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Der Israelit · 1900-12-13 · Heft 99 (13.12.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 99 (13.12.1900)
Date
1900-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2068 ihres Volkes vollbrachten, der trefflichen Unterweisung des Vaters zuschreiben. Diese Ansicht scheint übrigens in früheren Zeiten leine vereinzelte gewesen zu sein. Jedenfalls hat jener Agadalehrer, der mit dem Worte nrr> ry rrsc n „In Gottesfurcht liegt starker Halt, lehrt man sie den Kindern, wird sie ihre Zuflucht sein," seine Chanukabetrachtungen einleitete, diesen Standpunkt vertreten und als bedeutsamste Lehre unserer freier die Macht der religiösen Erziehung heroorgehvbeu. Es mag auch der Name unseres Festes (Ehanuka verwandt mit Chanuk, erziehen, also nicht nur Weihe-, sondern auch Erziehungsfest) zur Befestigung dieser Meinung mitgewirkt haben. Indem wir dieser werthvollen Anregung folgen, sehen nur in den talmudischen Bestimmungen über das Ehanukalicht, wie sie von den Talmudlehrern im zweiten Abschnitt des Traktats Sabbat gegeben werden, Hinweise und Aufschlüsse über die Macht der religiösen Erziehung. Diele Auffassung erscheint sogleich weniger befremdend, wenn wir erwägen, daß das Ehanukalicht ja von Alters her als ein Sinnbild der Religion und wachsender Glanz als eine Mahnung angesehen wurde: P'rz pntr-pc ptoe mit immer sich mehrender Kraft dein Heiligen nachzustreben. Das Ehanukalicht wird sr; kcc-e^ zur Verkündung des göttlichen Wunders nicht nur in der Synagoge angezündet, sondern wr tr.v rrr*;rr jrsra tti es sott, wie die Boraitha Sabb. 21a lehrt, in jedem Hause brennen. Auch die religiöse Unterweisung der Jugend darf nicht auf Synagoge und Schule sich beschränken. In jedem Hause muß das Licht der Thoralehre mit traulichem Schein für Jung und Alt leuchten. Es ist keine umstrittene Wahrheit, daß der vorbereitende Unterricht des Hauses die sogenannte Schola materna (mütterliche Schule), wie einer der Begründer der modernen Erziehungslehre sich ausdrückt, schon früh beginnen muß. Lange vor Eintritt in die Schule muß eine Fülle religiöser Eindrücke aus das Kind gewirkt haben, der gottesgläubige Geist und die fromme Sitte des Hauses, die Lehren und Gebete der Eltern müssen den Boden bilden, auf dem die Schule ihre Saat ausstreuen kann. Unsere wackeren Altvorderen, zu denen zurückzuschreiten mir immer noch als schönster Fortschritt gilt, hatten den prächtigen Grundsatz: rr'~ fcp m; .tt. „Wenn das Kind zu reden anfängt, dann beginne die erste häusliche Unterweisung in den religiösen Pflichten." Die ersten Sprüche, die cs lernte, waren Verse der Thora, die ersten Lieder, die cs sang, fromme Gebete. Die Erfüllungsweise der göttlichen Gebote war ihm bald vertraut. So hatte die Schule nur auf dem Grunde weiter zu bauen, den fest und sicher das Haus gelegt hat, und sah sich bei Fortschreiten der Arbeit von Seiten der Eltern mit wachsender Liebe linterstützt. Wie ganz anders ist es leider Gottes heutzutage. Ich weiß sehr wohl: der Hinweis auf die ungleich schlechteren Verhältnisse der Gegenwart klingt wie ein abgebrauchter Gemeinplatz, so oft und so einhellig sind die unbefriedigenden Resultate selbst vorzüglich geleiteter Religionsschulen auf die Theilnahmslosigkeit und — in gar nicht so seltenen Fällen — aus die Feindseligkeit des Elternhaufes gegen die Ausgaben der Schule zurückgeführt worden. So lange aber diese Mißstände sortdauern, hat der Rabbiner sic immer wieder zu rügen. Auch die Einwendungen, die man solchen Vorwürfen entgegenstellt, sind mir durchaus vertraut. Man sagt: „Unsere Forderung, den Religionsunterricht durch das Haus zu fördern, fei schwer durchführbarder heißere Daseinskampf im modernen Erwerbsleben nimmt ohnehin die volle Geisteskraft des Familienvaters in Anspruch und gestattet ihm keinerlei persönliche Mitwirkung an der religiösen Fortbildung seiner Kinder." Bleiben aber nicht - - selbst bei außergewöhnlich anstrengender und zeitraubender Bernssthätigkeit — Sabbat und Feststunden, die nutzbar für die religiöse Belehrung der Kinder ausgestaltci werden könnten? Bleibt nicht das ganze religiöse Pflichtenleben, das sich im Rahmen des Hauses vollzieht und eine ununterbrochene Kette heilsamer Anregungen gewähren könnte? Bleibt nicht vor allem die Mutter, die immer dann des wichtigen Lehramtes zu walten hat, wenn der Vater durch Geschäfte behindert ist, die göttlichen Satzungen den Kindern zu übermitteln? rr-n rtr:. Auch Frauen müssen das Ehanukalicht entzünden, sagt R. Josua b. dewi (Sabb. 23a). Jüdische Mütter können sich dieses weihevollen Berufes, in's Herz der Kleinen die Liebe zum Gottesnamen einzupflanzen, nimmer entziehen. Mit unaussprechlicher Freude habe ich oft beobachtet, wie gerade die Mutter mit instinktiver Treffsicherheit den für den Lehrer nicht gerade leicht zu findenden Herzenston bei der Darstellung biblischer Geschichten anzuschlagen weiß, und das leuchtende Auge der lauschenden .Kinderschaar bestätigte mir die talmudische Wahrheit: np-s-rc \s*-r rtsrx „Eine Mutter weiß immer zu begeistern." Und wann beginne die Mutter mit ihrer Unterweisung? Wenn das Geistesleben des Kindes sich eben zur ersten Bliithe entfaltet. Denn es ist nicht gleichgültig, wann die religiösen Wahrheiten dem Kinde zum ersten Male aufdämmern. Als R. Jirmija (Sabb. 21b) einst eine Ueberlieferung in Betreff des Chanukalichtes erst im späteren Alter angenommen hatte, bedauerte er dies Niriprr r;, weil jede Lehre um so bester in unserem Bewußtsein haftet, je früher sie dem Gedächtniß eingeprägt wird (Raschi das. Ptrc o-'prc ). Der in pädagogischen Fragen gewiß spruchbesugte Philosoph Herbart schreibt: „Nie wird die Religion den ruhigen Platz in den Tiefen des Herzens einnehmen, der ihr gebührt. wenn ihre Grundgedanken nicht zu dem Aeltesien gehören, wozu die Erinnerung hinaufreicht."

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