinigung vom Oesterr. Consulat in Frankfurt a. M. hatte, daß er der Wassermann sei. welcher in die Affaire Hilsner verwickelt war. Aus Anfrage bei besagtem Consulat in Frankfurt a. M. stellte es sich heraus, daß die Papiere gefälscht waren. Ich ließ den Schwindler laufen, nachdem er mir versprochen, sich nicht mehr für Wassermann auszugeben, halte es aber nicht für überflüssig, verehrlicher Expedition des „Israelit" Kenntniß hiervon zu geben. S. D o k o w. (Fragliche „Bitte" ging uns mit Poststempel Wien zu. Red, d. „Israelit.") Feuilleton ersöhnte Weinde. Von Badette Fried. 5j „Welch' ein Vertrauen," so sagte sich Rosa, „mutz der Doktor in die Hausbewohner setzen, wenn er fortgeht, ohne nur daran zu denken, sein Zimmer abzuschließen."