Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 99 (13.12.1900)
- Date
- 1900-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2070 Entdeckung eines Mordes bestehe aus ganz objektiven unparteiischen Männern. Die „Neuesten Nachr.", die den Aufruf veröffentlichen, bemerken noch dazu: „Wir geben dem Wunsche um Veröffentlichung dieses Schriftstückes hiermit Folge, können aber die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es einen seltsamen Eindruck macht, wenn die Aufklärung eines Verbrechens, die doch Aufgabe der mit allen Mitteln ausgerüsteten Behörde ist, auf diese Weise von privater Seite in die Hand genommen werden muß. So dankbar die Bemühung ist, der die betreffenden Bürger mit diesem Akt der Selbsthilfe sich unterziehen, dem Ansehen des Staates und seiner Organe ist die Nothwendigkeit einer derartigen organisirten freiwilligen Mitwirkung kaum förderlich." Hamburg, 10. Dez. Seit längerer Zeit schon durften die verschiedenen hiesigen Hospitäler, außer den großen allgemeinen Staatskrankenhäusern, keine Patienten mit ansteckenden Krankheiten behaftet, aufnehmen, weil sie keine Jsolierräume mit allem Zubehör, sog. Pavillons, besitzen. Diese Medizinalverordnung wurde besonders drückend von jüdischen Jnfektionskranken empfunden, die dadurch eben nur Ausnahme im allgemeinen Krankenhause finden konnten, wo nur in besonderen Fällen, und dann auch nur mit großen Schwierigkeiten verknüpft, rituelle Kost verabreicht werden konnte. Das israelitische Krankenhaus war im Begriffe, mit einem Anträge an den Gemeindevorftand um Bewilligung der Kosten zwecks Herstellung eines solchen Pavillons heranzutreten, als sich drei Herren — die Gebrüder Lewisohn, London und Newvork, geborene Hamburger, entschlossen, zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern, Sam. Lewisohn und Frau Julie geb. Nathan, Mk. 80.000 dem Israel. Krankenhause hierzu zur Verfügung zu stellen. Die Ausführung wird nach eingeholter Baugenehmigung schon bald in's Werk gesetzt werden. Diese hochherzige Spende ist nicht die erste bedeutende und wohl auch nicht die letzte, welche diese Herren, namentlich aber das Newyorker Haus, unseren Gemeindeinstituten zugewendet, und wenn ich nicht wüßte, daß die Veröffentlichung den Gebern nicht angenehm wäre, könnte ich eine ganze Anzahl nennen. Einst aber wird man Großes davon erzählen. - Herr David R n b e n beging dieser Tage seinen 70. Geburtstag, den er nicht würdiger feiern zu können glaubte, als mit einer Kapitalzuwendung von 25,ooo Mk. 4pEt. Hamburger Anleihe an die Talmud-Thora-Realschule, deren Vorstand er seit langen Jahren angehört. Aber auch zahlreiche Freunde ließen es sich nicht nehmen, Herrn Rüben ihre Glückwünsche darzubringen. Jedes Lob, welches wir an dieser Stelle Herrn David Rüben für seine hervorragenden Verdienste und insbesondere für seine rastlose Thatigteit um das Gedeihen der Talmud-Thora-Realschule, der Perle unserer Gemeindeinstitutionen, zum Ausdruck bringen wollten, würde das Maß seiner Verdienste bei weitem nicht erreichen. Möge Herrn David Rüben ein segensreicher Lebensabend beschießen sein. H. B. Memel, 5. Dez. Zur Zeit weilt hier Herr Isaak B e r m a n n , der Sendbote und Vertrauensmann der Talmud-Hochschule (Jeschiba) zu Telschen (Rußland), um die regelmäßigen freiwilligen Jahresbeiträge in Empfang zu nehmen. Hierdurch wurde ich an eine Notiz in Nr. SO Ihrer geschätzten Zeitung erinnert, worin über diese Anstalt kurz berichtet wurde. Mit Rücksicht auf die heilige Sache sei es mir verstattet, hier noch Einiges zur Vervollständigung jener Notiz nachträglich mitzutheilen, um so mehr, da ich aus der Nähe die beste Gelegenheit hatte, mich von der Wichtigkeit der genannten Anstalt zu überzeugen, sowie auch nähere Erkundigungen über dieselbe einzuziehen. Die Hochschule zu Telschen besteht seit etwa siebzehn Jahren und wird von ihrem Begründer, Rabbi Elieser G o r d o n , geleitet. Die Anzahl der Talmudjünger beläuft sich auf nahezu 300, die mit Fleiß und Ernst dem Thorastudium obliegen. Ein großer Theil von ihnen wird auf Kosten der Anstalt unterhalten, für den Unterhalt der Anstalt selbst und ihrer Lehrer, sind im Verhältnis) zu der Einnahme sehr bedeutend und werden aus freien Beiträgen bestritten. Dieses Mißverhältnis) zwischen Einnahme und Ausgabe hat seine Ursache zunächst in dem äußeren Druck, unter welchem die Juden Rußlands leiden. Sonach erscheint die Theilnahme der anderweiten Glaubensgenosien gewiß sehr geboten und erwünscht. Uebrigens haben bereits die größten Autoritäten Rußlands und Deutschlands sowie diejenigen anderer Länder diese Anstalt sehr warm empfohlen und befürwortet. Mit dem Wunsche, oaß diese Anstalt auch in unserem weiten deutschen Vaterlande recht viele Freunde und Förderer finden möge, schließe ich diese Zeilen. Emil Benjamin, Religionslehrer. Papenburg, 10. Dez. Von Herrn Lehrer Strauß erhielten wir folgende Zuschrift: Für eine großen Theil Ihres werthcn Leserkreises dürfte die Beschreibung einer Münze von Interesse sein, die Schreiber dieser Zeilen dieser Tage erhielt. Die silberne Münze, Inelche größer alo eine Mark ist, trägt ans dem Avers die Worte „Justus—Judex," dazwischen den Namen Gottes in etwa fünf Eentimeter hohen Buchstaben und auf dem Revers „XVI Skilling: Dansl. 1043" und Wappen. Wir wandten uns darauf au den bekannten Numismatiker Herrn Leopold Hamburger in Frankfurt a. M. und war derselbe so freundlich, uns folgende Auskunft zu geben: „Diese von 3644—1648, also während der letzten Jahre des dreißigjährigen Krieges unter König