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Der Israelit · 1900-12-13 · Heft 99 (13.12.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 99 (13.12.1900)
Date
1900-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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20«S Freilich muß auch der häuslichen Belehrung ein hohes Muß didaktischen Taktes innewohnen, sonst verfehlt sie ihren Zweck. Sie muß dem kindlichen Berstande angemessen, faßlich und greifbar sein, sie darf weder zu erhaben, noch zu platt erscheinen, ganz so wie das Chanukalicht, weder zu niedrig, noch zu hoch angebracht werden darf (Raschi S. 22a), so daß das Auge es nicht leicht zu schauen vermag, X3*y rrr xc^r xbn Seichtheit läßt kalt, Schwulst verwirrt; Klarheit des Ausdrucks, Wärme der Empfindung bereichern Geist und Herz. Darum sei schlicht und innig das Wort der Lehre. Niemals fehle ihm die rechte Freude, niemals ermangele des idealen Sinnes, niemals lasse es die ansprechende Form vermißen. Auch die vorbildlichen religiösen Handlungen der Eltern müssen diese Bedingungen gewiffenhaft erfüllen, raun na -33 nws tick „Man darf nicht Geld zählen vor dem Chanukalicht," lehrt der Talmud sSabb. 22a): Alles unedle Empfinden, jedes ungeweihte Streben muß dem Lichte der Lehre fernbleiben und jede Mizlva werde so geübt, daß sie immer erhebend, niemals verächtlich erscheine jtp:t2 nute irr xbv '■by, Ist das Gebet der Eltern nur andachtslose Wort- Häufung, ist die Erfüllung der Gebote nur gewohnheitsmäßige, empfindungslose Uebung, ist alle sichtbare Frömmigkeit nur leeres Gethue, dann dürfen die Eltern sich nicht wundern, wenn trotz der äußerlichen Gesetzmäßigkeit, das Herz der Kinder gegen das Judenthum kalt und gleichgültig bleibt. Wenn die talmudischen Weisen in Betreff des Chanukalichtes darüber streiten, ob niLvn xn nnn im Hinstellen des Liches, oder mxon x'.n npS-n im Anzünden die eigentliche Erfüllung dieser Pflicht bestehe, so kann man im Allgemeinen bei der Ausübung der religiösen Vorschriften daran nicht zweifeln, daß hier die Norm msten nvi npS-in: die Gluth der frommen Begeisterung darf niemals fehlen. Denn '72 xab xjem „Gott will das Herz." Wer sich der Gebote Gottes freut, wird sich ihrer nicht schämen. Nickt scheu und erröthend, als ob wir unsere Glaubenssatzungen verbergen müßten-, frei und offen in froher Erhebung und edlem Selbstbewußtsein müssen sie vollzogen werden. Wir haben nichts zu verheimlichen und nichts zu verhehlen. Was unsere heil. Lehre und die Weisheit ihrer Ueberlieferungen uns befiehlt, kann das Helle Licht der Oeffentlichkeit wohl vertragen. Das Chanukalicht wurde nach der Gemara an der Thüre des Hauses von außen oder an einem nack der Straße hinausgehendem Fenster angezündet. >-7^72 *h nrr ax proe M'2 rno by nr^r.b mxa .-rran -i; (S. 21 b.) "7nb “21227! slbn2 7!N'32 Das sei uns eine Mahnung, auch bei allen übrigen Vorschriften der Religion darauf zu achten, sie mit freudigem Stolze zu erfüllen, aber nicht mit banger Scheu, als hätten sie des Beschauers Blick zu fürchten. Nur wenn unsere Kinder sehen, wie wir reich und glücklich, froh und frei uns im Besitze der Goitesschätze fühlen, wird das Licht des Glaubens, das wir in ihrem Herzen entzünden, dem nixe nr, den widerlichen Luftströmungen Stand zu halten vermögen, die auch heute die Menora des Judenthums umdräuen. Haben wir in solchem Geist das verantwortungsreiche religiöse Erziehungswerk des Hauses verstanden, dann werden wir zwar für die religiöse Wahrheit eine verschiedengradige Veranlagung und Begabung wahrnehmen, aber auch erfahren, daß kein Kind ganz unempfänglich und verftändnißlos für die Glaubenslehren sich zeigt. Darauf iveist die Halacha über das Chanukalicht hin, Tou“ i:b nntps r:b'-s~' sva&n bs ,Mtte Dochte und Qele sind für das Chanukalicht geeignet." Ist aber selbst bei ehrlichem yftüfyen unsere Erziehungs arbeit vergeblich gewesen, sehen wir uns nach gewissenhaften Anstrengungen um den Erfolg betrogen, so bleibt uns das tröstliche Bewußtsein hingebungsvoller Pflichttreue: Hast du der Menora genügend Oel zugeführt und sie erlischt, zeigt sich des Sturmes Gewalt stärker als des Lichtes Leuchtkraft, 7>b pipi px nms, so hast du dennoch das Gebot deines Gottes in verlangter Weise erfüllt sSabb. 21b). Diese seltene Ausnahme eines freudlosen Ausganges bei ehrlichem Eifer darf uns aber den Muth nicht lähmen und die Arbeitsfreudigkeit nicht trüben. Mit uns ist Gott, er hilft beim schweren Lehrwirken, und ist der Ewige bei uns, so schirmt er das Licht 'pj -px ♦ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Dez. Zu dem Aufruf behufs Gründung einer „Vereinigung in Könitz zur Aufklärung des Mordes an dem Gymnasiasten Winter" bemerkt die „National- Zeitung": „Deßhalb wollen die Unterzeichner eine Geldsammlung veranstalten, um „jede Spur rücksichtslos zu verfolgen." Hier wird also von Neuem der Vorwurf erhoben, daß aus irgend welchen Rücksichten Spuren, die vorhanden seien, nicht verfolgt würden. Es wird ausgesprochen, daß Privatleute die Spuren verfolgen müssen, damit es gelinge, die Justiz zur Ergreifung der Mörder zu veranlassen. Deutlicher kann man die Justizbehörden nicht der schlimmsten Pflichtverletzung beschuldigen, und dies thun Geistliche, Mitglieder des Reichstages und Abgeordnetenhauses und andere Männer in angesehener Stellung! Eine derartige Agitation untergräbt die nothwendigsten Grundlagen der Staatsordnung, das Vertrauen zur Rechtspflege schlimmer, als es jemals seitens der Sozialdemokratie geschehen ist." — Agrarische und konservative Blätter natürlich behaupten, diese höchst merkwürdige Vereinigung zur

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